Pizarro vor dem Duell mit seinem Ex-Verein

„Gegen Bayern kann ich nicht jubeln“

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Nein, auch wenn es anders aussieht: Claudio Pizarro ist es durchaus ernst mit einem Sieg in München: „Es ist schwierig, aber es ist möglich.“

Bremen - Von Carsten Sander.  Bayern München – seine große Liebe! Die zweite neben Werder Bremen. Von 2001 bis 2007 und von 2012 bis 2015 hat Claudio Pizarro für den deutschen Rekordmeister gespielt. Davor, dazwischen und danach für den SV Werder Bremen. Morgen (18.30 Uhr) kehrt der ewig junge 37-Jährige zurück in die Allianz Arena – wenn der lädierte Oberschenkel ihm nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Im Interview spricht der Peruaner über seine Vergangenheit, die Gegenwart sowie die nahe und die ferne Zukunft.

Claudio Pizarro, Sie mussten das Training abbrechen. Was ist passiert?

Claudio Pizarro: Ich habe leichte muskuläre Probleme. Da wollten wir kein Risiko eingehen und müssen abwarten wie es weitergeht.

Von Ihnen war zu lesen, dass einige Pferde auf Ihrem Gestüt in Peru Namen tragen, die in Verbindung zu Bayern München stehen. Es gibt einen „Allianz Arena“ und einen „Karl-Heinz“ für Clubchef Karl-Heinz Rummenigge. Wo sind die Werder-Pferde?

Claudio Pizarro: Die meisten Pferde habe ich gekauft, als ich in München war. Deshalb die Bayern-Namen. Aber ich hatte auch einen Jürgen für Jürgen Born (ehemaliger Werder-Chef, d. Red.).

War Jürgen erfolgreich?

Pizarro: Ich meine, er hat mehr Rennen gewonnen als Karl-Heinz (lacht). Aber ich hatte auch einen Franz Beck und einen Klaus für Klaus Allofs.

Welche Namen würden Sie jetzt vergeben. Skripnik, Eichin, Bode?

Pizarro: Ich kaufe jetzt nicht mehr, sondern züchte und verkaufe. Die Pferde bekommen dann sowieso neue Namen, also lasse ich es.

Pep wäre auch ein guter Name für ein Pferd. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Ex-Trainer beim FC Bayern?

Pizarro: Sehr gut. Ich habe mit vielen guten Trainern zusammengearbeitet, aber für mich ist er der beste der Welt.

Wieso?

Pizarro: Es ist natürlich meine ganz persönliche Meinung. Guardiola hat die gleiche Idee vom Fußball wie ich: Viele Ballkontakte, viel Fußball spielen lassen und im richtigen Moment die Attacke setzen.

Am Saisonende wechselt er zu Manchester City – die richtige Entscheidung?

Pizarro: Das kann ich nicht sagen, das ist seine Entscheidung. Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute.

Sie haben in Ihrer letzten Bayern-Saison unter Guardiola kaum gespielt. Tragen Sie ihm das nach?

Pizarro: Nein, natürlich nicht. Ich war damals nicht in meiner besten Form. Und wenn man nicht gut ist, dann spielt man nicht in einer Mannschaft mit so vielen guten Spielern.

Aktuell sind Sie mit neun Toren der erfolgreichste Torjäger der Rückrunde – noch vor Bayerns Robert Lewandowski (acht), der in München meistens den Vorzug vor Ihnen bekam. Jetzt weiß auch Guardiola, dass Sie es noch können.

Pizarro: Er wusste es schon immer, er hat es mir die ganze Zeit gesagt. Ich muss in München auch niemandem mehr etwas beweisen, die kennen mich doch alle.

So gut sogar, dass Arjen Robben Sie offenbar gerne wieder bei den Bayern sehen würde. Er sagte, das Team könne Sie noch ganz gut gebrauchen. Das geht runter wie Öl, oder?

