Der ehemalige Werder-Keeper hat nach Stationen in Ungarn und Bulgarien in der vierten Liga sein Glück gefunden

Im Tor der „Bullen“ lernt Borel den Erfolg kennen

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Lange Haare, Vollbart, vierte Liga – bei Pascal Borel hat sich einiges geändert.

Leipzig · Langweilig ist die Karriere von Pascal Borel wirklich nicht. Der Torhüter wurde in Bremen von den eigenen Fans ausgepfiffen, dann als Ersatzmann hinter Andreas Reinke Double-Sieger mit Werder.

Er war arbeitslos, spielte später in Ungarn und Bulgarien. Aktuell hütet der gebürtige Karlsruher das Gehäuse des äußerst ambitionierten Regionalligisten RB Leipzig.

Von der Bundesliga Schritt für Schritt runter in Liga vier – was wie ein steiler Abstieg aussieht, ist laut Borel aber keiner. „Hier stimmt das Gesamtpaket. Ich möchte mit Leipzig in den höherklassigen Fußball. Der Club ist perfekt oragnisiert – ich würde da schon von bundesligareif sprechen“, erklärt der Torwart.

Der erste Platz in der Regionalliga Nord ist daher auch kein Wunder. Viele ehemalige Bundesliga-Profis kicken in Sachsen. Auch der Trainer ist erstklassig. Peter Pacult kam vor der Saison von Rapid Wien. Der Hauptsponsor, ein österreichischer Brausemittelhersteller, macht es möglich und verlangt in diesem Jahr den Aufstieg. „Der Druck ist schon groß, aber wir müssen uns dem stellen. Bislang klappt das ja ganz gut“, so der 33-Jährige.

Für positive Schlagzeilen sorgte Pascal Borel gleich bei seinem ersten Auftritt für die „Bullen“. In der 1. Runde des DFB-Pokals war er mit einigen Glanzparaden mitverantwortlich für den überraschenden 3:2-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Seitdem ist der ehemalige U 21-Nationalspieler die klare Nummer eins. Nur 18 Gegentore nach 19 Begegnungen sprechen eine deutliche Sprache.

Nicht ganz so glatt lief es bei Borels vorherigen Stationen. Bei Werder waren die Fußstapfen von Frank Rost, der im Sommer 2002 zum FC Schalke wechselte, zu groß für ihn. Eine Saison lang war der Mann, der den meisten Profi-Allüren trotzte und stets mit einem alten Opel Corsa statt mit Sportwagen oder Angeberauto zum Training kam, die Nummer eins bei Werder. Aber er blieb stets umstritten, machte Fehler und wurde gar vom eigenen Publikum ausgepfiffen. Borel erinnert sich: „Ich wurde immer wieder mit Rost verglichen. Dazu wurde mir zum Verhängnis, dass damals Oliver Kahn mit seiner Art der Supermann war. Ich bin der ruhigere Typ und habe da nicht mitgemacht. Das kam nicht gut an.“

Nach einem Jahr beim damaligen Zweitligisten LR Ahlen folgte von 2006 bis 2007 die Arbeitslosigkeit. „Immerhin durfte ich bei Werders Amateurmannschaft trainieren. Dafür bin ich noch heute dankbar“, sagt Borel. Kein Wunder, dass der 1,92 Meter große Torhüter danach das erste Angebot annahm. Von 2007 bis 2008 kickte er für Honved Budapest. Nach dem Ungarn-Abenteuer schien die Karriere beendet. Der Double-Sieger von 2004: „Ich habe zwar nach einem neuen Verein gesucht, aber es kam nichts. Ich habe mich dann im Januar 2009 entschieden, meinen Trainerschein zu machen, um ab Sommer Torwart-Trainer zu werden. Im März kam jedoch ein Anruf von Fredi Bobic, der damals Sportdirektor bei Chernomorez Burgas in Bulgarien war. Ich habe sofort zugesagt und bin mit Übergewicht und untrainiert dahin gefahren. Zuerst sollte ich nur drei Spiele machen, dann haben sie mich fest verpflichtet.“

In Burgas machte er noch andere Erfahrungen. „Dort gab es viel Korruption. Es ist nicht schön, wenn der Sieger schon vor dem Anpfiff feststeht. Da bekam ich einiges mit“, erinnert sich Pascal Borel und ergänzt: „Ich wollte danach unbedingt zurück nach Deutschland. Da kam das Angebot von Leipzig gerade recht.“

Die Zeit nach der Karriere hat Pascal Borel bereits fest verplant. „Seit ich 19 bin, schreibe ich Torwart-Übungen mit, habe zu Hause ein dickes Buch. Ich will Torwart-Trainer werden“, sagt der Schlussmann, der sich seit seinem Weggang aus Bremen vor allem optisch stark verändert hat. Der Bürstenhaarschnitt hat ausgedient, Borel bevorzugt jetzt Pferdeschwanz und ab und an auch einen wilden Vollbart. · bis

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