So will der Traditionsverein mittelfristig wieder nach oben kommen

Clubchef Filbry fordert: „Wir brauchen Einfallsreichtum“

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Clubchef Klaus Filbry (links) bastelt an der Zukunft des SV Werder – und dabei ist Geschäftsführer-Kollege Thomas Eichin natürlich ein wichtiger Gesprächspartner. ·

Zell · Klaus Filbry ist im Stress. Der Werder-Boss jagt im Zillertal von Termin zu Termin. Schließlich sind einige wichtige Sponsoren vor Ort, mit denen gibt es viel zu bereden. Aber der 46-Jährige will auch nah bei der Mannschaft sein, schauen, wie der neue Trainer Robin Dutt funktioniert. Seine Eindrücke schildert er im Interview, das sich allerdings noch mehr mit dem Weitblick eines Clubchefs beschäftigt.

Herr Filbry, Sie haben hier im Zillertal vor Sponsoren einen Vortrag mit dem Thema Werders Visionen gehalten. Was steckt dahinter?

Klaus Filbry:Wir haben uns vor zwei Jahren zusammengesetzt und einen strategischen Fünf-Jahres-Plan erarbeitet mit der Fragestellung: Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Ziel ist es: Wir wollen den Verein weiter professionalisieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass der Ball ins Tor geht.

Was wird genau gemacht?

Filbry:Wir haben mehrere Themen definiert. Zum Beispiel das Thema Organisation und Personalentwicklung. Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut. Wir haben Mitarbeiterbeurteilungen und Zielvereinbarungen eingeführt. Wir haben die Werder-Akademie für Weiterbildungsmaßnahmen gegründet.

Welche Themen gibt es noch?

Filbry:Das Thema Marke mit einem überarbeiteten Internetauftritt und dem neuen Claim „Lebenslang grün-weiß“. Oder das Thema Umsatz. Wie generiere ich höhere Einnahmen? Zum Beispiel durch den Einsatz von LED-Werbebanden. Die Wirtschaftlichkeit spielt auch eine wichtige Rolle. Wir haben eine zentrale Beschaffung eingeführt, um Kosten zu sparen.

Entschuldigung, aber das klingt alles sehr unsportlich.

Filbry:Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, da gehört auch das dazu. Aber es gibt natürlich auch das Thema Nachwuchsleistungszentrum und Bundesliga. Wir haben die Scoutingabteilung unter Frank Baumann neu aufgestellt. Wir führen gerade eine zentrale Datenbank ein, in der alle Spieldaten von jedem Spieler von der U 14 bis zur Bundesliga eingepflegt werden. Es wird eine einheitliche Spielphilosophie entwickelt, die von der U 9 bis U 23 gelebt werden soll.

Wer legt diese Spielphilosophie fest?

Filbry:In der Endverantwortung Thomas Eichin als Geschäftsführer Sport. Er wird sich natürlich eng mit Frank Baumann, Robin Dutt und Thomas Wolter, der jetzt sportlicher Leiter des Leistungszentrums ist, austauschen.

Mitten in Ihrem Fünf-Jahres-Plan sind zwei Säulen des Clubs, Klaus Allofs und Thomas Schaaf, weggebrochen. Welche Rolle hat das gespielt?

Filbry:Unternehmen und Vereine müssen sich so aufstellen, dass sie personenunabhängig sind. Natürlich ist es schade, dass beide nicht mehr an Bord sind, aber mit Thomas Eichin und Robin Dutt haben wir sehr starken Ersatz gefunden. Wir haben keinen qualitativen Einbruch erlitten. Und das ist wichtig, denn wir leben hier eine Professionalisierung im Verein, die es in dieser Art und Weise in der Bundesliga nicht überall gibt. Das wird uns von unseren Sponsoren immer wieder bestätigt. Und die kennen nicht nur Werder.

Wollen Sie sich so einen Vorsprung holen, um den Rückstand in anderen Bereichen wettzumachen?

Filbry:Ja, das war immer der Bremer Weg. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der Konkurrenzkampf immer größer geworden ist. Was zwischen 2004 bis 2010 bei uns so gut funktioniert hat, das funktionierte zuletzt nicht mehr so gut. Andere haben uns überholt, weil sie gut gearbeitet oder über bessere finanzielle Möglichkeiten verfügt haben. Deshalb brauchen wir wieder einen gewissen Einfallsreichtum.

Der da wäre?

Filbry:Da spielt das Nachwuchsleistungszentrum eine ganz wichtige Rolle. Wir haben eines der am besten bewerteten Nachwuchsleistungszentren in Deutschland. Aber wir müssen auch sicherstellen, dass wir diese Qualität in die Bundesliga-Mannschaft bekommen.

Wo wollen Sie mit Werder hin?

Filbry:Werder ist ein Traditionsverein, der in unseren Augen familiär professionell positioniert ist, der das Herzblut der Region ist und deshalb anfassbar bleiben muss. Wir wollen natürlich sportlich zurück in die Erfolgsspur, wissen aber, dass Geduld gefragt ist, um mittelfristig wieder internationale Spiele im Weserstadion zu sehen.

Das SV steht für Sportverein, aber ist Werder nicht längst nur noch ein Unternehmen?

