Werder stagniert, HSV holt auf / Allofs sieht „mittlerweile einen Konkurrenten“

Clubs auf Kollisionskurs

+
Im Nordderby geht‘s immer zur Sache – so wie hier im Hinspiel zwischen Bremens Sokratis (re.) und Hamburgs Marcell Jansen.

Bremen - Klaus Allofs hat‘s nicht so mit der Vergangenheit. Was bringt schon der Blick zurück auf tolle Nordderbys? „Ich habe sowieso nur die schönen Erinnerungen abgespeichert. Die schlechten sind weit weg“, lacht der Chef von Werder Bremen vor dem Duell morgen, 15.30 Uhr, beim Hamburger SV.

Vor der 104. Auflage des Klassikers – der 96. in der Bundesliga – ist Allofs die Aktualität viel wichtiger. Und die besagt, dass für die Bremer Gefahr in Verzug ist. Die eigene Schwäche mit nur vier Punkten aus vier Rückrundenspielen sowie der Hamburger Aufschwung mit zuletzt sieben Zählern aus drei Partien, haben eine Konstellation geschaffen, die nach Hinrundenabschluss noch unmöglich schien. Die Rollenverteilung damals sah vor, dass Werder für den Rest der Saison um die Champions-League-Qualifikation rangeln würde, während Liga-Dino HSV ums Überleben in der deutschen Eliteklasse kämpfen müsste.

Nordderby: Die Highlights

Nordderby: Die Highlights

Mittlerweile sind die einen wie die anderen von den zugewiesenen Tabellenregionen acht Punkte entfernt. Was für den Immer-noch-Fünften Werder einen negativen Trend darstellt, ist für den Schon-Zehnten aus Hamburg einfach nur schön und bringt ein lange vermisstes Gefühl zurück. „Wir haben uns aus der Abstiegszone befreit und gehen zum ersten Mal mit einem positiven Druck in eine Partie“, frohlockt Trainer Thorsten Fink, die Symbolfigur des zurückgekehrten Erfolgs.

Was er als „positiven Druck“ beschreibt, ist nichts anderes als die Aussicht auf das europäische Geschäft. Fünf Punkte ist Platz sechs nur noch entfernt, sieben sind es bis zu Werder. Folgerichtig, dass Klaus Allofs vor dem Derby die Warntafel in die Höhe reckt: „Ich sehe den HSV mittlerweile als Konkurrenten im Rennen um die Plätze fünf bis sieben. Für uns geht es deshalb darum, unsere gute Ausgangslage zu bewahren und den HSV auf Distanz zu halten.“

Das gibt dem Duell, das seinen speziellen Reiz allein aus der geografischen Nähe beider Städte bezieht, zusätzliche Würze und liefert den Bremern die perfekte Vorlage, nach vier nicht zufriedenstellenden Unentschieden auf einen Befreiungsschlag zu hoffen. „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für einen Dreier als diesen“, feixt Philipp Bargfrede, der gewissermaßen mit dem Derby-Fieber groß geworden ist. Aufgewachsen in Heeslingen, stammt er aus dem Grenzgebiet zwischen Werder- und HSV-Fanland. Dort wird das Derby nachbarschaftlich gelebt – einer so, einer so. Auch wenn Bargfrede grinsend behauptet: „In meinem Freundeskreis gibt es keine HSV-Anhänger…“

Werder-Training vorm HSV-Spiel

Werder-Training vorm HSV-Spiel am Donnerstag

Und sein Chef ist durch und durch grün und weiß. Bereits zum 30. Mal sitzt Thomas Schaaf morgen in einem Pflichtspiel gegen den HSV auf der Werder-Bank. Da kommt schon ein bisschen Gewohnheit auf – wie sich an seinen spärlichen Anmerkungen zum Charakter der Partie erkennen lässt. „Es wird wieder ein sehr intensives Spiel – wie jedes Derby“, meint Schaaf. Thorsten Fink feiert dagegen Werder-Premiere. Und seiner Nordderby-Taufe sieht der HSV-Trainer ehrgeizig und optimistisch entgegen: „Wir haben ein gesundes Selbstvertrauen und berechtigte Chancen, das Spiel zu gewinnen.“ Widerspruch aus Bremen? Ja, von Klaus Allofs: „Ich bin zuversichtlich, dass wir nicht verlieren. Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir gewinnen.“

Ein Sieg in Hamburg, daran sei auch Allofs erinnert, gelang Werder allerdings zuletzt während der einmaligen Derby-Wochen im Frühjahr 2009. Danach setzte es zwei Pleiten in Folge – inklusive des ehrabschneidenden 0:4 vor fast genau einem Jahr. Damals kam es durch Fans zu einer nächtlichen Blockade des Teambusses am Weserstadion. Unschöne Erinnerungen, die gelöscht werden wollen. · csa/mr

Vettel gewinnt Formel-1-Klassiker in Monaco

Vettel gewinnt Formel-1-Klassiker in Monaco

Rettungshunde trainieren im Verdener Kletterpark

Rettungshunde trainieren im Verdener Kletterpark

Trump stößt G7 in eine tiefe Krise

Trump stößt G7 in eine tiefe Krise

TuS Sulingen steigt in die Fußball-Oberliga auf

TuS Sulingen steigt in die Fußball-Oberliga auf

Meistgelesene Artikel

„Es macht keinen Sinn, wenn er einer von acht Stürmern ist“

„Es macht keinen Sinn, wenn er einer von acht Stürmern ist“

Entspannter Entscheider

Entspannter Entscheider

Franke auf dem Weg zu Werder?

Franke auf dem Weg zu Werder?

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Kommentare