Pizarro will Werders erfolgreichster Bundesliga-Torschütze werden / Tritt in den Hintern für Özil

„Bode kann ich noch einholen“

Dieses Spiel wird Claudio Pizarro nie vergessen: Vor zehn Jahren gelang ihm gegen Kaiserslautern sein erstes Bundesliga-Tor.

Bremen - Von Björn KnipsClaudio Pizarro ist ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Deshalb hat ihn Werder Bremen auch zum zweiten Mal vom FC Chelsea zurück an die Weser geholt und ihn diesmal für drei Jahre verpflichtet.

Und der 30-Jährige ist äußerst angriffslustig, will mit Werder den Meistertitel holen und sich auch noch einen Vereinsrekord von Marco Bode schnappen. Das verriet der Peruaner gestern Mittag im Interview, für das er sich nach dem Training viel Zeit nahm.

?Herr Pizarro, können Sie sich noch an Ihr erstes Bundesliga-Tor für Werder erinnern?

!Natürlich, das war gegen Kaiserslautern, wir haben 5:0 gewonnen. Und ich habe mit dem Kopf getroffen.

?Wissen Sie auch noch, wann genau das war?

!Das muss ungefähr so um diese Zeit vor zehn Jahren gewesen sein (12. September 1999, Anm. d. Red.). Mein erstes Spiel für Werder hatte ich zwei Wochen vorher gegen Berlin gemacht. Da bin ich aber nur eingewechselt worden, weil ich erst zwei, drei Tage in Bremen war.

?Was ist Ihnen aus Ihrer Anfangszeit bei Werder noch am meisten in Erinnerung?

!Dieses Spiel gegen Kaiserslautern. Ich habe in allen Zeitungen die Note 1 bekommen. Die Leute waren total begeistert. Das war sehr, sehr wichtig für mich. Denn als ich hier angekommen bin, war vieles total ungewohnt für mich. In der Kabine gab’s immer Obst – oder unsere Wäsche brauchten wir nur in einen Korb zu schmeißen. Das kannte ich alles aus Peru nicht. Und sportlich stand ich natürlich unter Druck, ich wollte mich in Europa durchsetzen.

?Was Ihnen auch gelungen ist. Worin besteht der größte Unterschied zwischen Werder 1999 und Werder 2009?

!Jetzt hat Werder eine Mannschaft, die Meister werden will und kann. Damals war das eher eine Mannschaft, die um einen Platz im UEFA-Cup kämpft.

?Klaus Allofs sagt, dass Werder sich den aktuellen Kader nur leisten kann, wenn die Mannschaft dauerhaft in der Champions League spielt. Haben Sie keine Sorge, dass Bremen seine Stars irgendwann verkaufen muss?

Claudio Pizarro in Bremen

Claudio Pizarro in Bremen

!Bis jetzt nicht. Es sind bis auf Diego noch alle da. Und es ist normal, dass ein Spieler mal zu einem anderen Club geht. Wir sind auf einem guten Weg.

?Auf dem Weg zur Meisterschaft?

!Es gibt noch viele andere Clubs mit demselben Ziel. Aber wenn alles optimal läuft, haben wir auch das Potenzial dazu – und die Meisterschaft mit Werder ist mein größter Wunsch.

?Ihr Teamkollege Mesut Özil könnte da gewaltig mithelfen. Momentan wird er in Deutschland als neue Nummer 10 gefeiert – zu Recht?

!Ich glaube schon. Als ich ihn vor einem Jahr zum ersten Mal beim Training gesehen habe, wusste ich gleich: Der Junge hat richtig Qualität. Er brauchte nur manchmal einen Tritt in den Hintern. Jetzt ist er auf einem sehr guten Weg – und er wird einer der besten Spieler werden.

?Zurück zu Ihnen: Sie sind nach zwei Jahren in Bremen zum FC Bayern gewechselt, dann folgte 2007 der Transfer zum FC Chelsea, ehe Sie für ein Jahr an Werder ausgeliehen und schließlich verkauft wurden. Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf Ihrer Karriere?

!Sehr, ich bin sehr zufrieden. Für einen Peruaner ist es etwas ganz Besonderes, so etwas in Europa zu erreichen. In Südamerika traut man uns in Peru nämlich nicht so viel zu, dabei haben wir großes Potenzial. Ich bin glücklich, dass ich meinen Landsleuten zeigen konnte, was möglich ist.

?Dann muss es umso mehr schmerzen, dass Sie nicht mehr für Peru spielen.

!Das ist ganz schwierig für mich. Aber ich habe jetzt die Erfahrung und das Wissen, dass Fußball auch viel Politik ist. Und genau das ist mir passiert.

