Werder erzwingt gegen Spitzenreiter Leverkusen ein 2:2 / Ausgleich erst in der Nachspielzeit

Mit der Brechstange zum Remis

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Werders Per Mertesacker schraubt seine 1,98 Meter hoch, setzt sich gegen Leverkusens Manuel Friedrich durch und köpft das 2:2.

Bremen - Von Carsten Sander · Am Ende gab es reichlich Gesprächsbedarf. Im Spielertunnel des Weserstadions standen abgekämpft die Leverkusener Rene Adler und Manuel Friedrich mit dem Bremer Per Mertesacker und diskutierten heftig.

Vermutlich über die letzte Szene des Spiels zwischen Werder und Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen, das dank Mertesackers Tor in der Nachspielzeit noch 2:2 (1:1) endete. 2:2 für Werder möchte man sagen, denn es war „ein gefühlter Sieg“, wie Torhüter Tim Wiese urteilte.

Manuel Friedrich sah das auch so und sprach aus Leverkusener Sicht analog von einer gefühlten Niederlage: „Wenn man so spät den Ausgleich kassiert, dann ist das so.“

Die Noten zum Spiel

Naldo und Mertesacker überzeugen

Sein Team behauptete zwar Platz eins, hatte aber die Gelegenheit verpasst, sich mit zwei Punkten von Verfolger Bayern München abzusetzen. „Meine Mannschaft“, sagte Bayer-Trainer Jupp Heynckes, „ist sehr enttäuscht über das Ergebnis. Aber das zeigt auch, wie unser Anspruchsdenken mittlerweile ist. Über einen Punkt in Bremen wären wir früher wohl froh gewesen.“ Dass die Leverkusener nun seit 23 Spieltagen ungeschlagen sind und damit den Startrekord von Bayern München aus der Saison 1988/89 (mit Trainer Heynckes) eingestellt haben, war für „Don Jupp“ nur eine Randnotiz: „Das bedeutet für mich nur, dass wir hier gut arbeiten…“

So gut, dass es auch in Bremen lange nach einem Sieg aussah. Ein Freistoß von Eren Derdiyok – durch die Bremer Mauer getreten (29.) – und ein Knaller von Toni Kroos aus der Distanz (57.) hatten die Werkself zweimal in Führung gebracht. Die Gegentore, meinte Wiese, seien nicht zu verhindern: „Wenn ich die nicht halte, wer denn dann?“

Rene Adler, Wieses Konkurrent im Kampf um den Platz im Tor der Nationalmannschaft, wohl nicht. Jedenfalls nicht gestern. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw erlaubte er sich beim Bremer 1:1 einen schweren Patzer, ließ einen eigentlich harmlosen Naldo-Freistoß durch Hände und Beine flutschen. Claudio Pizarro staubte ab (34.). „Ganz klar, das war mein Fehler“, sagte Adler.

Und es war der Türöffner zurück ins Spiel für Werder. Bis zum 0:1 waren die Bremer optisch die überlegene Mannschaft. Dann der Schock durch den Rückstand und die schnelle Erlösung durch den Ausgleich. Danach entwickelte sich eine offene Partie, in der Leverkusen den möglicherweise entscheidenden Fehler machte. Nach der erneuten Führung ließ sich das Team, das auf den gesperrten Abwehrchef Sami Hyypiä verzichten musste, weit zurückfallen, igelte sich ein.

90 Minuten in 27 Bildern

Werder gegen Bayer Leverkusen

Werder indes baute immer mehr Druck auf – jedoch ohne spielerisch zu überzeugen. Teilweise bemächtigten sich die Bremer des guten alten Kick-and-Rush. Lange erfolglos. Bis Marko Marin flankte und Per Mertesacker seine 1,98 Meter gewinnbringend in die Höhe schraubte und einer „dramatischen“ (Heynckes) und „emotionsgeladenen“ (Werder-Coach Thomas Schaaf) Schlussphase mit vielen Fouls und vielen Aufregern die Krone aufsetzte. Für den Nationalverteidiger war es bereits der zweite Last-Minute-Ausgleich der Saison. Auch beim 2:2 gegen Wolfsburg hatte er spät getroffen.

Logisch, dass der Bremer in dem Gesprächskreis im Spielertunnel der Gutgelaunte war. Friedrich indes gab nach Auflösung der elitären Runde zu erkennen, was er von der Bremer Spielweise gestern hielt: „Die können doch nur Standards und hohe Bälle…“

Aber gepaart mit viel Willen und Einsatz reichte das, um gegen den Tabellenführer zweimal einen Rückstand aufzuholen. Thomas Schaaf gefiel’s: „Am Ende war richtig Feuer unterm Dach. Und wir haben uns gegen das derzeit beste Team Deutschlands behauptet.“ Für die eigenen Ambitionen ist der eine Punkt aber zu wenig. Der Rückstand auf Platz fünf beträgt wieder vier Zähler, bis zu einem Champions-League-Platz sind es immer noch zehn. Dennoch meinte Sportdirektor Klaus Allofs: „Es ist heute nichts kaputtgegangen. Wir haben noch alle Chancen.“

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