Co-Trainer Frings und Vander genießen die „rosarote“ Zeit und loben das Team

„Die Werder-Raute hat ihren Stolz zurückbekommen“

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Zwei Bremer Ex-Profis, die sich nun als Assistenztrainer von Viktor Skripnik um die aktuellen Werder-Profis kümmern: Torsten Frings (links) und Christian Vander.

Bremen - Torsten Frings ist es dann doch zu viel geworden. Nicht die Arbeit als Co-Trainer bei Werder Bremen. Auch nicht die Doppelbelastung mit ständigen Fahrten nach Hennef, wo er noch bis zur Abschlussprüfung Mitte März zusammen mit Assistenzcoach-Kollege Florian Kohfeldt seinen Fußballlehrerschein macht. Nein, es geht um die Gesichtsbehaarung. Der Bart des 38-Jährigen wucherte – im Internet wurde schon gescherzt, er sei auf dem besten Weg zum Weihnachtsmann-Double. Frings griff also zum Rasierer.

Mit seiner Haarentfernungs-Aktion setzte sich der frühere Werder-Kapitän sogar über die Vorgabe seines Vorgesetzten hinweg. Im „Sportblitz“ von Radio Bremen hatte Sportchef Thomas Eichin, der aus dem Eishockey-Metier nach Bremen kam und die Playoff-Bärte-Tradition bestens kennt, scherzhaft angekündigt: „Torsten und ich rasieren uns erst wieder, wenn Werder verliert.“

Nun, Werder hat auch Samstag auf Schalke nicht verloren, mit dem 1:1 – nach zuvor fünf Siegen – das sechste Spiel in Folge ohne Niederlage hingelegt. „Die Mannschaft glaubt wieder an sich. Sie setzt genau das um, was wir wollen. Wir unterstützen sie, wo wir nur können. Das ist das ganze Geheimnis. Wir zaubern nicht“, betont Frings. Stattdessen wird viel geflachst – mit den Mitspielern, aber auch mit den Trainern. „Wir haben einfach ein gutes Miteinander, voller Respekt und Vertrauen“, betont Frings. Die Mannschaft wisse, „dass wir zu 100 Prozent hinter ihr stehen“. Sie wisse aber auch, „dass sie dafür sehr hart arbeiten muss. Momentan“, urteilt Frings, „machen die Jungs das super. Man kann nur stolz auf sie sein.“ Ein dickes Lob verteilt auch sein Kollege. „Was die Mannschaft seit Wochen auf den Platz bringt, ist fantastisch. Wir haben einen tollen Spirit entwickelt“, findet Christian Vander. Der 34-Jährige kam mit dem jetzigen Cheftrainer Viktor Skripnik Ende Oktober aus der Bremer U23 und kümmert sich nun als Torwarttrainer um die Profi-Keeper.

Wie Frings, der im Training höchstens noch ein bisschen mitkickt („Es fällt mir mittlerweile schwer, mit den Jungs kann ich nicht mehr mithalten“), hat auch Vander eine Werder-Vergangenheit als Aktiver. Von 2005 bis 2013 war er Ersatztorwart, brachte es in Bremen auf elf Bundesligaspiele. Dass sich die Trainer größtenteils schon länger kennen, ist ein großer Vorteil – glaubt Vander: „Es ist ein absolutes Vertrauen untereinander da. Die Denkrichtung über Fußball passt Eins-zu-Eins.“ Man diskutiere viel miteinander, auch „gerne ein bisschen schärfer“, sagt der Ex-Torwart mit einem Schmunzeln: „Aber am Ende des Tages kommen wir immer auf einen gemeinsamen Nenner.“ Skripnik ist dann derjenige, der die Entscheidungen verkündet. Vander: „Er ist der Chef, hat den Hut auf und macht das Beste daraus.“

Intensives Teamwork im Bremer Trainerteam – als Beispiel dafür mag die viel diskutierte Torhüter-Rotation im Winter dienen. Richard Strebinger wurde nach Regensburg verliehen, Raif Husic in die U23 geschickt. Dafür kamen Koen Casteels (Hoffenheim) als Nummer zwei bis Saisonende und Michael Zetterer (Unterhaching). Nach einer Kaderanalyse mit Sportchef und Trainern habe man „festgestellt, dass wir auf dieser Position etwas machen und ein bisschen mehr Erfahrung haben möchten, gerade im Abstiegskampf. Wir haben das alles durchgesprochen und uns dann mit Koen ein Stück weit abgesichert“, erklärt Vander. Doch hat er selbst die großen Veränderungen in „seinem“ Bereich forciert? Vander wiegelt ab: „Es war letztlich ein Vorschlag vom Trainerteam. Aber mehr Erfahrung zu holen, war auch mein Gedanke. Ich bin jetzt zufrieden mit der Konstellation, habe bei den Torhütern ein gutes Gefühl.“

Das gilt auch für den Rest der Rückrunde in der Bundesliga. In der Form der vergangenen Wochen muss sich Werder vor keinem Gegner verstecken, auch nicht am Sonntag (17.30 Uhr) vor dem Tabellenzweiten VfL Wolfsburg. „Im Moment ist alles rosarot. Wir hätten es uns nie erträumen lassen, dass es Ende Februar punktemäßig so aussieht“, gesteht Vander. Die 30 Zähler und der achte Platz hätten in ganz Bremen für Begeisterung gesorgt. „Die Werder-Raute hat wieder ein bisschen ihren Stolz zurückbekommen“, sagt Vander: „Und für uns Ex-Profis ist es etwas ganz Besonderes, dass wir dabei sind.“

mr/kni

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