In der Schlussphase trifft nur der Gegner, deshalb haben die Bremer fünf Punkte weniger / Ominöse 81. Minute

Das bittere Werder-Ende – schon fünf Mal

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Werder und die späten Gegentore – an der Kraft liegt’s nicht, sagt Kapitän Clemens Fritz. ·

Bremen - Werder sollte einen Antrag stellen, die 81. Minute aus dem Spielplan zu streichen – denn in dieser Minute kassierten die Bremer in dieser Saison schon vier Gegentore, die allesamt richtig wehtaten.

Hinzu kommen das Tor zum 0:2 gegen Bayern (83.) und der Last-Minute-Niederschlag in Hannover. Und selbst trafen die Grün-Weißen in den letzten zehn Minuten – trotz einiger Chancen – noch gar nicht. Das späteste Tor gelang Theodor Gebre Selassie beim 1:2 in Dortmund in der 75. Minute. Das zeigt: Werder hat ein Schlussphasen-Problem, gegen Ende der Partien bereits fünf Punkte verloren, auch beim 2:1 in Freiburg bedenklich gewackelt und das sicher geglaubte Weiterkommen im DFB-Pokal verspielt. Nur beim 2:0-Derbysieg gegen den HSV brachten die Bremer ein Pflichtspiel souverän zu Ende.

Aber woran liegt das? An fehlender Kraft und folglich mangelnder Konzentration jedenfalls nicht, betont Trainer Thomas Schaaf: „Wir machen einfach ärgerliche Fehler, die wir vermeiden müssen. Das kann man nicht an einem bestimmten Zeitpunkt festmachen.“ Kapitän Clemens Fritz hebt ebenfalls hervor, „dass wir fit sind“ und sieht auch „kein psychologisches Problem. Wir schalten ja in den letzten Minuten nicht unsere Köpfe aus.“

Die späten Gegentore hätten „unterschiedliche Gründe“, sagt der 31-Jährige. Ein Blick auf die betreffenden Schlussphasen zeigt, welche das sind:

Preußen Münster (A) 2:4

Die Schlussphase: Bei extremer Hitze führt Werder in der ersten DFB-Pokalrunde mit 2:1 – dann kommt die ominöse 81. Minute: Matthew Taylor schießt das 2:2.

Der Grund: Werder will den 2:1-Vorsprung nur noch über die Zeit bringen, tut zu wenig und versäumt es, entscheidend nachzulegen. Und Verteidiger Sokratis lässt sich beim Treffer viel zu leicht ausspielen.

Die Folge: Verlängerung, in der Münsters Dimitrij Nazarov (96.) und Taylor mit seinem dritten Tor (119.) die Sensation perfekt machen. Wie im Vorjahr in Heidenheim ereilt Werder das peinliche Erstrunden-Aus.

Bor. Dortmund (A) 1:2

Die Schlussphase: Bremer Spielverderber ist der eingewechselte deutsche Nationalspieler Mario Götze. Er entwischt Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie und trifft nach Doppelpass mit Robert Lewandowski zum 2:1 für den Deutschen Meister (81.).

Der Grund: Die Klasse von Götze, der mit einer tollen Aktion das Spiel entscheidet.

Die Folge: Statt einer Überraschung in Form eines Punktes gibt es keinen.

Hannover 96 (A) 2:3

Die Schlussphase: Knockout in der Nachspielzeit: Nach einer Hannoveraner Linksflanke rutscht Werder-Kapitän Clemens Fritz in der Mitte aus und fälscht den Ball nach dem Seitfallzieher von Szabolcs Huszti unhaltbar ab – 2:3.

Der Grund: Zwei Faktoren: Pech bei Fritz’ Rettungsversuch und zu großes Risiko. Werder, durch die Aufholjagd von 0:2 auf 2:2 extrem beflügelt, wagt zu viel und wird ausgekontert. Sportchef Klaus Allofs stöhnt danach: „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so viele Dinge zusammenkommen, damit wir dieses Spiel verlieren.“

Die Folge: Last-Minute-Niederlage statt Unentschieden.

VfB Stuttgart (H) 2:2

Die Schlussphase: Wie in Münster reicht eine 2:1-Führung nicht zum Sieg. Sokratis fabriziert erst per missglücktem Rückzieher eine Ecke und verliert dann das Kopfballduell gegen Georg Niedermeier, der Cacau das 2:2 auflegt (81.).

Der Grund: Die Fehler von Sokratis. Und: Werder überlässt dem Gegner in der zweiten Halbzeit total die Spielkontrolle, ist viel zu passiv und gerät immer mehr unter Druck. „Wir haben nicht mehr genug gegen den Mann gearbeitet und nur darauf gewartet, dass das Spiel zu Ende geht“, moniert Verteidiger Sebastian Prödl hinterher.

Die Folge: Nur ein Punkt statt drei.

Bayern München (H) 0:2

Die Schlussphase: Die favorisierten und überlegenen Bayern nutzen ihre wenigen Chancen eiskalt. Luiz Gustavo trifft per Schlenzer zum 1:0 (81.). Zwei Minuten später macht Mario Mandzukic den Sack zu (83.)

Der Grund: Nach lange konzentrierter Defensivleistung des kompletten Teams wirkt Werder zum ersten Mal platt. „Das Spiel war intensiv, wir standen unter großem Druck. Es haben am Ende ein bisschen die Kräfte nachgelassen“, gesteht Fritz. Und dann reicht gegen die Bayern ein Moment der Unachtsamkeit, den Gustavo perfekt nutzt. „Wir haben die Mitte aufgemacht und diesen Schuss zugelassen. Das war der Fehler“, sagt Schaaf.

Die Folge: Keine Überraschung gegen den Tabellenführer. Der über 80 Minuten stark erkämpfte Punkt ist weg. · mr

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