Linksverteidiger will Schwächen abstellen / Vertragsgespräche und die Frage: Polen oder Deutschland?

Boenisch spürt den Rückhalt

Die Pause war gleichermaßen nötig wie verdient: Linksverteidiger Sebastian Boenisch hat unter der Sonne Norderneys Vollgas gegeben.

Werder-Bremen - NORDERNEY · Klaus Allofs mag Rennpferde. Erst kürzlich hat sich Werder Bremens Sportchef einen Galopper gekauft. Vielleicht ist er auch deswegen ein bisschen Fan von Sebastian Boenisch. Der junge Mann hat eine Pferdelunge, ist mit unheimlich viel Athletik und Kraft ausgestattet und rennt und rennt und rennt.

Manchmal zu viel, manchmal zu ungestüm. Trotzdem setzen Allofs und Trainer Thomas Schaaf, was die Position des Linksverteidigers angeht, ganz auf die Karte Boenisch, geben ihm Zeit, sich zu entwickeln und die Chance, sich auf dem Platz zu beweisen. Oftmals allen Unkenrufen zum Trotz. Und manchmal – nach weniger guten Leistungen – auch erst recht. Sie glauben an Sebastian Boenisch, an sein Talent und daran, dass er eines Tages zu den besten Pferden im Bremer Stall gehört.

Vermutlich haben sie ihm auch deshalb nie einen fertigen, erfahrenen Linksverteidiger vor die Nase gesetzt. Selbst als Boenisch im Winter drei Monate verletzt war holte Werder im Tunesier Aymen Abdennour einen eher mittelklassigen Zweitligaspieler, nicht mehr als ein Platzhalter für Boenisch.

„Diese Rückendeckung freut mich“, sagt Boenisch, „es tut gut, dass sie mir die Chance geben.“ Und Boenisch will es mit Leistung zurückzahlen. Auf Norderney hat der 22-Jährige unheimlich Gas gegeben, ist bis an seine körperlichen Grenzen und darüber hinaus gegangen. „Ich bin heiß, heiß auf die neue Saison und darauf zu zeigen, was ich kann.“

Petri Pasanen ist der einzige, der ihm den Rang ablaufen könnte. Der hat’s vorübergehen auch schon mal getan, fühlt sich in der Innenverteidigung aber wohler. Boenisch schwebt bei Werder somit quasi im konkurrenzlosen Raum. Doch sein Ehrgeiz ist sowieso maximal, treibt ihn an, immer wieder aufs Neue. Ob er nun einen Spieler im Nacken hat oder nicht: „Ich gebe mich nie mit dem zufrieden, was ich habe.“

Und so arbeitet Boenisch hart an sich und seinen Schwächen, versucht, sein Spiel zu perfektionieren. „Meine Flanken müssen besser werden“, sagt er selbstkritisch, „bei meinen Vorstößen muss einfach noch mehr Ertrag herauskommen, und ich muss selbst mehr zum Abschluss kommen.“ Einen Anfang hat er auf Norderney schon gemacht. In einem einzigen Trainingsspiel schoss Boenisch am Montag zehn Tore . . .

„Das war schon mal nicht schlecht“, grinst der U 21-Europameister, der sich bei Werder pudelwohl fühlt. Einer vorzeitigen Verlängerung seines bis Ende Juni 2011 laufenden Vertrages dürfte nichts im Wege stehen. Und es könnte schnell gehen. Sein Berater Alen Augustincic wird vermutlich ins zweite Trainingslager nach Donaueschingen kommen. „Ich denke, Klaus Allofs und er werden sich dann zusammensetzen und die Dinge konkreter besprechen.“ Die Tendenz ist klar.

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Für welche Nationalmannschaft will Sebastian Boenisch denn nun spielen – die deutsche (wenn er denn mal nominiert wird) oder die polnische? „Ich habe mich noch nicht entschieden, weder für das eine noch für das andere Land. Ich mache mir da auch keinen Druck. Es wird keinen Schnellschuss geben“, kündigt der in Polen geborene Boenisch an, der die Jugend-Nationalmannschaften aber beim DFB durchlaufen hat.

Kontakt zum polnischen Verband gibt’s derzeit nicht. „Und der Nationaltrainer übt auf meine Entscheidung auch keinen Druck aus“, versichert Boenisch: „Er hat gesagt, dass er es akzeptieren wird, egal, wie ich mich entscheide.“

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