Dreijahresvertrag bei Werder wie eine Erlösung / „Ich bin froh, wieder hier zu sein“

Pizarro endlich ein Bremer

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„Ich bin froh, wieder hier zu sein. Ich fühle mich sehr wohl in Bremen und wollte gerne zurückkommen“, sagte der Torjäger.

Bremen - Klaus Allofs sah erleichtert aus, Thomas Schaaf auch irgendwie. Am glücklichsten wirkte aber Claudio Pizarro selbst. Der Peruaner lachte, machte seine Witzchen und spielte mit der Neugier der Journalisten, die Werder Bremen gestern Nachmittag förmlich das Haus einrannten.

Dass Pizarro nach monatelangen zähen und undurchsichtigen Verhandlungen mit dem FC Chelsea nun endlich fest verpflichtet wurde, ist schließlich die Nachricht, auf die alle gewartet hatten. Jedenfalls alle, die Sympathien für Werder hegen.

Das zufriedenstellende Ergebnis des Geduldspiels ist nun wie eine Erlösung – übrigens auch für Claudio Pizarro selbst. „Ich bin froh, wieder hier zu sein. Ich fühle mich sehr wohl in Bremen und wollte gerne zurückkommen“, sagte der Torjäger, der sich in der vergangenen Saison als Leihspieler mit 29 Toren in drei Wettbewerben für Werder unverzichtbar gemacht hatte. „Mit ihm haben wir den Spieler wieder in unseren Reihen, der mit dafür gesorgt hat, dass wir in der vergangenen Saison in DFB - und UEFA-Pokal erfolgreich waren“, meinte Sportdirektor Allofs.

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Der 52-Jährige musste dafür allerdings ein dickes Brett bohren. Denn die Gespräche mit dem FC Chelsea, wo Pizarro bis 2011 unter Vertrag stand, waren alles andere als einfach. Doch die Mühe (Allofs: „Wir haben wirklich intensiv an dem Transfer gearbeitet“) hat sich gelohnt. Die Ablöse für Pizarro liegt deutlich unter fünf Millionen Euro – so deutlich, dass die Grenze zum Schnäppchenpreis nicht weit entfernt ist. Allofs über den Poker mit den Engländern: „Erst gab es klare Vorstellungen des FC Chelsea. In den vergangenen Tagen sind wir uns aber entscheidend näher gekommen.“

Zwischen Pizarro und Werder gab es dagegen kaum Differenzen. „Relativ früh“ sei man sich einig geworden, berichtete Allofs: „Für Claudio war klar: Wenn er es bei Chelsea nicht schaffen sollte, dann ist Werder seine erste Wahl.“

Pizarro und Bremen - eine Erfolgsgeschichte

Claudio Pizarro in Bremen

Dabei waren die Bremer im Werben um den Top-Stürmer keineswegs konkurrenzlos. „Großes Interesse“ bei Clubs in Deutschland und ganz Europa habe es gegeben, meinte Allofs. Pizarro selbst sprach von Vereinen aus Griechenland , der Türkei und England, die ihn haben wollten. Aber Angebote aus der Bundesliga? „Nee, ich glaube nicht“, grinste er. Doch das war knallhart geflunkert. Der Hamburger SV buhlte lange um ihn, der VfB Stuttgart hatte ebenfalls Interesse. Chelsea hatte sogar extra Spielervermittler Dr. Michael Becker engagiert, um Pizarro in Deutschland zu verkaufen. Dass er nun wieder in Bremen gelandet ist, hatte laut Allofs jedoch nichts mit Becker zu tun: Außer Pizarros Manager Carlos Delgado habe bei dem Transfer „kein anderer Berater eine Rolle gespielt“. Und muss demnach auch nicht bezahlt werden.

Pizarro wird dagegen kassieren. Nicht so viel wie in London , wo es fürstliche vier Millionen Euro pro Saison waren, aber immer noch reichlich. Geschätzte drei Millionen trägt er nun pro Spielzeit nach Hause.

Ein Zuhause, das künftig Bremen heißt. Denn die fünfköpfige Familie Pizarro siedelt nach einem Jahr der Pendelei zwischen London und Bremen nun wieder komplett von der Themse an die Weser um. Pizarro: „Wir suchen jetzt ein Haus, ein großes Haus.“

Hört sich alles sehr schön an. Wenn es da nicht den immer noch währenden Verdacht dunkler Geschäfte gäbe. Pizarro soll in dubiose Machenschaften seines Beraters verstrickt sein. In Lima musste er deswegen im Juli als Zeuge aussagen. Steuerhinterziehung und Geldwäsche lauten die Vorwürfe aus Peru. Von einer Selbstanzeige des Spielers bei der deutschen Staatsanwaltschaft berichtete vor Wochen „Der Spiegel“. Doch Delgado, der mit seinem Freund und Klienten nach Bremen gekommen war, spielte die Angelegenheit herunter. „Das ist alles tot, schauen Sie lieber in die Zukunft“, riet er den kritischen Fragestellern. Doch er war dabei der Einzige, der gestern nicht wirklich einen glücklichen Eindruck machte.

Von Carsten Sander

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