Coach Skripnik muss sein Team aufrichten – bis Bayern alles wieder niederwalzt

Was tun?

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Verlieren ist für Werder-Trainer Viktor Skripnik (re.) erlaubt – wenigstens noch einmal: Geschäftsführer Thomas Eichin (li.) hisst für die Partie gegen Bayern schon die weiße Fahne.

Bremen - Egal, was Trainer Viktor Skripnik in den kommenden Tagen mit seinen Spielern veranstaltet, eines ist jetzt schon klar: Kurzfristig wird es nicht viel nützen. Gestern begann mit einer Radtour nicht nur die Krisenbewältigung nach vier Niederlagen am Stück, sondern auch die lange Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Spitzenreiter Bayern München am 17. Oktober. Es wird eine Partie wie ein Himmelfahrtskommando.

Zwölf Tage haben Skripnik und seine Co-Trainer Torsten Frings und Florian Kohfeldt Zeit, das Team aufzurichten, auszurichten und wieder stark zu reden. Sie sind jetzt gefordert, müssen die sportliche Talfahrt dringend stoppen. Die Probleme dabei: Wegen der Länderspielabstellungen steht im Moment nur ein Rumpfkader zur Verfügung, neun Profis sind im Auftrag ihrer Nationalteams unterwegs. Und der Rest kann sich mental noch so sehr aufpäppeln lassen – gegen die Bayern mit ihrem Dampfwalzenerfolgsfußball setzt es dann mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit trotzdem die nächste Niederlage. Was also tun?

Erste Devise: „Cool bleiben!“ Sagt Thomas Eichin. „Die Nationalmannschatsabstellungen sind sicherlich nicht vorteilhaft, weil man natürlich die Mannschaft beisammen haben möchte. Aber damit müssen wir wie viele andere Teams leben. Es lässt sich auch mit den verbleibenden Spielern sinnvoll arbeiten“, meint der Geschäftsführer: „Es bringt nichts, jetzt zu klagen. Wir müssen lösungsorientiert denken, nicht problemorientiert.“

Aber natürlich ist es in der aktuellen Lage ein Handicap, dass bei den dringend nötigen Nachjustierungen im Team die wichtigsten Akteure fehlen. Offensivspiel trainieren? Schlecht, wenn der als Antreiber und Taktgeber vorgesehene Junuzovic bedeutungslose EM-Qualifikationsspiele gegen Montenegro und Liechtenstein bestreiten muss. Und an der Defensive feilen? Geht kaum ohne Abwehrchef Jannik Vestergaard (für Dänemark im Einsatz) und Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie (mit Tschechien on tour).

Bleibt noch die „Kopfarbeit“. Skripnik, der selbst langsam unter Druck gerät, weiß, wie sehr die Spielerseele bei einer Pleitenserie wie der aktuellen leidet. „Vier Mal in Folge verloren zu haben, ist ein sehr schlechtes Gefühl“, sagt er. Dieses schlechte Gefühl zu vertreiben, ist das, was mit vielen guten Worten sicherlich möglich ist. Bis die Bayern es dann doch wieder zurückholen.

Doch dem versucht Eichin vorzubeugen. Indem er rät, die Partie gegen den unangefochtenen Branchenprimus von vornherein nicht zu wichtig zu nehmen. Motto: Wenn schon Dortmund fünf Stück gegen die Münchner kriegt, sollte Werder nur das Schlimmste erwarten. „Wir kalkulieren mit null Punkten, ganz klar“, sagt der 48-Jährige und hisst tatsächlich die weiße Fahne. Ob das nun der richtige Weg ist, bleibt dahingestellt. Realistisch ist es auf jeden Fall. Und es gilt auch nur für die Bayern. Danach muss Schluss sein mit den Niederlagen. Eichin: „Im Moment haben wir nicht die Form, die wir brauchen, im Moment haben wir ein Tief. Wir müssen jetzt einen Mittelweg aus Gelassenheit und Ernsthaftigkeit finden, um diese Situation zu lösen.“

Dabei ist der Sportchef „gar nicht unglücklich“, dass ausgerechnet jetzt die Bayern den Bremer Weg kreuzen: „Ich habe kein Problem damit.“ Ihm erscheint es besser, dieses Null-Chance-Spiel in eine Phase der Krise zu packen, als in eine Phase des Aufschwungs. Denn viel kaputtmachen können die Bayern bei Werder im Moment nicht. Allerdings: Den Bremern droht der Sturz ans Tabellenende, wenn die Teams unter ihnen nach der Länderspielpause punkten. Und das würde den Druck auf alle – speziell auf Viktor Skripnik – nochmal deutlich erhöhen.

csa

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