Bremer Pokal-Blamage im Achtelfinale bei Drittligist Arminia Bielefeld

1:3 – Albtraum auf der Alm

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Franco Di Santo streckt sich nach dem Ball – es war vergebens. Der ganze Abend auf der Bielefelder Alm geriet für Werder Bremen zu einer Blamage.

Bielefeld - Aus der Traum vom Finale in Berlin, von zusätzlichen Einnahmen in Millionenhöhe: Werder Bremen ist raus aus dem DFB-Pokal! Gestern Abend verlor der Erstligist bei Drittliga-Spitzenreiter Arminia Bielefeld im Achtelfinale mit 1:3 (0:1) und kassierte damit erstmals unter Trainer Viktor Skripnik zwei Pflichtspiel-Pleiten in Folge. Bielefeld dagegen, das zuvor schon Hertha BSC ausgeschaltet hatte, durfte schon wieder ordentlich feiern.

„Der Trainer ist sauer. Anscheinend wollte er das Viertelfinale mehr als die Spieler. Das war nicht das Werder Bremer der letzten Zeit“, schimpfte Skripnik und sprach über sich in der dritten Person. Die Kritik ließen die Bremer Profis über sich ergehen. Sie wussten, dass sie ein schlechtes Spiel abgeliefert hatten. „Wir hatten hier eine Riesenchance, aber die haben wir verschenkt. Uns war klar, dass Bielefeld teilweise eklig spielt. Aber wir haben uns nicht genug gewehrt“, gestand Kapitän Clemens Fritz. Und sein Stellvertreter Sebastian Prödl fügte an: „Das war blamabel. Zu langsam, zu träge. Da braucht man überhaupt keine Ausreden zu suchen. Wir sind verdient ausgeschieden.“

Skripnik hatte sein Team nach dem 3:5-Spektakel gegen Wolfsburg auf drei Positionen umgebaut. Die auffälligste Änderung war die zwischen den Pfosten. Statt Raphael Wolf stand Koen Casteels im Tor – und gab damit seine Pflichtspiel-Premiere für Werder (siehe Text unten). Zudem verteidigte links Santiago Garcia für Janek Sternberg. Und der am vergangenen Wochenende gelb-gesperrte Fin Bartels schlüpfte wieder in die Rolle des Spielmachers. Levin Öztunali, zuletzt zweifacher Torvorbereiter, saß zunächst auf der Bank.

Werder versuchte gleich, durch Kombinationsspiel Sicherheit zu gewinnen – was auf dem Rasen, der einem Acker glich, alles andere als einfach war. „Damit mussten aber beide Teams klarkommen“, sagte Fritz. Dennoch gab es früh die erste gefährliche Szene für die Bremer. Davie Selke legte ab für Garcia, dessen Linksschuss Arminia-Keeper Alexander Schwolow parierte (7.). Die Zuschauer in der mit 26137 Fans ausverkauften Schüco-Arena, darunter die Ex-Bielefelder Ansgar Brinkmann und Patrick Owomoyela (auch mal bei Werder), waren schnell voll da. Die Arminia-Anhänger bejubelten jede gelungene Aktion ihres Teams, die rund 3000 Werder-Fans hielten lautstark dagegen. Dazu noch Flutlicht und Regen: Auf der Bielefelder Alm herrschte eine phantastische Pokal-Atmosphäre.

Beflügelt schien zunächst nur Werder zu sein. Der Favorit hatte auch die nächste gute Gelegenheit. Bartels schoss knapp vorbei (12.). „Es war am Anfang klar zu sehen, wer der Erstligist ist. Wenn man dann aber kein Tor macht, ist das tödlich“, haderte Werder-Sportchef Thomas Eichin. Erst nach 20 Minuten wurde der Außenseiter mutiger und frecher. Nach einem Schuss von Kapitän Fabian Klos musste Casteels erstmals zupacken (24.). Wenig später bediente der Bremer Keeper mit einem Abstoß halbhoch und (zu) riskant Sebastian Prödl, der den Ball statt nach vorne wenig elegant von der Außenlinie in die Mitte drosch. Dort eroberte ihn Klos, passte raus zu Tom Schütz, der rein in die Mitte zu Manuel Junglas – 1:0 für Bielefeld (32.). „Es war ein ambitionierter Pass, aber ich nehme Koen da komplett aus der Schusslinie“, erklärte Prödl.

Junuzovic, Di Santo, Bartels – wo waren sie?

Die Arminia hatte nun noch mehr Rückenwind und hätte durch Christian Müller beinahe das 2:0 erzielt (51.). Auf der anderen Seite zischte ein Volleyschuss von Zlatko Junuzovic über die Latte (54.). Dann wieder Bielefeld – und wie! Nach einer flach hereingeschlagenen Ecke kümmerte sich kein Bremer um Sebastian Schuppan, der aus kurzer Distanz zum 2:0 traf (57.). Die Alm brannte! Und Werder fand den Feuerlöscher erst mal nicht, kam gegen gut gestaffelte und leidenschaftlich verteidigende Hausherren fast gar nicht durch und wirkte zunehmend frustriert. Auch, weil Schwolow überragend hielt – etwa einen Selke-Kopfball aus fünf Metern (72.). Doch wenig später war auch der Bielefelder Torwart machtlos, als Fritz mit links flach ins lange Eck traf – 1:2 (76.). Spannung? Ja, aber nur für einige Minuten, dann machte der Drittligist per Konter den Deckel drauf. David Ulm bediente Junglas, der seinen zweiten Treffer markierte – 3:1 (84.). Fritz sah dann wegen eines Fouls noch Gelb-Rot (89.) – es passte perfekt zum Bremer Auftritt.

Aus im DFB-Pokal

„Wir müssen jetzt schnell einen Weg finden, das zu verarbeiten. Am Samstag haben wir ein brutal wichtiges Spiel“, meinte Eichin. Um 15.30 Uhr tritt Werder beim SC Freiburg an.

mr

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