Eine Ära nach der Ära?

Dutt und Eichin – alle Hoffnung ruht auf diesem Duo

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Sie sollen Werder wieder besser machen: Robin Dutt (links) und Thomas Eichin.

Bremen - von Björn Knips. Als Thomas Eichin neulich mal wieder gefragt wurde, wann Werder endlich bessere Zeiten erleben wird, da riss beim smarten Sportchef der Geduldsfaden: „Sie glauben doch noch, dass hier nach drei schlechten Jahre alles gut wird, nur, weil da ein Eichin um die Ecke gekommen ist und jetzt ein Robin Dutt auf der Bank sitzt?“ Doch, Herr Eichin, das glauben die Bremer.

Oder besser gesagt: Sie hoffen es. Ansonsten bleibt nämlich nicht viel Hoffnung, weil das Geld weiterhin knapp ist und sich der Kader auf den ersten Blick eher verschlechtert als verbessert hat. Und das verheißt bei einem Tabellen-14. der Vorsaison eigentlich nichts Gutes.

Vor allem Dutt muss es nun richten – also als neuer Trainer mehr aus dem vorhandenen Personal rausholen als der alte. Thomas Schaaf war nach drei äußerst bescheidenen Spielzeiten das Vertrauen entzogen worden. Das Ende einer Ära nach 14 Jahren als Coach und 41-jähriger Mitgliedschaft im Club. Was für eine Zäsur. Weil sein einst so kongenialer Partner Klaus Allofs ein halbes Jahr zuvor zum finanziell wesentlich handlungsfähigeren VfL Wolfsburg geflüchtet war und dafür Eichin kam, ist jetzt alles neu in Bremen.

„Uns ist diese Konstellation sehr bewusst, sie schweißt uns beide zusammen“, behauptet Dutt, der für Werder nach nur zehn Monaten seinen Job als DFB-Sportdirektor aufgab. Der 48-Jährige erinnert an seine Zeit in Freiburg, als er Volker Finke nach 16 Jahren ablöste: „Damals war Dirk Dufner der neue Manager. Wir sind gute Freunde geworden.“

Dass sich Dutt und Eichin gut verstehen, ist nicht zu übersehen. Sie erinnern schon ein wenig an die jungen Schaaf und Allofs. Erfolgshungrig, aber nicht zu verbissen und mürrisch – so wie sich Schaaf zuletzt präsentiert hatte.

Dutt und Eichin nehmen auf ihrer Werder-Mission alle mit – die Spieler, die Mitarbeiter, die Fans und die Medien. Das Betriebsklima hat sich stark verbessert. „Es geht bei Null los, das tut uns allen gut“, sagt Stürmer Nils Petersen stellvertretend für alle im und um den Club. So schenkt Dutt den Profis mehr Vertrauen, erstellt Wochenpläne. Schaaf hatte die Profis nur von Tag zu Tag über die nächste Einheit informiert, weil Claudio Pizarro vor Jahren mal ein Training verpasst hatte. Der Peruaner war an angekündigten freien Tagen gerne auf Reisen gegangen.

Dutt redet auch mehr – mit den Spielern und den Journalisten. Das kommt gut an. Schaaf hatte keine Lust mehr, den fast immer wieder selben Personen die fast immer wieder gleichen Fragen zu beantworten. Nach 14 Jahren kann das passieren.

Jetzt herrscht auf allen Seiten Neugierde. Das belebt. Und Dutt hat auch einiges zu erzählen. Er ist zwar nicht nach Bremen gekommen, um den Club auf den Kopf zu stellen, doch er will ihm auf dem Rasen eine neue Handschrift geben – seine Handschrift. Die Rede ist von „unserem eigenen System, dem Werder-System“, sagt der 48-Jährige. Ein 4:3:3 – mit der Triple-Sechs als besonderem Clou und ziemlich offensiven Außenverteidigern.

