Eine Zwischenbilanz nach sieben Spielen

De Bruyne ist der Auffälligste

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Die Neuen: In Theodor Gebre Selassie, Kevin De Bruyne, Nils Petersen, Assani Lukimya und Eljero Elia (von links/hier beim Tag der Fans am 11. August und noch ohne Joseph Akpala) setzt Werder große Hoffnungen – erfüllt wurden sie allenfalls zum Teil.

Bremen - Neun neue Spieler hat Werder Bremen im Sommer geholt, einige davon sind nach sieben Bundesliga-Spielen entweder schon Stammkräfte oder zumindest nah dran. Aber: So richtig geglänzt hat noch keiner von ihnen, bei allen ist Luft nach oben. Das zeigt der Check der Neuzugänge:

Theodor Gebre Selassie

Der Start war vorbildlich: Nach der EM mit Tschechien wollte der neue Rechtsverteidiger ganz schnell bei Werder sein, verkürzte sogar seinen Sonderurlaub und reiste schon ins erste Bremer Trainingslager nach Norderney. Der Lohn für die Mühen: „Theo“ fügte sich flott in die Mannschaft ein, schien keine Anpassungsprobleme zu haben. Und dann traf er auch noch in seinem ersten Bundesligaspiel, beim 1:2 in Dortmund zum 1:1. Es folgte noch ein ordentlicher Auftritt gegen den HSV, aber dann ließ der 25-Jährige deutlich nach. In Freiburg spielte er gar nicht, in Augsburg wurde er erst zur Pause eingewechselt.

Für Werder-Sportchef Klaus Allofs ist der Durchhänger des Tschechen keine große Überraschung: „Es ist genau wie bei Sokratis. So eine Belastung wie bei der EM bleibt erst mal in den Kleidern stecken. Da ist es normal, wenn man mal eine Delle in der Formkurve bekommt.“ Doch Allofs macht sich keine Sorgen: „Er muss sich eben noch ein bisschen an die Liga gewöhnen, aber ,Theo‘ ist sehr motiviert und hat viele Fähigkeiten – er wird bald wieder zu sehr guter Form finden.“

Gebre Selassie, der abseits des Platzes recht zurückhaltend auftritt, kann sich seinen Formverlust nicht so recht erklären: „Eigentlich muss es klappen, es ist immer noch das selbe Spiel.“ Immerhin hat er beste Aussichten auf die Rückkehr in die Anfangsformation – auch, weil Kapitän Clemens Fritz lange fehlt.

Assani Lukimya

Sein Arbeitsnachweis ist schnell erstellt. Zwei Einsätze: 90 souveräne Minuten in Hannover – dann zwei gegen Stuttgart, als der eingewechselte 26-Jährige nach rekordverdächtigen 119 Sekunden Rot sah und für zwei Spiele gesperrt wurde. Kurzum: Bislang läuft’s noch nicht für den kantigen Kongolesen, der in der vergangenen Saison in Düsseldorf zu den besten Innenverteidigern der Zweiten Liga zählte.

Er kommt nicht an seinen Konkurrenten Sebastian Prödl und Sokratis vorbei. „Luki“, meistens mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, fängt nicht an zu drängeln – was aber nicht bedeutet, dass er seine Rolle auf Dauer so hinnimmt. Bestes Beispiel für seinen Ehrgeiz: Er verzichtete auf eine Länderspiel-Reise nach Äquatorialguinea, um sich bei Werder zu empfehlen. Sokratis und Prödl sind unterwegs . . .

Werders Neue im Leistungscheck

Werders Neue im Leistungscheck

Kevin De Bruyne

Das größte Medienecho gab es nicht etwa auf einen sportlichen Gala-Auftritt, sondern auf zwei Interviews in der belgischen Heimat. Darin lässt der 21-Jährige erkennen, dass er sich in Deutschland (und dementsprechend auch Bremen) nie heimisch fühlen wird. Egal, ob nun zum Teil falsch übersetzt oder interpretiert, der entstandene Eindruck ist folgender: De Bruyne wirkt ziemlich eigenbrötlerisch, scheint es gar nicht abwarten zu können, im nächsten Sommer nach England zum FC Chelsea zurückzukehren. Dennoch: Bei der Integration ins neue Team soll es keine Probleme geben – sagen Clemens Fritz und Nils Petersen, der mit De Bruyne bei Auswärtsfahrten das Zimmer teilt.

