Borowski lobt Werders Jugendkurs und empfiehlt Talenten „Mittelweg zwischen Euphorie und Demut“

„Viktor hat es grandios gemacht“

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Tim Borowski (links) schaut gelegentlich beim Werder-Training vorbei – und er findet es richtig gut, dass Coach Viktor Skripnik (rechts) der Jugend eine Chance gibt.

Bremen - Tim Borowski saß im Weserstadion und hatte richtig Spaß. „Wann haben wir zuletzt so ein tolles Spiel gesehen?“, fragt der 34-Jährige und meint das Bremer 4:0 gegen Paderborn am Samstag. Besonders gefallen haben dem ehemaligen Werder-Profi die Talente Levent Aycicek, Davie Selke und Janek Sternberg, denen Trainer Viktor Skripnik eine Startelf-Chance gegeben hatte. „Die Zuschauer sehnen sich nach solchen Jungs. Viktor hat das grandios gemacht. Er hat ihnen Vertrauen geschenkt und ihnen gezeigt, was möglich ist. Sie haben ihre große Chance gut genutzt“, sagt Borowski. Genau wie er selbst – vor 13 Jahren.

Borowski ist das Paradebeispiel dafür, wie es ein Bremer Talent ganz weit bringen kann – zu Titeln und sogar bis zum Nationalspieler. Er weiß, wie sich der Sprung aus der eigenen Reserve-Truppe in die Bundesliga anfühlt, wie man sich „oben“ halten kann und wo Gefahren lauern.

„Der Hype um die jungen Spieler ist heutzutage brutal“, meint Borowski: „Da gibt es viele Schulterklopfer und schnell mega-positive Schlagzeilen, aber eben auch mal negative. Man muss lernen, damit umzugehen und einen guten Mittelweg finden zwischen Euphorie und Demut vor der Situation. Man muss den Schwung mitnehmen, darf aber nicht überpacen.“ Diese Kombination sieht der Ex-Nationalspieler, der nach seiner 2012 beendeten Karriere ein 18-monatiges Trainee-Programm bei Werder absolvierte, längst nicht bei allen Jungstars in Deutschland – wohl aber bei den Bremern: „Das sind bodenständige Jungs, die einfach Bock auf Fußball haben. Ich denke nicht, dass sie in irgendeiner Form abheben. Sie wissen, dass sie auch noch Defizite haben.“ Daran hart zu arbeiten, sei unabdingbar. „Talent allein reicht nicht aus. Man muss sich freischwimmen und seine Stärken tunen. Und man muss bereit sein, Rückschläge, die kommen werden, zu akzeptieren. Dann kann man seine eigenen Ziele Schritt für Schritt nach oben schrauben“, sagt Borowski.

So, wie er es damals getan hat. Mit 16 Jahren zog „Boro“ ins Werder-Internat, spielte in der Jugend und dann in der Amateurmannschaft: „Ich habe die traditionelle Schule durchlaufen und war entsprechend gut vorbereitet.“ Auch durch Thomas Schaaf, der den Mittelfeldmann als Chefcoach der Nachwuchsabteilung gemeinsam mit Axel Plaat zu Werder geholt hatte. Unter Schaaf spielte Borowski in der Regionalliga und dann in der Bundesliga. „Es ist ganz wichtig für junge Spieler, dass der Trainer zu einem steht und eine menschliche Note mit reinbringt“, findet der 34-Jährige: „So etwas braucht man und kann man nicht lernen.“ Schaaf habe dieses „gute Gespür“ gehabt. Und Skripnik hat es auch, meint Borowski: „Er kennt die jungen Spieler und ihren Charakter schon länger – und er weiß, wie man sie anpacken muss.“

Ebenso bedeutsam sei die Unterstützung der erfahrenen Mitspieler. „Bei mir waren das damals vor allem Dieter Eilts und Andi Herzog. Das waren Spielerpersönlichkeiten, von denen ich einiges gelernt habe. Sie haben mir wichtige Tipps gegeben, mich im Training gepusht oder auch mal gebremst“, erinnert sich Borowski. Aus dem derzeitigen Kader sei besonders Kapitän Clemens Fritz als Leitwolf prädestiniert: „Er ist unheimlich wichtig – auf und neben dem Platz.“ Eine wichtige Rolle im Umgang mit dem aufstrebenden Nachwuchs spielen zudem die Co-Trainer Torsten Frings, Florian Kohfeldt und Christian Vander – urteilt Borowski: „Das ist insgesamt ein guter, gesunder Mix bei den Trainern.“

Dass Skripnik und sein Team verstärkt auf die eigene Jugend setzen, nennt Borowski einen „schlauen Schachzug. Das macht Werder noch interessanter für andere Talente. Sie sehen, dass sie sich hier entfalten und weiterentwickeln können.“ Wie Aycicek, der gegen Paderborn beim Bundesliga-Startelf-Debüt als Spielmacher und Torschütze glänzte. „Ein ganz feiner Junge“, sagt Borowski: „Er hat sein Potenzial gezeigt. Aber ich bin mir sicher, dass er sich noch steigern wird.“ Vielleicht schon am Sonntag im Spiel bei Schaaf-Club Eintracht Frankfurt. „Das wird ein toller Fight“, prophezeit Borowski und fügt mit Blick auf Aycicek und Co. an: „Als junger Spieler würde ich mich sehr darauf freuen.“

mr

Das sind Viktor Skripnik und Torsten Frings

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