Bremens Pokalgegner FV Illertissen ist bestens vorbereitet: „Wir werden nicht nur verteidigen“

Ein Kult-Fan und zwei Werder-Experten

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Illertissen-Coach Holger Bachthaler (Bild) freut sich auf ein Wiedersehen mit Robin Dutt.

Illertissen/Bremen - Von Tobias Brinkmann. Stefan Dömsödi ist Kult beim FV Illertissen. Sein Video als Ein-Mann-Fanblock bei einem Auswärtsspiel in Fürth ist beim Videoportal „Youtube“ bereits knapp 400000 Mal angesehen worden. Trommler Dömsödi ist bei Werders Pokalgegner der bekannteste Mann. „Schön, dass wir als Verein so eine Aufmerksamkeit dadurch erreicht haben“, sagt FVI-Trainer Holger Bachthaler. Immer wieder singt und trommelt Dömsödi als einziger Fan bei Auswärtsspielen seines Lieblingsvereins seinen Lieblingssong: „Illertissen spielt international“. Warum? „Weil wir uns für den DFB-Pokal qualifiziert haben und der Pokal ein Sprungbrett für Europa ist“, meint der Kult-Fan und schmunzelt.

Natürlich weiß er: Schon der Einzug in die zweite Runde käme für den FV Illertissen, der sich als bayerischer Amateurmeister zum zweiten Mal für den DFB-Pokal qualifiziert hat, einer großen Sensation gleich. Der Verein aus der Regionalliga Bayern besitzt noch keine Profifußball-Strukturen. „Wir trainieren viermal die Woche, sind größtenteils Amateure“, berichtet Coach Bachthaler. Trotzdem träumt der 39-Jährige Coach vom Coup gegen die Norddeutschen. Nicht ganz zu unrecht: In der vergangenen Saison zog sich Illertissen in der erste Pokalrunde beim 0:2 gegen Eintracht Frankfurt bereits achtbar aus der Affäre, kassierte den zweiten Treffer erst in der Schlussphase.

„Wir sind zwar krasser Außenseiter, aber wir wollen Werder ärgern“, sagt Bachthaler. Und er hat zwei Spieler in seinen Reihen, die schon wissen, wie das geht. Andreas Spann und Christian Essig standen am 30. Juli 2011 auf dem Rasen, als der 1. FC Heidenheim die Bremer mit 2:1 aus dem Pokal kegelte. Seitdem hat Werder kein Pokalspiel mehr gewonnen.

In der Regionalliga Bayern belegt Illertissen nach sechs Spielen mit elf Punkten den vierten Platz. Das ist gut. Doch glücklich ist man deshalb noch lange nicht. Zu sehr schmerzt es, dass Torjäger Vitalij Lux nach Jena wechselte und Routinier Thorsten Rinke seine Karriere beendete. „Damit haben wir zu kämpfen“, gesteht Bachthaler. Die Hoffnungen im Angriff ruhen nun auf Neuzugang Spann, der in der vergangenen Saison Kapitän des VfL Osnabrück war und als einziger Spieler im Kader ein Bundesligaspiel absolviert hat (58 Minuten für Borussia Mönchengladbach in der Saison 2002/03).

Gegen Werder ist die Offensive ohnehin nicht ganz so wichtig – eher die Defensive. „Natürlich werden wir eine andere Grundordnung haben als im Liga-Alltag“, kündigt Bachthaler an: „Trotzdem werden wir nicht nur verteidigen.“

Werder nennt Bachthaler ein „Top-Los. Der Verein wirkt sehr sympathisch.“ Dass die Bremer nach drei Pokal-Blamagen in Folge nervöser oder motivierter antreten könnten, „ist für uns weder ein Vorteil noch ein Nachteil“, glaubt der Coach: „Ein Bundesligist muss immer die erste Runde überstehen.“

Ein freudiges Wiedersehen gibt es für Bachthaler mit Trainer Robin Dutt: „Wir liefen uns damals über den Weg, als ich Spieler in Au/Iller und er Trainer in Ditzingen und bei den Stuttgarter Kickers war. Er war schon damals ein sehr sympathischer Mensch – und ich habe seine Karriere seitdem immer verfolgt.“

Gerne hätte der FVI die Bremer im heimischen Vöhlin-Stadion empfangen. Doch der Sportplatz bietet lediglich 2500 Zuschauern Platz. Deswegen zieht Illertissen (rund 17000 Einwohner) für die Partie ins Donaustadion nach Ulm um. Bachthaler findet das in Ordnung: „Es wäre zwar schöner, im eigenen Stadion zu spielen, aber Ulm ist lediglich 25 Kilometer entfernt. Gegen Frankfurt mussten wir vor einem Jahr ins 100 Kilometer entfernte Augsburg ausweichen.“ 8000 Fans werden am Sonntag erwartet. Inklusive Trommler Dömsödi. Der Kult-Fan wird versuchen, den FV Illertissen noch näher an den Europapokal zu rufen.

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