Pizarro: Es freut mich sehr, dass er so denkt. Aber jetzt bin ich bei Werder und mache hier meinen Job. Wichtig ist nur, dass wir am Samstag wieder eine gute Leistung zeigen und drei Punkte holen. Die brauchen wir in unserer Situation.

Sie spekulieren auf einen Sieg beim Tabellenführer?

Pizarro: Das kann passieren, auch wenn es schwierig ist. Das wissen wir. Aber es ist möglich.

Wie denn genau?

Pizarro: Die Mainzer haben es neulich doch gezeigt: Du musst defensiv sehr kompakt sein und dann schnelle Konter spielen. Das ist die einzige Möglichkeit, die Bayern zu schlagen. Wenn du aber wie die Münchner nach vorne spielst, hast du eine echte Chance, mit einer großen Kiste an Gegentoren wieder nach Hause zu fahren.

Noch vor zehn Tagen hätte jeder genau das prophezeit.

Pizarro: Da stand uns das Wasser noch bis zum Hals, wir hatten viele Schwierigkeiten. Aber dann haben wir zwei Siege eingefahren (jeweils 4:1 über Leverkusen und Hannover, die Red.), jetzt ist das Selbstvertrauen wieder da. Das soll auch so bleiben, deshalb ist es wichtig, in München nicht zu verlieren.

Plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen: Wie ist es bei den Bayern, wenn ein wichtiges Champions-League-Spiel wie das am Mittwoch gegen Juventus Turin ansteht und vorher der Bundesliga-13. zu Besuch kommt? Wird dieses Spiel auch mal auf die leichte Schulter genommen?

Pizarro: Bewusst nicht. Aber unbewusst schon. Ich glaube auch nicht, dass die Bayern ihre Bestbesetzung aufbieten werden. Erst gegen Juventus brauchen sie alle Spieler.

Liegt darin eine Chance für Werder?

Pizarro: Ja, ich glaube schon.

Obwohl Werder auch auf die gesperrten Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic verzichten muss?

Pizarro: Stimmt, unsere Situation ist auch nicht optimal. Aber warten wir ab, was passiert.

Sind Sie überrascht, dass es bei Ihnen persönlich derzeit so phantastisch läuft?

Pizarro: Ehrlich: nein. Ich hatte im Winter eine Vorbereitung und habe mich sehr gut gefühlt. Ich wusste: Wenn ein paar Tore gelingen, dann kommen viele hinterher. Jetzt bin ich in dieser Phase, und ich hoffe, dass sie noch lange anhält.

Ganz Bremen bejubelt sie, ganz Bremen rätselt aber auch, wie es nach Ablauf Ihres Vertrages am Saisonende weitergeht.

Pizarro: Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen. Ich möchte mich jetzt auf meinen Job konzentrieren und dafür sorgen, dass mit Werder alles gut wird.

Geschäftsführer Thomas Eichin hat gesagt, im Falle des Klassenerhalts ergäbe sich Ihre Zukunft „von alleine“. Gibt es etwa schon Absprachen zwischen ihm und Ihnen?

Pizarro: Nein, noch nicht.

Thomas Eichin hat auch behauptet, es gäbe keinen Grund für Sie zu wechseln. Hat er Recht oder mangelt es ihm an Phantasie?

Pizarro (lacht): Irgendwann werden wir sprechen. In aller Ruhe.

Okay, Sie wollen sich nicht in die Karten schauen lassen und niemandem Hoffnung machen.

Pizarro: Richtig. Ich konzentriere mich auf Fußball.

Andere machen sich aber öffentlich Gedanken um Ihre Zukunft – zum Beispiel ihr Vater: Er hat verraten, dass Sie Ihre Karriere gerne in der Heimat bei Ihrem Ex-Verein Alianza Lima beenden wollen.

Pizarro: Mein Vater hat etwas gesagt? (lacht) Ja, ich habe immer gesagt, dass ich mir das vorstellen kann, dass ich mal Meister in Peru werden möchte. Das wäre eine Möglichkeit, aber momentan bin ich hier. So weit möchte ich nicht denken.

Also wäre das eher nach 2018, nach Ihrem WM-Traum, eine Idee?

