Per Mertesacker setzt sich, seine Kollegen und Werder unter Druck / Es klingt ein wenig nach Abschied

„Champions League muss sein“

Vortänzer in der Ostkurve – doch wie lange feiert Per Mertesacker noch mit den Werder-Fans?

Bremen -  Für Per Mertesacker können die Herausforderungen nicht groß genug sein. Der 25-jährige Innenverteidiger von Werder Bremen will unbedingt wieder in der Champions League spielen. Deshalb macht der Nationalspieler den Grün-Weißen im Bundesliga-Endspurt gehörig Dampf – und seine Zukunft lässt er offen.

Dabei läuft sein Vertrag bei Werder noch bis 2012. Was sich Per Mertesacker von den nächsten Wochen inklusive der WM in Südafrika verspricht, sagt er im Interview.

?Herr Mertesacker, haben Sie eigentlich einen Tanzkurs gemacht?

!Na klar. Damals in Pattensen war es so üblich, dass man direkt nach der Konfirmation einen Tanzkurs im TSV-Clubhaus belegt. Anfängerkurs, Grundkurs – da war ich dabei, aber davon sind nur 40 Prozent hängengeblieben . . .

?Das reicht immerhin, um neuerdings nach Siegen vor den Fans den Vortänzer zu geben.

!(lacht) Ich habe kürzlich ein Bild von Tim Borowski und mir vor der Fankurve gesehen, das sah schon ziemlich synchron aus . . . Also ich bin sicher nicht der große Vortänzer, ich habe mir das nur ganz gut von unseren tollen Fans abgeguckt. Urplötzlich haben die vor kurzem mit diesem Tanz ,Alle nach rechts, alle nach links’ begonnen. Das hat uns super gefallen.

?Wird auch nach dem letzten Bundesliga-Spiel am 8. Mai im Weserstadion getanzt?

!Ich hätte nichts dagegen. Das würde ja bedeuten, dass wir Erfolg hatten.

?Hand aufs Herz: Hätten Sie nach der Niederlage in Dortmund damit gerechnet, dass Werder noch die Champions League erreichen kann?

!Das kann ich gar nicht sagen. Es war ja viel von einem Endspiel die Rede, aber nun sind wir doch noch mal rangekommen. Das ist schon vorzeigbar und beweist, dass die Mannschaft nie aufgibt. Allerdings: Es ist auch nur möglich gewesen, weil die anderen gepatzt haben.

?Wie fühlt sich Platz drei an – eher nach dem Motto „Super, wir haben uns wieder nach oben gekämpft“ oder passt besser „Mist, wenn wir erfolgreicher in die Rückrunde gestartet wären, würden wir jetzt um die Meisterschaft spielen“?

!Bei dem Thema Platz drei bin ich ganz sensibel. Dieser Rang bedeutet mir jetzt noch gar nichts, weil wir in dieser Saison oft in entscheidenden Momenten verloren oder etwas abgegeben haben. Daher bin ich vorsichtig.

Das Werder-Training am Mittwoch

Vorbereitung auf Köln

?Ist Werder in dieser Saison eine Wundertüte?

!Mit dem Begriff kann ich nichts anfangen. Wir sind eine Mannschaft, die großes Potenzial hat und das auch ziemlich oft abruft. Wir gewinnen ja wesentlich häufiger als wir verlieren.

?Trotzdem reicht es nicht für ganz oben. Ist die Mannschaft zu jung und deshalb nicht konstant genug in ihren Leistungen?

!Klar hat Werder immer eine Mannschaft, in der sich Spieler entwickeln müssen, aber eben auch können. Das hat seine Vorteile, aber auch seine Schattenseiten. Wir brauchen mehr Konstanz und müssen als Mannschaft besser verteidigen. Aber ich bin überzeugt: Bei uns ist noch ein großer Entwicklungssprung möglich.

?Wie wichtig ist die Champions League für Werder?

