Werder will sich (noch) nicht selbst feiern / „Brutal schweres Spiel“ in Nürnberg

Bloß keine Luftsprünge, bloß keine Luftschlösser

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Werder arbeitet sich hoch: Pyramiden dürfen im Training zur Freude von Thomas Schaaf gebaut werden, Luftschlösser allerdings nicht.

Bremen - Auf dem Rasen ist bei Werder Bremen alles möglich: Da wird gejubelt, da werden Pyramiden gebaut – und da darf sogar jemand von der Spitze grüßen. So geschehen gestern beim Training. Aber wehe, es geht außerhalb des Platzes um den Super-Start, die mögliche Tabellenführung und neue Saisonziele, dann wird‘s ungemütlich.

Da reagiert selbst ein sonst so freundlicher Profi wie Sebastian Prödl ziemlich barsch und stellt klare Regeln auf: „Wir sollten uns nicht blenden lassen. Es ist noch viel zu früh, Luftsprünge zu machen. Wir sollten auch keine Luftschlösser bauen!“

Die Fans machen‘s trotzdem. Einige wenige träumen nach vier Siegen aus fünf Bundesliga-Spielen sogar schon von der Meisterschaft, viele mehr haben zumindest für morgen die Tabellenführung fest im Blick. Dafür würde Werder wohl schon ein Remis beim 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr) genügen, weil der punktgleiche Spitzenreiter FC Bayern erst am Sonntag auf Schalke nachlegen kann. „Es ist doch noch total egal, ob du Erster, Zweiter oder Dritter bist“, sagt Marko Arnautovic. Der Österreicher, dem sonst gerne mal ein flotter Spruch rausrutscht, hat das aktuelle Credo seines Clubs verinnerlicht. „Wir wollen nicht verrückt spielen, sondern Schritt für Schritt machen“, hatte Sportchef Klaus Allofs gefordert und klargemacht: „Wir sind kein Bayern-Jäger, sondern Punktejäger. Wir spielen am Wochenende nicht um die Tabellenführung, sondern darum, 15 Punkte zu haben.“ Bei aktuell zwölf Zählern auf dem Konto, liebäugelt demnach auch Allofs mit einem Sieg.

Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

Warum nicht? Werder ist gut drauf, steht durchaus verdient auf Rang zwei. „Wir haben bei unseren Siegen überzeugt, deshalb ist die Punktezahl kein Zufall“, stellt Allofs zufrieden fest. Gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf hat er es geschafft, das in der vergangenen Saison fast gesunkene Werder-Schiff wieder flott zu kriegen. Das Heck ist nach dem Mertesacker-Verkauf quasi runderneuert, die Neuzugänge Sokratis, Andreas Wolf sowie wahlweise Lukas Schmitz oder Aleksandar Ignjovski auf der linken Abwehrseite sorgen gemeinsam mit Prödl für eine lange vermisste Sicherheit. Im Mittelfeld hat Schaaf in Bargfrede, Hunt, Fritz und Marin die optimale Mischung gefunden, und vorne bleibt Claudio Pizarro Werders Lebensversicherung, an dessen Seite Ar-nautovic aufblüht.

Damit aber nicht genug: Die Bank würde jede Ratingagentur glücklich machen, besitzt sie doch eine Menge (Geld-)Reserven – wie zum Beispiel die Millionen-Einkäufe Wesley und Mehmet Ekici. Letzterer könnte morgen – wenn nötig – den angeschlagenen Marin als Spielmacher ersetzen. Welcher Bundesligist kann schon so nachlegen? Schaaf ist jedenfalls zufrieden: „Wir haben einen Kader, der sehr viele Möglichkeiten hergibt, was die Qualität betrifft.“

Doch große Namen sind nicht alles. Prödl sagt vor dem „brutal schweren Spiel in Nürnberg“, worauf es ankommt: „Einige schauen nicht mehr so wie letztes Jahr nur auf sich. Wir sind auf dem Weg, eine Mannschaft zu sein.“ Die Stimmung im Training spricht deutlich dafür. Es wird konzentriert gearbeitet, aber auch mal gelacht, vor allem wenn die Verlierer des Trainingsspiels mal wieder eine Menschenpyramide bauen müssen. · kni

Werder-Training am Dienstag

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