Wiese beklagt in der T-Frage eine fehlende Lobby / Kahn sieht ein offenes Rennen mit Neuer

„Bis mir das Blut aus den Ohren tropft“

Ab auf den Zaun: Nach dem 1:1 gegen den HSV feierten die Werder-Fans vor allem Tim Wiese.

Werder-Bremen - BREMEN (csa) · Er hatte gehalten, was zu halten war. Er wurde in einer Journalisten-Abstimmung zum „Man of the Match“ gekürt. Die Fans in der Ostkurve hatten ihn überdies auserkoren, per Megaphon die Party nach dem 1:1 im Nordderby zu dirigieren.

Alles Dinge, die einen Torwart glücklich machen sollten. Und dennoch: Die Welt des Tim Wiese war am Samstag nicht nur rosarot. Was dem Werder-Keeper nach wie vor nicht passt, ist die offene Entscheidung, wer bei der WM in Südafrika das deutsche Tor hüten wird.

Die Werder-Fans feiern

Die Werder-Fans feiern

Sein Selbstverständnis sagt ihm, dass er es sein müsste. „Ich gebe doch jede Woche meine Visitenkarte ab“, meinte Wiese. Gleichwohl spürt er, dass das Pendel sich nicht in seine Richtung neigt. Sondern in die von Manuel Neuer. Warum? Wiese hat eine Erklärung. „Mir fehlt wohl die Lobby in diesem Land“, maulte er nach dem letzten Bundesliga-Spieltag, der an der sportlichen Patt-Situation nichts geändert hatte. Wiese überragte gegen den HSV, Neuer brillierte beim Schalker 0:0 in Mainz, indem er unter anderem einen (selbst verschuldeten) Elfmeter parierte.

Neuer, so sieht es Wiese, werde aber von den „Spezialisten“ – gemeint waren die Medien – gepusht. Ihm dagegen werde kaum öffentliche Unterstützung zuteil.

Tim Wiese in der Nationalmannschaft

Tim Wiese in der Nationalmannschaft

Werder-Chef Klaus Allofs warf sich jedoch mächtig ins Zeug, dieses angebliche Defizit auszugleichen. Er plädierte klar für den Bremer Schlussmann: „Die Fakten sprechen in ziemlich starker Weise für Tim Wiese. Er ist am Saisonende in absoluter Top-Form – mehr kann er nicht tun. Ich hoffe, dass es einen fairen Zweikampf geben wird. Mit Tim liegt man nicht schlecht. Es wäre kein Risiko, im ersten Spiel in Südafrika auf ihn zu setzen.“

Bayern-Keeper und Nationalelf-Nachrücker Hans-Jörg Butt räumt Allofs dagegen keine Chance auf die Nummer eins ein. Dass Butt überhaupt in die Diskussion gebracht wird, „überrascht mich“. Und da geht’s Allofs wie Oliver Kahn. Auch der Ex-Nationaltorwart wünscht sich eine Entscheidung zwischen Wiese und Neuer: „Ich denke, dass einer der beiden das Rennen macht.“ Wer? „Das“, seufzt selbst Kahn, „wird keine leichte Entscheidung.“

Tim Wiese will – Lobby-Problem hin oder her – am Ende auf jeden Fall der Sieger sein. „Dafür kämpfe ich, bis mir das Blut aus den Ohren tropft“, versprach er.

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