?Gibt es denn kein Zurück für Sie in die Nationalelf?

!Doch sofort, aber erst muss der Trainer (Jose de Solar, Anm. d. Red.) weg sein. Er hat mich damals im Stich gelassen.

?In Chelsea waren Sie im Sommer nicht mehr erwünscht. Warum hat es mit einer Rückkehr nach Bremen so lange gedauert?

!Ich hatte mich zwar schon ganz früh, so zwei Wochen nach Beginn der Vorbereitung, mit Werder geeinigt. Aber dann gab’s Probleme zwischen den Vereinen.

?War das eine schwierige Zeit für Sie?

!Am Anfang nicht. Ich wollte unbedingt eine gute Vorbereitung machen, um für Werder gleich fit zu sein. Als dann die Bundesliga losging, wurde ich nervös. Denn ich wollte unbedingt spielen, und bei Chelsea durfte ich das ja kaum.

?Warum eigentlich Werder, gab’s keine anderen Angebote?

!Ich hatte schon einige Anfragen von interessanten Clubs. Aber bei Werder hat alles gepasst. Außerdem wusste ich bei Werder, was mich erwartet, kannte die Qualität der Mannschaft, den Trainer, das Umfeld. Die Fans sind einfach super. Und ich war mir sicher, dass meine Familie hier glücklich ist.

?Sie sind vergangene Saison ab und zu nach München geflogen, um Ihren kleinen Bruder zu besuchen. Spielt er noch in der Jugend des FC Bayern?

!Nein, er war lange verletzt und probiert es jetzt in Peru.

?Warum haben Sie ihn nicht nach Bremen geholt?

!Weil ich kein Berater bin . . . (lacht) – er ist jetzt 18 Jahre alt, und es ist sehr wichtig, dass er seinen eigenen Weg findet.

?Jetzt mal im Ernst: Es wurde mehrfach berichtet, dass Sie verbotenerweise als Spielerberater tätig gewesen sein sollen. Hat sich die FIFA bei Ihnen gemeldet?

!Nein. Da ist ja auch nichts.

?Und was ist mit der Steueraffäre um Ihren Berater Carlos Delgado?

!Ich glaube, das Thema hat sich erledigt. Mein Berater hat den Behörden alles vorgelegt, und das war’s. Mich hat das sowieso nicht betroffen.

?Spüren Sie, wie sehr sich der Trainer, die Mannschaft und die Fans Ihre Rückkehr gewünscht haben und nun an eine erfolgreiche Saison glauben?

!Natürlich. Es ging ja nicht nur um den Fußballer Pizarro. Ich habe hier auch noch einen Job als Führungsspieler. Ich soll den jungen Spielern mit meiner Erfahrung helfen.

?Zuerst denken aber alle an Ihre Tore.

!Ich weiß. Und zum Glück habe ich ja auch getroffen und gezeigt: Auf mich ist Verlass.

?Wissen Sie, wer die meisten Bundesliga-Tore für Werder geschossen hat?

!Puuh, ich habe es gehört, aber ich bin mir nicht ganz sicher.

?Sie kennen ihn.

!Ja? Dann ist es Marco Bode.

?Richtig – und an wen hatten Sie zuerst gedacht?

!Ich komme nicht auf den Namen. Kann ich die Liste mal sehen?

?Natürlich.

!Ah, Frank Neubarth war das, den ich meinte. Der ist ja auch Zweiter. Aber 101 Tore von Marco sind nicht schlecht. Und Ivan Klasnic hat wirklich 49 Tore für Werder gemacht und steht vor mir? Das hätte ich nicht gedacht.

?Sie belegen mit 48 Toren Rang 16. Können Sie Bode noch einholen?

!Ja, warum nicht? Das wird zwar schwierig, aber ich habe ja drei Jahre Zeit.

?So lange läuft Ihr Vertrag. Aber vielleicht bleiben Sie noch länger.

!Wer weiß das schon. Fußball ist so dynamisch. Das habe ich gelernt. Manchmal geht es ganz schnell. Aber jetzt bin ich bei Werder und will erfolgreich sein.

Werders Torjäger
Marco Bode 101
Frank Neubarth   97
Rudi Völler   97
Ailton   88
Werner Görts   73
Arnold Schütz   69
Uwe Reinders   67
Norbert Meier   66
Wynton Rufer   59
Andreas Herzog   58
Jürgen Röber   57
Horst-Dieter Höttges   55
Werner Weist   53
Miroslav Klose   53
Ivan Klasnic   49
Claudio Pizarro   48
Per Röntved   40
Gerhard Zebrowski   40
Karl-Heinz Riedle   38
Diego   38
Quelle: werder.de

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