!Das muss finanziell enorm wichtig sein. Die Verantwortlichen waren jedenfalls immer total erleichtert, wenn wir die Qualifikation geschafft haben. Ich kann mich noch gut an eine Rede von Jürgen Born (Ex-Werder-Boss, Anm. d. Red.) nach den Ausscheidungsspielen im August 2007 gegen Zagreb erinnern. Der war total erleichtert – und so etwas bleibt bei uns Spielern natürlich hängen. Bei all’ den Erfolgen in der Europa League, die Champions League ist das A und O für Werder, um die Mannschaft weiterzuentwickeln und die Strukturen weiter auszubauen.

?Wie wichtig ist die Champions League für Sie persönlich?

!Sehr wichtig. Man möchte sich in der Blütezeit eines Fußballers, wo man sich nicht mehr als Talent sieht, den größten Herausforderungen stellen. Ich möchte in der Champions League unbedingt dabei sein.

?Können Sie sich eine Saison 2010/11 ohne Champions League überhaupt vorstellen?

!Mir ist etwas anderes wichtiger: Wir müssen als Mannschaft zeigen, dass wir da unbedingt hinwollen. Und es muss jeder einzelne alles dafür tun. Man kann es sich verdienen, nächste Saison in der Champions League zu spielen.

?Sie haben kürzlich in mehreren Interviews einen Wechsel ins Ausland als interessant bezeichnet. Prompt erklärte Sportchef Klaus Allofs, dass ein Transfer im Sommer kein Thema sei. Hat er Recht?

!Für mich ist das jetzt kein Thema. Es zählt doch nur eines, die volle Konzentration auf den Schlussspurt in dieser Saison.

?Sorry, aber ein bisschen klingt das schon nach Abschied.

!Mein Fokus ist momentan auf andere Dinge gerichtet.

?Es geht ja in diesen Tagen auch Schlag auf Schlag: Denken Sie überhaupt schon ans Pokalfinale am 15. Mai gegen die Bayern?

!Wenn mich Freunde und Bekannte nach Karten fragen, dann schon. Ansonsten bin ich zu sehr mit der Bundesliga beschäftigt.

?Wenn alles gut geht, wäre das Pokalfinale Ihr 51. Pflichtspiel für Werder in dieser Saison, das ist rekordverdächtig. Bleibt da überhaupt noch genügend Kraft für die WM?

!Also 51 Spiele sind echt viel, in den Jahren davor habe ich wegen Verletzungen ja immer mal ein paar Spiele verpasst. Zum Glück habe ich eine Position, die nicht so laufintensiv ist. Trotzdem zerrt die nervliche Anspannung an den Kräften. Deshalb genieße ich die letzten Wochen, weil wir nicht mehr so viel spielen und viel mehr und ganz spezifisch trainieren können. Das kann im Saisonendspurt, aber auch bei der WM ein großer Vorteil für uns und für mich sein.

?Welche Bremer nehmen Sie noch mit zur WM?

!Ich hoffe ganz viele. Es ist bei einer WM immer angenehm, Kollegen aus dem Club dabei zu haben.

?Hoffen Sie auch, dass es im Fall Torsten Frings noch eine Wende gibt?

!Ich denke, das Thema ist erledigt. Schließlich gab’s vor einiger Zeit dieses eindeutige Gespräch zwischen Joachim Löw und Torsten in Bremen. Es ist schade, dass Torsten nicht dabei sein wird. Auch für mich. Wir spielen schon lange zusammen, in der Nationalmannschaft und Bremen, und wir vertrauen uns. Deshalb wird er mir in Südafrika fehlen.

?Ist die WM für Sie auch eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen?

!Sicher, größer als bei einer WM kann der internationale Fokus nicht sein. Da wird geguckt, wer dabei ist, wer den Herausforderungen standhält, wer in den entscheidenden Phasen geistig und körperlich auf hohem Niveau ist.

?Und wer am Ende tanzt . . .

!Mal schauen, was sich die deutschen Fans einfallen lassen. Aber erst einmal müssen wir Erfolg haben und die Gruppenphase überstehen. Dann würde ich aber immer noch nicht tanzen, sondern mich nur freuen. Getanzt wird erst später . . .

Von Björn Knips

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