Offensive Außenverteidiger? Prompt schrillen in Bremen nach 66 Gegentoren in der Fast-Abstiegssaison die Alarmglocken. Doch da ist Dutt fast wie Schaaf: Er will nach vorne spielen. Allerdings mit mehr Absicherung. Am Defensivverhalten wurde im ersten Teil der Vorbereitung intensiv gearbeitet. Als Lohn dafür gab es zum Abschluss der Testspielphase zwei gegentorlose Partien in Erfurt (6:0) und gegen Fulham (1:0). Eine Hauptrolle spielt dabei Cedric Makiadi. Dutts absoluter Wunschspieler. Drei Millionen Euro Ablöse zahlte Werder für den Freiburger, viel Geld für einen 29-Jährigen. Das gesteht selbst der Coach, doch Dutt sagt auch: „Cedric ist jeden Euro wert.“ In Freiburg hat er aus dem Stürmer einen Mittelfeld-Strategen gemacht – in Bremen ist Makiadi nun als Chef-Sechser mit seiner Erfahrung für die Balance im Team zuständig.

Neben ihm spielt Mehmet Ekici. Der Gewinner der Vorbereitung. Der Gewinner des Trainerwechsels. Unter Schaaf nur noch Notlösung auf der Außenbahn, jetzt Stammkraft als Sechser. „Auf dieser Position fühle ich mich sehr wohl. Da habe ich auch schon in der Jugend gespielt“, erklärt Ekici und strahlt. In seinem dritten Werder-Jahr blüht der türkische Nationalspieler endlich auf. Vielleicht waren die fünf Millionen Euro Ablöse an den FC Bayern doch nicht so schlecht investiert. Aber noch ist der 23-Jährige nicht überm Berg. Das gilt für ziemlich viele Spieler im Kader – und das macht Werder so unberechenbar.

Außerdem sind zwei absolute Leistungsträger weg. Kevin De Bruyne sogar zum Nulltarif. Werders Bester war nur ausgeliehen, der FC Chelsea holte ihn zurück. Seine zehn Tore und neun Vorlagen muss erst einmal ein anderer beisteuern. Direkten Ersatz hat Eichin nicht geholt. Anders als bei Sokratis, der für neun Millionen Euro nach Dortmund wechselte. Für den Griechen verteidigt in Bremen nun ein Italiener: Luca Caldirola. Immerhin Kapitän der U 21-Nationalmannschaft, die im Juni im EM-Finale stand. Und der Name seines Ex-Vereins steht auch für große Qualität: Inter Mailand. Doch dort durfte Caldirola kaum spielen, der 22-Jährige wurde ständig ausgeliehen – zuletzt an den Zweitligisten Brescia. Trotzdem hat Werder 2,25 Millionen Euro bezahlt.

„Wir haben auch mit De Bruyne und Sokratis gegen den Abstieg gespielt“, merkt Eichin an. Der Sportchef will die Leistung der beiden keineswegs schmälern, er mag aber auch die nachträgliche Glorifizierung nicht. Von einer Verschlechterung des Kaders könne keine Rede sein, betont der 46-Jährige und setzt dabei auch auf den Faktor Zeit: „Unsere jungen Spieler sind jetzt ein Jahr weiter, sie haben wichtige Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt. Das wird uns helfen.“ Gemeint ist zum Beispiel Keeper Sebastian Mielitz, der in seiner ersten Serie als Nummer eins und Nachfolger von Tim Wiese immer mal wieder in die Kritik geriet. Nicht wegen großer Klöpse, sondern wegen zu wenig spektakulärer Rettungstaten. Und was hat Dutt gemacht? Er hat das Thema sofort beerdigt, indem er den 24-Jährigen sofort zur unantastbaren Nummer eins machte.

Das gehört zum Konzept des Trainers. Er hat schnell Stützen aufgestellt. Mielitz im Tor, Sebastian Prödl in der Innenverteidigung als Abwehrchef, Clemens Fritz als Kapitän, der nun seinen festen Platz als Rechtsverteidiger hat, Makiadi als Chef-Sechser, Aaron Hunt als Offensiv-Kapitän und Nils Petersen als Torjäger, der für drei Millionen Euro dauerhaft vom FC Bayern verpflichtet wurde. Alle anderen Startelf-Mitglieder spielen auf Bewährung.

Speziell Eljero Elia. Der Niederländer hat seine zweite Chance nach der Suspendierung am Ende der Vorsaison genutzt. Im Gegensatz zu seinem Kumpel Marko Arnautovic. Der Österreicher ist erst einmal raus – und muss weiter auf bessere Zeiten an der Weser warten. Doch damit ist er nicht allein, Eichin fordert bei Werders Neuanfang vor allem eines: „Geduld!“

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