Pizarro: Ja, danach.

Bis dahin bleiben Sie also in Europa?

Pizarro: Ja, ich brauche diesen großen Fußball, um fit zu bleiben. So kann ich besser meine Qualität halten.

Wieso sollten Sie sich überhaupt noch mal verpflanzen? Bietet Bremen nicht alles, was Sie in der Endphase Ihrer Karriere brauchen?

Pizarro: In Bremen zu bleiben, ist natürlich eine Möglichkeit. Aber vielleicht ruft mich ja Pep Guardiola an und will mich zu Manchester City holen (lacht). Andererseits muss man dann auch bedenken, dass ich dort mit 37 sicher nicht so viel spielen würde wie bei Werder. Ich muss eben viele Dinge überlegen. Es ist nicht so einfach zu sagen: Ich werde gehen, ich werde bleiben. Ich weiß es einfach nicht.

Guardiola? Manchester?

Pizarro (hebt abwehrend die Hände): Es war doch nur ein Beispiel. Es kann so viel passieren. Plötzlich ist man Sportdirektor. Oder Red Bull New York kommt an, oder ein Club aus Katar und sagt: Komm her, spiel bei uns – und danach wirst du Sportdirektor.

Andere Profis in Ihrem Alter haben diesen Schritt längst vollzogen. Sie nicht. Wieso?

Pizarro: Ich habe eigentlich noch zu viel Spaß am Fußball. Deswegen ist das momentan kein Thema für mich.

Gilt eigentlich noch, dass Sie nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere mit Ihrer Familie in München leben werden?

Pizarro: Ja, das haben wir so entschieden. Obwohl…

Obwohl was?

Pizarro: Ich möchte ja weiter im Fußball arbeiten. Dann muss man flexibel sein und dorthin ziehen, woher das Angebot kommt.

Was möchten Sie machen: Trainer, Manager, Spielerberater?

Pizarro: Ich habe zwar immer gesagt, dass ich kein Trainer sein möchte. Aber jetzt sage ich: Es kann sein. Wenn etwas Besonderes für mich käme, würde ich überlegen. Und Manager? Möglich. Spielerberater? Glaube ich nicht.

Zurück zum Wochenende: Sie könnten Ihr 101. Bundesliga-Tor für Werder machen, damit den Club-Rekord von Marco Bode brechen – und das ausgerechnet in München. Würden Sie jubeln?

Pizarro: Ich würde nicht zögern zu treffen. Das ist meine Aufgabe. Aber ich könnte nicht jubeln wie sonst. Dafür ist der Respekt vor dem FC Bayern zu groß – es ist schließlich einer meiner Lieblingsvereine.

100 Treffer für Werder, 87 für den FC Bayern – wo liegt Ihr Tor-Geheimnis?

Pizarro: Ich gehe nicht in ein Spiel und sage: Heute mache ich zwei Tore. Was ich mache: Wenn ich ein Tor geschossen habe, dann gucke ich, wie das Spiel läuft. Wenn es 2:1, 3:1 steht, dann ist die Möglichkeit da, weitere Tore zu machen. Dann verliert der Gegner die Lust, lässt Lücken – dann musst du da sein. Dann kann man viele Tore machen.

Bei den Bayern ist Uli Hoeneß nach abgesessener Haftstrafe zurück. Wie denken Sie über seine mögliche Rückkehr an die Clubspitze?

Pizarro: Er war eine wichtige Person für mich bei den Bayern. Er hat mir viel geholfen. Aber es ist seine persönliche Entscheidung, was er jetzt macht.

Hatten Sie Kontakt zu ihm während seiner Zeit im Gefängnis und als Freigänger?

Pizarro: Nicht so viel. Wir haben mal telefoniert, und ich habe ihn mal kurz gesehen, als er bei Bayern war.

Haben Sie eigentlich noch eine Lederhose im Schrank?

Pizarro: Ja, viele. Aber die trage ich nur auf dem Oktoberfest.

Nicht in Bremen?

Pizarro: Besser nicht.

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