„Dann habe ich eben mal auf den Tisch gehauen“

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Reue? Ein bisschen. Ansonsten lächelte Clemens Fritz seine Handgreiflichkeit gegen den jungen Kollegen Davie Selke weitgehend weg: „Die Angelegenheit ist aus der Welt.“ ·

Bremen - Die Eltern von Clemens Fritz müssen mit ihrem Filius sehr zufrieden gewesen sein. Denn ein Raufbold war er nie, der kleine Clemens. Blutige Nase, verschrammtes Gesicht? Höchstens nach einem Fußballspiel. Aber geprügelt hat sich Fritz junior nicht.

„Selbst im Kindergarten oder in der Schule ist mir das nicht passiert“, sagt der Werder-Kapitän. Umso dringlicher die Frage, warum ausgerechnet ihm am Montag im Training die Hand gegen Nachwuchsstürmer Davie Selke (18) ausgerutscht ist (wir berichteten).

„Ich will hier nicht ins Detail gehen“, erklärt Clemens Fritz. Ganz pauschal betrachtet sei der Grund, weshalb es zur Handgreiflichkeit gekommen war, aber wohl der gewesen: „Wir haben beide Mist gebaut.“ Dass er dabei als derjenige darsteht, der die Nerven verloren hat, „stört mich überhaupt nicht“, meint der 33-Jährige: „Das kann auch meinetwegen so stehen bleiben.“

Muss es aber nicht. Deshalb stellte sich Fritz am Tag nach der „ganz normalen Trainingsrangelei“ (Fritz) zum Gespräch. Ein reumütiges Sorry formulierte er aber nicht. Vielleicht weil er sich nicht bei einem jungen Kollegen entschuldigen will, der sich – wenn man so will – seinen Anweisungen widersetzt hat.

Denn bis zu Fritz’ Foul am Fairplay hatte Selke offenbar seinen Kapitän zu hart bearbeitet. Dem platzte dann der Kragen. „Es war sicher ein Stück weit seine Zweikampfführung. Mir haben da ein paar Sachen nicht gepasst. Darauf habe ich ihn auch hingewiesen“, schildert Fritz die Vorgeschichte. So hatte der Jung-Profi dem Alt-Profi einmal den Ellenbogen ins Gesicht geschlagen hatte und war kurz darauf im direkten Duell wieder nicht zimperlich zu Werke gegangen. „Da habe ich dann eben mal auf den Tisch gehauen“, sagt Fritz und lacht dabei. Er stellt aber auch klar: „Davie hat nichts gesagt, hat mich nicht beleidigt. So ein Typ ist er auch gar nicht.“

Clemens Fritz ist allerdings auch nicht der Typ für Box-Einlagen. Aber es ist halt passiert, meint der Ex-Nationalspieler: „Es ging ein bisschen zu hart zur Sache, was sich vielleicht nicht so gehört. Sicher habe ich da ein Stück weit überreagiert. Aber ab und zu tun Reibereien auch mal ganz gut. Immer Friede, Freude, Eierkuchen bringt einen auch nicht weiter.“

Kurios an dieser Aussage ist, dass Fritz davor und danach mehrmals betont, dass im Team aber alles Friede, Freude, Eierkuchen sei. „Zu weit“ ginge auch die Interpretation, seine Handgreiflichkeit sei ein Zeichen für atmosphärische Störungen im Team, sagt er: „Das ist völliger Blödsinn.“ Mit Davie Selke, der selbst nichts zur Sache sagen darf, sei auch längst wieder alles in Ordnung, beteuert Fritz: „Die Angelegenheit ist aus der Welt. Das ist das Entscheidende.“

Prügelei: Selke und Fritz geraten im Training aneinander

Spätestens auf der Weihnachtsfeier nach dem Training wurde Frieden geschaffen. Trainer Robin Dutt hatte die Beteiligten kurz an seinen Tisch geholt, danach war Besinnlichkeit befohlen. „Für uns ist so etwas nur eine Randnotiz“, sagt Dutt und schafft es sogar, den handfesten Streit in einen Akt des Teambuildings zu verwandeln: „Die Spieler haben einen guten Teamgeist gezeigt, weil sie es untereinander geregelt haben.“ Und Clemens Fritz ist in seinem Amt als Kapitän auch nicht beschädigt, behauptet Dutt. Sein Argument: „Er hat danach gezeigt, wie man das als Kapitän regelt. Er hat es aktiv moderiert.“ So wie er den Kollegen auf dem Trainingsplatz aktiv zu mehr Zurückhaltung erzogen hat. · csa

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