Pünktlich zum Heimspiel gegen Werder Bremen hat der FC Augsburg seine alten Tugenden wiedergefunden

Der Weg des Willens

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Sascha Mölders (re.) und Raul Bobadilla – ein Altbewährter und ein Nachrücker im Augsburger Angriff.

Augsburg/Bremen - Von Manfred Bock. Wer etwas über die Erfolgsstory des FC Augsburg der jüngeren Vergangenheit erfahren möchte, braucht sich nur mit Tobias Werner zu unterhalten. Der Irrwisch mit dem fast kahlen Schädel spielt seit 2008 für die bayrischen Schwaben und hat sich auf seine Art unverzichtbar gemacht. „Wichtig ist es, immer gierig zu bleiben“, sagt der 29-Jährige. „Was wir zuletzt in Frankfurt geboten haben, damit können wir zufrieden sein. Aber das müssen wir gegen Bremen fortsetzen.“ Der bei Carl-Zeiss Jena ausgebildete Werner ist Werders Schreckgespenst: Dreimal traf er allein gegen die Hanseaten.

Er verkörpert alle Tugenden, die geholfen haben, den Standort seit dem Aufstieg 2011 erstklassig zu halten: vor allem nimmermüde Lauf- und Kampfbereitschaft. Warum dies zu Saisonstart beim FCA teilweise völlig brach lag und im Pokal-Aus beim FC Magdeburg bereits früh zu einer Blamage führte, kann niemand wirklich sagen. Einig sind sich derzeit alle, dass die Auferstehung am vergangenen Sonntag mit dem 1:0 bei Eintracht Frankfurt gerade zur rechten Zeit erfolgte. „Daran müssen wir anknüpfen“, verlangt Manager Stefan Reuter, „die Mannschaft muss so griffig bleiben, wir dürfen nicht locker lassen.“

Zwar hat auch Augsburg seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert, doch offiziell liegt das Gehaltsbudget immer noch unter 20 Millionen Euro. Mit weniger Aufwand in den Lizenzspielerbereich kalkuliert nur der Aufsteiger SC Paderborn (15 Millionen). Will heißen: Es funktioniert nur über die Kompaktheit und das Kollektiv. Kicker wie Halil Altintop, der bei den Kontern die wichtigste Verbindungsstelle gibt, haben das längst verinnerlicht: „Wir wollen jetzt gegen Werder nachlegen. Wir haben nicht die individuelle Klasse der meisten Gegner, aber dafür können wir über die Geschlossenheit viel erreichen.“

Der achte Platz der Vorsaison war in der Heimat der Puppenkiste so viel wert wie in München eine Meisterschaft. Kein Wunder, dass auf Trainer Markus Weinzierl viel Lob einprasselte. Der 39-Jährige hat sich nicht gescheut, in der Länderspielpause genau auf die Trainingsleistungen zu schauen. Und da imponierte ihm, wie sich der zwischenzeitlich auf die Tribüne verbannte Sascha Mölders in jeden Zweikampf warf. Die Konsequenz: Mölders durfte wieder als Mittelstürmer ran, Millioneneinkauf Tim Matavz, der vorne meist nur auf Vorlagen wartete, rückte auf die Bank. Überhaupt haben die Neuen unter Weinzierl noch einen schweren Stand – vorläufig greift der FCA-Coach wieder auf das Altbewährte zurück. Denn Mölders versteht es geschickt, die Bälle zu halten und abzulegen, was für die Spielweise immens wichtig ist. „Wir wollen aus der Umschaltbewegung zum Erfolg kommen“, erklärt Weinzierl, der meist ein 4-1-4-1-System bevorzugt.

Fürs Toreschießen haben die Augsburger nach dem Abgang von Andre Hahn (Borussia Mönchengladbach) vielleicht einen Ersatz in eigenen Reihen gefunden: Raul Bobadilla. Der Argentinier trägt nicht nur gewöhnungsbedürftige Schuhe in weiß-rosa-blau gefleckt, sondern hat sich auch das Konterfei von Vater und Mutter auf die breite Brust tätowiert. Lange galt er als schwieriger Charakter, der früher in der Schweiz mal rücksichtslos mit 111 Stundenkilometer durch eine 50er-Zone raste und deshalb vor Gericht stand. In Augsburg scheint man ihn auf den rechten Weg gebracht zu haben: Der 27-Jährige stürmt aktuell vorwiegend über die rechte Außenbahn in den Strafraum, und obwohl das bestimmt nicht seine Lieblingsposition ist, hat er nach drei Spieltagen zwei Treffer erzielt. Seine Losung für den Samstag: „Mehr laufen und mehr kämpfen als der Gegner: Dann wird man automatisch belohnt.“

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