Bei all der Aufregung steht aber nach wie vor der Fußball im Mittelpunkt. Und da ist der 21-Jährige extrem fokussiert und heiß. „Er kann ganz schlecht verlieren, das ist nicht die schlechteste Eigenschaft für einen Profifußballer“, findet Allofs. De Bruyne hat in kurzer Zeit gezeigt, dass sein enormes Selbstvertrauen nicht unberechtigt ist. Er kann richtig gut kicken, hat schon drei Mal getroffen und ist Werders auffälligster Neuer. Sein Manko: zu viele Kunstpausen. Über 90 Minuten hat er sein Niveau bislang nicht halten können und deshalb noch keine Top-Noten bekommen.

Eljero Elia

Werders Königstransfer des Sommers, zumindest von der Ablöse her. 5,5 Millionen Euro wanderten auf das Konto von Juventus Turin. Der Niederländer, während seines früheren Engagements beim Hamburger SV als nicht pflegeleichter Profi abgestempelt, musste sich erst mal wieder an regelmäßige Einsätze gewöhnen. In Italien hatte er fast nur auf der Bank geschmort. Als er seinen Rhythmus gefunden hatte, legte der im Werder-Team wegen seiner lockeren Art beliebte 25-Jährige richtig los. Er traf in fast jedem Testspiel und auch im DFB-Pokal in Münster. Das Tor beim peinlichen 2:4 war allerdings sein letztes. Dazu kommt eine Vorlage – eindeutig zu dürftig für den offensiven, linken Flügelspieler. Elia weiß das („Ich muss endlich treffen“), wird ungeduldiger und frustrierter. Im Bayern-Spiel trat er nach seiner Auswechslung wütend eine Getränkeflasche weg. Insgesamt wurde er in sieben Spielen schon fünf Mal vorzeitig vom Platz geholt – auch das zeigt, dass er aus seinem Talent zu wenig macht.

Nils Petersen

Er kam mit großen Erwartungen vom FC Bayern – erfüllt hat er sie noch nicht. Der 23-Jährige, für ein Jahr ausgeliehen, hat im Bremer Sturmzentrum erst ein Mal durchgespielt. Beim 2:0 gegen den HSV, als er sein einziges Tor schoss. Petersen hat seinen Killerinstinkt, der ihn in der Saison 2010/2011 in Cottbus mit 25 Treffern zum Zweitliga-Torschützenkönig machte, in Bremen noch nicht gefunden. Gute Chancen waren da, er ließ sie liegen. Inzwischen ist er nicht mehr die unumstrittene Nummer eins in der Spitze, Joseph Akpala „klaut“ ihm immer mehr Spielanteile. „Ich brauche das zweite Tor, damit der Knoten platzt“, sagt Petersen. Beim Test in Heiligenfelde (7:0) traf er am Donnerstag drei Mal – das dürfte ihn zumindest ein wenig aufgebaut haben.

Joseph Akpala

Der letzte Neue, eine Woche vor Ende der Transferperiode Ende August verpflichtet – für rund 1,5 Millionen Euro vom FC Brügge. „Ich glaube, dass er sich schnell zurechtfindet und unser Spiel bereichert“, sagte Schaaf bei der Präsentation. Den Beweis hierfür ist Akpala noch schuldig. Bei seinem Startelf-Debüt in Freiburg schoss er sein erstes und einziges Bundesliga-Tor. In Augsburg war er zuletzt 90 Minuten lang ein Totalausfall, bei seinen Joker-Einsätzen riss der 26-jährige Nigerianer ebenfalls keine Bäume aus. Ihm fehlt die Explosivität und das Durchsetzungsvermögen, mitunter auch die Bindung zum Spiel. · mr

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