Gestern Comeback nach 16 Monaten: „Ein Super-Gefühl“ / Seitenwechsel bei Werder und eine EM-Garantie

Boenisch und die Rückkehr in die „Scheinwelt“

Raus aus dem Trainingsleibchen, rein ins Trikot: Sebastian Boenisch ist jetzt eine Alternative für die Rückrunde. ·

Belek · In der 63. Minute war es so weit: Einwechslung von Sebastian Boenisch. Ein großer Moment für den 24-Jährigen. Nach 16 Monaten Pause wegen eines Knorpelschadens im Knie durfte er im Test gegen AZ Alkmaar wieder Fußball spielen.

„Es war toll, das Trikot überzuziehen und reinzukommen“, sagte Boenisch hinterher: „Wirklich ein Super-Gefühl.“

Und für ihn der perfekte Abschluss eines Trainingslagers, das ihm vor allem eine Antwort bringen sollte: Hält das Knie? „Es hält“, teilte Boenisch mit und gibt sich optimistisch, dass mit ihm in der anstehenden Rückrunde wieder zu rechnen ist: „Es wird für mich sicherlich schwierig, schnell in die erste Elf zu kommen. Aber ich werde Gas geben.“

Werder gewinnt 2:1 gegen Alkmaar

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Allerdings nicht per Bleifuß, sondern dosiert. Aktuell befindet sich Boenisch an einem Punkt, der immer noch Vorsicht gebietet. Überdreht er, kann es schnell zu Rückschlägen kommen. So legte er am Samstag in Belek auch einen Tag Trainingspause ein. Einfach, um dem wieder hergestellten Knie Ruhe zu gönnen. Boenisch: „Wichtig ist, dass ich gesund bleibe, dass nichts mehr passiert.“

Eine neue Verletzung könnte ihn das Erlebnis seines Lebens kosten: die EM im Juni. Mit Co-Gastgeber Polen will er dort für Furore sorgen. Sein Ticket, glaubt der ehemalige DFB-Juniorennationalspieler mit den polnischen Wurzeln, hat er auch dann sicher, wenn er bei Werder in der Rückrunde nur wenig zum Einsatz kommen sollte. Nach Gesprächen mit Nationaltrainer Franciszek Smuda könne er in dieser Hinsicht beruhigt sein. „Ich gehe davon aus, dass ich dabei sein werde“, erklärt Boenisch.

Die spannende Frage ist jedoch, auf welcher Position Smuda mit ihm plant. Links in der Viererkette, wo er in der Vergangenheit gespielt hat? Oder rechts, dort, wo er in Belek trainierte und auch gestern spielte? Für Boenisch ist das okay: „Ich bin von Hause aus Rechtsfuß. Wenn der Trainer das möchte, spiele ich gerne rechts.“

Bei Werder würden sich so neue Möglichkeiten auftun. Sokratis könnte (wie in den Tests gegen Anderlecht und Alkmaar) dauerhaft in die Innenverteidigung rücken, Clemens Fritz müsste nicht zwangsläufig aus dem Mittelfeld wieder in die Viererkette zurückgezogen werden. Boenisch bereichert also die Palette an Alternativen. Das könnte ihm die Rückkehr ins Team erleichtern. Vorausgesetzt, er findet nach der langen Pause zu gewohnter oder noch besserer Qualität zurück.

Ganz der Alte wird Sebastian Boenisch aber bestimmt nicht mehr sein, sagt er. Denn die Monate ohne Fußball hätten seine Sicht auf das Leben als Profi verändert. Lange hatte er wieder bei seinen Eltern in Düsseldorf gewohnt, um dort seine Reha zu absolvieren, und bei „Besuchen“ im Weserstadion gemerkt: „Der Fußball ist schon ein bisschen eine Scheinwelt. Wenn du verletzt bist, spürst du, dass es schnell vorbei sein kann.“ · csa

Stenogramm

Mielitz - Fritz (63. Boenisch), Sokratis, Prödl (72. Silvestre), Schmitz (63. Hartherz), Bargfrede (41. Kroos), Ignjovski, Trybull, Ekici, Pizarro (72. Füllkrug), Arnautovic (72. Thy) - Tore: 0:1 (40./FE) Elm, 1:1 (45.) Ekici, 2:1 (49.) Prödl.

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