Borowskis Betrachtungen

Das Zeug zum Überraschungsteam

Tim Borowski (32) absolvierte 236 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen.

Ich bin wirklich beeindruckt: Werder hat eine richtig gute Truppe zusammengestellt. Die macht Spaß. Wenn sich die Mannschaft gut einspielt, dann kann sie das Überraschungsteam der Saison werden.

Am besten von den Neuen gefällt mir Eljero Elia. Der macht einen super Eindruck. Er ist schnell, flexibel, wendig, ein Teamplayer, aber auch egoistisch genug, um den Abschluss zu suchen. Von Nils Petersen bin ich ebenfalls absolut überzeugt. Der ist ein echter Knipser, im Strafraum macht ihm kaum einer was vor. Ich bin auch ein Fan von Theodor Gebre Selassie. Der ist ziemlich athletisch. Noch läuft es nicht wirklich rund bei ihm, offenbar muss er sich noch akklimatisieren. Dabei ist es ganz einfach: Er soll einfach so spielen wie für Tschechien bei der EM - hinten sicher, und dann gefährlich nach vorne stoßen.

Kevin De Bruyne hat mir im Pokalspiel nicht so gut gefallen. Aber man konnte sehen, dass er eine Menge Potenzial besitzt. Er ist handlungsschnell, hat eine gute Übersicht, ein interessanter Mann.

Gerade im Mittelfeld wird das eine spannende Geschichte, da ist Werder wirklich gut besetzt. Zlatko Junuzovic zum Beispiel hat eine gute Vorbereitung gespielt. Auch in den anderen Mannschaftsteilen ist der Konkurrenzkampf so groß wie lange nicht. Außer im Tor, da lege ich mich fest: Sebastian Mielitz ist die Nummer eins, auf der Position wird es keine Probleme geben. Er ist ein ganz anderer Typ als Tim Wiese, aber auch ein richtig guter Keeper und sehr intelligent im Spielaufbau. In der Innenverteidigung ist natürlich Sokratis gesetzt. Trotz des schlechten Spiels gegen Münster. Das kann passieren. Sokratis kann ein ganz Großer werden. Aber wer verteidigt neben ihm? Ich denke, das wird ein harter Kampf zwischen Sebastian Prödl und Assani Lukimya.

Das klingt jetzt nach dem Aus im Pokal vielleicht alles zu rosig. Aber dieses eine Spiel hat meine positive Grundeinstellung nicht verändert. Natürlich kostet das Ausscheiden Geld und Prestige, aber auf die Bundesliga wird das keinen Einfluss haben. Bei so einem Umbruch kann nicht alles glatt laufen, und bei einem neuen System sowieso nicht. Als Louis van Gaal 2009 zu den Bayern kam, hat er gesagt: Männer, das System, das wir jetzt spielen werden, braucht drei bis vier Monate, bis es funktioniert. Und genau so kam es. Erst hatten die Bayern Probleme, dann haben sie das Double geholt und sind erst im Champions-League-Finale gescheitert.

Natürlich hat Werder eine ganz junge Mannschaft. Aber das hat nichts mit Jugendwahn zu tun, sondern mit Qualität. Die sind doch fast alle schon Nationalspieler, also gar nicht so unerfahren. Und Clemens Fritz ist ja auch noch da. Er ist ein sehr guter Kapitän und spielt eine wichtige Führungsrolle.

Die Mannschaft darf nun ruhig wieder selbstbewusster auftreten und demonstrieren: Wir sind Werder Bremen! Am besten schon heute in Dortmund. Das wird ein phantastisches Spiel. Der BVB will sich beweisen, und die jungen, hungrigen Bremer stecken voller Euphorie. Ich rechne mit einem Punkt für Werder.

Trotzdem ist der BVB ein Topfavorit auf den Titel, der andere heißt natürlich FC Bayern. Und dann gibt es da noch ein Überraschungsteam. Es wäre super, wenn Werder das wäre. Aber das ist kein Muss, wir müssen alle auch Geduld haben. Eines ist aber sicher: Es wird besser als in den letzten beiden Jahren. Es wird schöneren und erfolgreicheren Fußball geben. Ich freue mich auf diese Saison, ich freue mich auf diese neue Werder-Mannschaft.

Tim Borowski (32) absolvierte 236 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen (2000 - 2008 und 2009 - 2012) und Bayern München (2008/09).

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