Der SC Freiburg befindet sich mitten in den Wochen der Wahrheit / Streich vor dem Werder-Spiel: „Das Glück ist zurück“

Die Brust ist ein bisschen breiter

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Freiburgs Mahner: Keeper Oliver Baumann. ·

Werder-Bremen - FREIBURG · Vielleicht liegt es daran, dass Oliver Baumann schon lange da ist und den Verein so gut kennt. Auf jeden Fall hat das warnende Wort des Torwarts mittlerweile gewaltig Gewicht.

„Wenn einer glaubt, er könne sich jetzt ausruhen oder zurücklehnen“, sagt der Musterprofi mit erhobenem Zeigefinger, „dann kriegen wir gegen Werder drei Stück.“ Immerhin seit dem zehnten Lebensjahr gehört der inzwischen 23-Jährige dem SC Freiburg an – und wie kein anderer spürt der Keeper die Stimmungslage beim Sportclub. Die Ermahnung sprach der Tormann nach dem kuriosen 4:1-Kantersieg bei Eintracht Frankfurt aus.

Dass Baumann überhaupt noch im Breisgau die Bälle hält, ist eigentlich nach dem Exodus aus dem vergangenen Sommer ein Wunder. Abgesehen von Max Kruse (Mönchengladbach) und Johannes Flum (Frankfurt) hat kaum einer der abgewanderten Mitspieler sein Glück gefunden – Jan Rosenthal (Frankfurt), Daniel Caligiuri (Wolfsburg) oder Cedric Makiadi (Bremen) sind nur Mitläufer, Randfiguren oder Bankdrücker.

Baumann ist im vergangenen Sommer – genau wie der damals von Werder umworbene Julian Schuster – beim Sportclub geblieben. Beide proben den Schulterschluss, um den nächsten Kraftakt zum Klassenerhalt zu vollbringen. „Seit einigen Wochen haben wir hier eine gewisse Stabilität drin“, sagen sie unisono, „das haben wir uns auch schwer erarbeitet.“

Tatsächlich muss der Betrachter an diesem Standort schon näher hinsehen, um die Fortschritte gegenüber der wegen der Europa-League-Belastung nicht zufriedenstellenden Hinrunde zu bemerken. Die laufintensive wie leidenschaftliche Spielweise können die Badener nur aktivieren, „wenn wir uns richtig auf ein Spiel vorbereiten können“, wie Christian Streich sagt. „Alle dreieinhalb Tage ein Spiel“, so die These des Trainer-Unikums, „das schaffen wir nicht.“

Auch der streitbare 48-Jährige hat so ein Erfolgserlebnis benötigt wie am Sonntag, um für morgen wieder mehr Optimismus auszustrahlen. „Das Glück ist zum richtigen Zeitpunkt zurück. Das kann uns für das Bremen-Spiel nur helfen“, glaubt der Coach.

Der impulsive Fußballlehrer hat lange gebraucht, um nach dem Abgang von Mittelfeld-Stabilisator Makiadi ein badisches Ersatzkonstrukt zu basteln – nun bilden die Doppel-Sechs mit Schuster und Nebenmann Gelson Fernandes gemeinsam mit dem Verteidigergespann Matthias Ginter und Pavel Krmas das Herzstück der Defensive. In der Offensive lastet das meiste auf dem Schweizer Internationalen Admir Mehmedi, der in den letzten neun Spielen an sieben Treffern beteiligt war.

Die Partie gegen Werder ist eingebettet in die Wochen der Wahrheit. Am Mittwoch darauf geht es zum Hamburger SV, danach gegen den 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und Eintracht Braunschweig. Bis auf den Tabellenletzten Braunschweig haben alle Clubs mehr zu verlieren als Freiburg – ein Verein, der sich allenfalls anmaßt, zu den „besten 22, 23 Proficlubs in Deutschland zu gehören“, wie ihr Präsident Fritz Keller sagt. An der Dreisam werden keine Busblockaden abgehalten, wenn die Rückversetzung in die zweite Liga droht. Einer wie Baumann glaubt, der Abstiegskampf werde „in harten, langen Wochen“ erst auf der Zielgeraden entschieden. Und im Kopf. Deshalb auch seine mahnenden Worte. · mb

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