Filbry:Das SV steht mit Recht noch für Sportverein und auch für soziale Verantwortung. In Deutschland haben die Sportvereine durch die 50+1-Regel immer noch die Mehrheit an den Gesellschafteranteilen der ausgegliederten Kapitalgesellschaften. Das ist eine Besonderheit, die wichtig ist, weil wir weiter im Vereinsumfeld verankert sind.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Investor einsteigt und Clubanteile erwirbt?

Filbry:Der Verein könnte theoretisch knapp 50 Prozent an Investoren vergeben. Aber so etwas ist bis auf Bayern München noch keinem anderen Club gelungen. Das ist in Deutschland ein schwieriges Thema. In England, Spanien, Frankreich gibt es Menschen, die im Fußball mit Geld spielen. Wenn die investieren, dann wollen sie aber auch das Sagen haben. Und das kommt für uns nicht in Frage.

Die angekündigten zwei Jahre der Konsolidierung sind rum, rechnen Sie für das gerade begonnene Geschäftsjahr wieder mit schwarzen Zahlen?

Filbry:Es ist das Ziel, sich so weit wie möglich der schwarzen Null zu nähern. Aber es gibt noch viele Variablen, die positiv oder negativ auf das Geschäftsjahr einzahlen können. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie weit wir im DFB-Pokal kommen oder ob wir noch Spieler kaufen oder verkaufen.

Gibt das aktuelle Budget noch Neuverpflichtungen her?

Filbry:Wir sind handlungsfähig. Wir werden nach den Trainingslagern entscheiden, ob wir noch Spieler kaufen, verkaufen oder verleihen.

Sie waren auch im vergangenen Jahr hier. Was hat sich unter dem neuen Trainer Robin Dutt verändert?

Filbry:Positiv ist schon mal, dass Robin Dutt und auch Thomas Eichin in ihren neuen Funktionen nicht an sechs Jahren Champions League gemessen werden, sondern an dem 14. Tabellenplatz aus der vergangenen Saison. Das gibt ihnen die Möglichkeit, unbelastet mit Fans und Medien neu loszulegen. Und wenn man neu loslegt, sind alle neu motiviert. Wir hatten vorher einen tollen Trainer, wir haben jetzt einen tollen Trainer. Jeder hat seine Handschrift, seine eigenen Vorstellungen – und was ich bislang von Robin Dutt gesehen habe, finde ich gut. Die Mannschaft zieht hervorragend mit, alle haben Spaß.

Zurück zum Thema Visionen: Wie werden sich die Fußballclubs in den nächsten Jahren verändern?

Filbry:Die Professionalisierung muss weiter vorangetrieben werden, weil wir uns mittlerweile in einem Milliarden-Betrieb bewegen. Es fließt viel Geld von Sponsoren und TV in das Produkt Bundesliga, und die erwarten eine hohe Professionalität. Wir müssen uns auch international gegen Spanien, gegen England, gegen Italien und gegen Frankreich behaupten. Die agieren mit anderen Geschäftsmodellen und fluten plötzlich wie Paris St. Germain oder Monaco den Markt mit Millionen. Das gibt es in der Bundesliga nicht.

Na ja, Bayern München und Borussia Dortmund lassen es gerade auch ziemlich krachen. Haben Sie keine Sorge, dass diese beiden Clubs den anderen Vereinen auf ewig enteilt sind?

Filbry:Nein, das glaube ich nicht. Sowohl Schalke als auch Stuttgart, Hamburg oder auch wir werden immer Möglichkeiten haben. Werder Bremen mit Einfallsreichtum. Hamburg und Stuttgart beispielsweise mit der Wirtschaftskraft ihrer Region. Das sind doch schlafende Riesen. Leider ist es so, wenn man ganz oben ist, macht man auch mal Fehler. Die hat es sicher auch bei uns gegeben. Zu Champions-League-Zeiten hatten wir mehr als 50 Saisonspiele. Wir haben nur noch abgewickelt, waren am Ende vielleicht nicht mehr hungrig genug auf den Erfolg und haben dadurch nachgelassen. Das wird dem einen oder anderen auch passieren, der gerade da oben ist. Außerdem hat das Prinzip Bundesliga durch die Verteilung der TV-Gelder genug Korrektive, um einen gesunden Wettbewerb zu bekommen.

Es gibt Forderungen, dass die Reichen an die Ärmeren künftig etwas abtreten sollen.

Filbry:Davon halte ich nichts. In der Bundesliga gibt es eine faire Verteilung der TV-Gelder, begründet auf den sportlichen Erfolg – und so muss es auch sein: Die Tabelle ist entscheidend.

Schlucken Sie, wenn Dortmund für 27 Millionen Euro einen Armenier verpflichtet oder freuen Sie sich, dass ein Konkurrent so viel Geld für einen Spieler riskiert?

Filbry:Ich nehme es zur Kenntnis. Keiner weiß, ob der Spieler funktioniert. Wir haben auch schon mal viel Geld für Spieler ausgegeben, die nicht funktioniert haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Geld Erfolg hat, ist größer, aber sie ist nicht garantiert. Wir stellen uns mit den Mitteln, die wir haben, gerne dem Wettbewerb und sind auch selbstbewusst genug, um zu sagen: Wir kommen wieder Schritt für Schritt dahin, wo wir schon mal waren. · kni

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