Bremens Innensenator prüft Möglichkeit der Platzverweise / Künftig Helmpflicht für Polizisten mit Fan-Kontakt

Mäurer: Gewalttätige Fans konsequent bestrafen

Bremen - Der Überfall Bremer Ultras auf Fans des FC Augsburg und seine Folgen: Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), Werder Bremens Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald und die Bremer Polizei haben sich gestern in einer Sitzung auf eine intensivere Vorgehensweise gegen gewalttätige Fußball-Fans verständigt. Fünf Schwerpunkte:

Mäurer definiert die Verfolgung und Überführung von Straftätern als oberstes Ziel: „Wir werden eine Strategie entwickeln, um uns intensiver um Gewalttäter kümmern zu können.“ Kriminelle Handlungen sollen demnach nicht mehr unter dem „Deckmantel Fußball“ durchgehen, sondern konsequent strafrechtlich verfolgt werden.

Um der laut Bremens Polizeipräsident Lutz Müller „bundesweit dynamischen und radikalen Entwicklung der Fanszene“ wirksam begegnen zu können, benötigen seine Kollegen eine bessere Ausstattung. Außerdem gilt fortan zur Eigensicherung eine Helmpflicht für alle Polizeibeamten, die unmittelbar mit Fans in Berührung kommen.

Mit 125 Polizisten waren bei der Partie gegen Augsburg im Vergleich zu anderen Heimspielen wenig Beamte im Einsatz. „Wir müssen uns taktisch und personell besser aufstellen. Gerade die Arbeit im zivilen Bereich wird ausgebaut“, kündigt Müller an.

Platzverweise gehören im Fußball dazu – jetzt auch außerhalb des Stadions? Die Bremer Politik prüft, ob Aufenhaltsverbote ausgesprochen werden können. „Die umfassen dann am Spieltag das Weserstadion, die Pauliner Marsch und das Viertel“, so der Plan von Innensenator Mäurer. Bei einem Verstoß kann die betreffende Person bis zu 24 Stunden in Gewahrsam genommen werden. Wie diese Aufenthaltsverbote im Durcheinander von 42000 Besuchern allerdings kontrolliert und durchgesetzt werden sollen, bleibt die große Frage.

Es ist das sanfte Mittel: Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald will trotz der aktuellen Vorfälle den Kontakt mit den Ultras nicht grundsätzlich aufgeben. Wenngleich die Sorge bleibt, „ob wir damit die Menschen erreichen, die am Samstag an dem Vorfall beteiligt waren“. Hess-Grunewald fragt: „Hat es noch einen Sinn, dort den Dialog zu suchen?“ Die Antwort müssen die geben, um die es geht. Der Jurist plädiert aber auch für eine differenzierte Betrachtung: „Wir haben im bundesweiten Vergleich eine friedliche Fanszene. Und da darf auch der Vorfall vom Samstag an der Gesamtbewertung nichts ändern.“

ktu

Rubriklistenbild: © dpa

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