Die Chance auf Zusatz-Millionen ist da

Europa League – attraktiv auch als kleine Schwester

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Jubeln sich die Grün-Weißen noch nach Europa? Werder-Boss Klaus Filbry hofft auf die Zusatzeinnahmen: „Das würde helfen.“

Bremen -  Das oberste Ziel ist erreicht. Abstiegsangst ade – und nun kann Werder Bremen die zunächst so krisenhafte Saison mit dem Erreichen der Europa League zu einem vor wenigen Monaten noch für absolut unmöglich gehaltenen Ende bringen.

Zwar ist die kleine Schwester der Champions League finanziell bei weitem nicht so attraktiv wie die Königsklasse, doch weil die Prämien und Antrittsgagen auch im zweiten europäischen Wettbewerb zur nächsten Saison durchaus spürbar angehoben werden, wären mit dem Erreichen der Gruppenphase Einnahmen von sieben bis neun Millionen Euro möglich. Eine lukrative Aussicht.

Klaus Filbry, bei Werder als Vorsitzender der Geschäftsführung für die Finanzen zuständig, mag aber nicht mit dem Fernrohr gen Europa gucken. Zu weit weg, zu unsicher die Qualifikation, erklärt er.

Aber die Chance auf die Zusatzerlöse ist da. Was würde also die Europa League bringen? Vorausgesetzt Werder schafft es über die Liga in die Qualifikationsrunde (dafür ist mindestens der aktuelle siebte Platz nötig, sofern der DFB-Pokalsieger es bereits auf anderem Weg in den europäischen Wettbewerb geschafft hat, ansonsten Platz sechs), dann stehen zwei K.o.-Duelle mit Hin- und Rückspiel an. Erst in der dritten Qualifikationsrunde, anschließend in den sogenannten Playoffs. Wenn diese Hürden – an denen in den vergangenen Jahren Mainz 05 und der VfB Stuttgart gescheitert waren – genommen sind, klingelt es in der Kasse.

2,4 Millionen Euro Antrittsgeld erhält jeder Club, der es in die Gruppenphase schafft. Dort gibt es dann pro erspieltem Punkt niedliche 120 000 Euro (siehe Prämientabelle unten). Doch mit den Zuschauereinnahmen aus drei garantierten Heimspielen und dem Obolus aus dem Marketing Pool der Uefa (Sponsorengelder, die am Saisonende nach einem komplizierten Schlüssel verteilt werden) können in der Summe eben bis zu neun Millionen Euro herauskommen. Allein in der Gruppenphase. Und nur grob gerechnet.

„Das würde natürlich helfen“, sagt Filbry. Speziell die Kredite für den Stadion-umbau würden dann nicht mehr wie eine Tonnenlast auf dem Verein liegen. Der Werder-Boss: „Wir haben hier ein Paket zu tragen, das wir Schritt für Schritt abbauen müssen.“ Dafür hat Werder einst mit 20 bis 21 Heimspielen pro Saison kalkuliert. Doch ohne internationale Spiele und ohne DFB-Pokal-Partien blieb es in den vergangenen Jahren immer bei den 17 Bundesliga-Begegnungen. Das Loch – pro fehlendem Spiel sicher eine Brutto-Einnahme von einer Million Euro oder mehr – musste anders gestopft werden. Die Europa League könnte dabei enorme Hilfe leisten.

Erst recht nach überstandener Gruppenphase. Dann steigen mit jeder Runde die Prämien, dann steigt der Gewinn. Reich macht die Europa League zwar auch dann nicht. Aber es ließe sich deutlich leichter leben.

Noch steckt Werder Bremen in schweren Zeiten. Auch wenn das Befinden in den letzten Tagen schlagartig besser geworden ist. Sieg im Nordderby gegen den HSV, Klassenerhalt geschafft, Europa League vor Augen, Lizenz ohne Auflagen erhalten – Klaus Filbry, seit 2010 im Amt, kennt diese Gesamtsituation eigentlich nur aus Erzählungen. Es jetzt so zu erleben, „fühlt sich gut an. Die momentane Situation ist besonders schön, weil wir den Klassenerhalt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschafft haben und fußballerisch gefestigter dastehen“, sagt der 48-Jährige.

Am dicken Minus auch im laufenden Geschäftsjahr – voraussichtlich erneut acht Millionen Euro – wird sich aber nichts mehr ändern. Zumal der Acht-Millionen-Transfer von Davie Selke aktuell zwar für Liquidität sorgt (einen Teil der Ablöse hat Leipzig bereits überwiesen), er fließt aber erst in die Bilanz der nächsten Saison ein.

Trotzdem lässt es sich in diesen Wochen mit einigem Recht an einen dauerhaften Aufschwung bei Werder glauben. Den Haupthinweis darauf liefert die Tabelle mit Platz sieben. Aber der Trend lässt sich laut Marketing-Fachmann Filbry auch in anderen Bereichen ablesen. Sein Bremen-Barometer ist nicht allein das Bundesliga-Tableau, er schaut auch auf Marktforschungsergebnisse. Die neuesten sagen aus, dass Werder in der Kategorie „Lieblingsverein“ in Deutschland von Rang sieben wieder auf Platz vier gestiegen ist. Sympathischste Clubs der Liga bleiben weiterhin Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, doch hinter diesem Duo balgt sich Bremen mit anderen Clubs um den dritten Platz. „Auch da waren wir vorher weiter zurück“, sagt Filbry.  csa

Die Prämientabelle

Neu Alt
(2015-2018) (2012-2015)
Uefa-Gesamtausschüttung 381 Millionen 232,5 Millionen
Startprämie pro Club 2,4 Millionen 1,3 Millionen
Prämie pro Sieg in der Gruppe 360 000 200 000
Prämie pro Remis 120 000 100 000
Einzug in die Zwischenrunde 500 000 200 000
Einzug ins Achtelfinale 750 000 350 000
Einzug ins Viertelfinale 1 Million 450 000
Einzug ins Halbfinale 1,5 Millionen 1 Million
Prämie Finalverlierers 3,5 Millionen 2,5 Millionen
Prämie Finalsieger 6,5 Millionen 5 Millionen
Marketing Pool (Verteilung) 152,4 Millionen 92,9 Millionen

Das bietet die Europa League

2,24 Milliarden Euro wird die Europäische Fußball-Union (Uefa) in der kommenden Saison in den europäischen Club-Wettbewerben an Gesamteinnahmen erzielen. Davon reicht sie 1,257 Milliarden (plus 482,9 Millionen aus dem Marketing Pool) an die Champions-League-Teilnehmer weiter. Die Europa-League-Starter erhalten lediglich 381 Millionen (plus 152,4 aus dem Marketing Pool). Und dennoch: Wer weit kommt, verdient auch in der Europa League gut. Der Sieger kommt auf eine Einnahme von 18 Millionen Euro – plus geschätzt nochmal die Hälfte aus Marketing Pool und Zuschauereinnahmen. csa

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