Ausleihe mit Kaufoption – Werder hat endlich seinen Wunschverteidiger

Das „Biest“ für links: Garcia ist jetzt ein Bremer

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Sein Auftreten ist eher schüchtern. Doch auf dem Platz kann Santiago Garcia (Bild) auch ganz anders. „Er kennt keine Kompromisse“, sagt Werder-Manager Thomas Eichin.

Bremen - Es muss nicht schön gewesen sein, den neuen Kollegen beim Verlieren zuzusehen. Santiago Garcia saß am Samstag im Weserstadion vor einem Fernseher, sah das 1:4 des SV Werder bei Borussia Mönchengladbach, sah die schwache Bremer Leistung.

Aber es veranlasste ihn nicht, aus purem Entsetzen die parallel laufenden Verhandlungen über seinen Wechsel an die Weser zu stoppen. Bis in die Nacht hinein wurde um den 25-Jährigen gefeilscht – dann stand fest: Werder leiht den Linksverteidiger für ein Jahr vom chilenischen Club Rangers de Talca aus und kann Garcia im Anschluss per Option fest verpflichten. „Ich bin glücklich, jetzt ein Bremer zu sein“, sagte der Spieler gestern, nachdem er bereits das erste Mal mit der Mannschaft trainiert hatte.

Als Leihgebühr sollen 500.000 Euro fällig werden, für eine feste Verpflichtung müsste Werder weitere 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Geld teilen sich die Rangers aus Chile und der italienische Club US Palermo. Wer welchen Anteil vom Kuchen bekommt, war Bestandteil der Verhandlungen, die am Freitag bereits kurz vor dem Abbruch gestanden haben sollen. Laut Trainer Robin Dutt wollten die Berater des Spielers abreisen, weil sie keine Chance auf eine Einigung sahen. Doch Garcia sagte: Weitermachen! „Ich wollte unbedingt zu Werder“, erklärte er. „Der Spieler war das Zünglein an der Waage. Er hat klar gemacht, dass er auf keinen Fall zurück will nach Palermo“, bestätigte Werder-Sportchef Thomas Eichin und sprach von „schwierigen Verhandlungen“. Deren Abschluss konnte er nur aus der Ferne verfolgen. Eichin war in Gladbach, während Filbry die Gespräche in Bremen lenkte.

Die komplizierte Dreiecksbeziehung zwischen Garcia und seinen beiden Clubs bleibt auch nach Vertragsabschluss undurchsichtig. Während der Spieler behauptet, sich in Chile nur fitgehalten, aber nie einen Vertrag unterschrieben zu haben („Ich wollte dort nicht bleiben“), bestimmte der Weltverband Fifa die Rangers zum Inhaber der Transferrechte und damit zum Bremer Verhandlungspartner. Palermo wurde von Werder mit an den Tisch geholt, um möglichen späteren Regressforderungen entgegenzuwirken. Bei den Italienern hatte Garcia bereits im April gekündigt, weil Fans des Vereins ihn massiv bedroht hatten. Die Saison spielte er aber noch zu Ende, trainierte erst ab Anfang Juli in Chile. Die erste Nachfrage aus Bremen hatte ihn ungefähr zur gleichen Zeit erreicht.

Das Kapitel Palermo ist seit Samstagnacht abgeschlossen für den 25-Jährigen, „und ich habe darüber auch nichts mehr zu sagen“, erklärte Santiago Garcia gestern.

Der Mann, der auf der linken Abwehrseite die seit Jahren bestehenden Probleme lösen soll, wirkte dabei ziemlich schüchtern. Die Schultern zurückgezogen, die Hände hinter dem Rücken versteckt – wie er so dastand, machte er gar nicht den Eindruck eines Fußballers, der auf dem Platz ein kleines Biest sein soll. „Er kennt keine Kompromisse“, sagte Eichin mit der prallen Ladung Anerkennung in der Stimme über den Neuen: „Ich mag Spieler, die sich mutig reinhauen.“ Aaron Hunt wurde gestern im Training zum Beinahe-Opfer dieses Mutes, und Dutt lachte zufrieden über Garcias Premiere: „Man kann sagen, er war gleich präsent…“

Für den 1,91 Meter großen Abwehr-Allrounder („Wenn es sein muss, spiele ich auch in der Innenverteidigung“) ist es normal, alles zu geben. Denn ein Argentinier, der auch die italienische Staatsangehörigkeit besitzt, sei er nur im Privatleben. Auf dem Platz ist er ein Deutscher, sagte Santiago Garcia über sich selbst und bediente die alten Fußballer-Klischees: „Ich bin einem Deutschen sehr ähnlich, arbeite hart, bin aggressiv und sehr fleißig auf dem Feld. Ich glaube, ich passe sehr gut in ein deutsches Team.“

Auf jeden Fall passe er gut zu Werder – glauben jedenfalls Eichin und Dutt. „Wir haben viele Linksverteidiger beobachtet, viele sind durchs Raster gefallen“, sagte Sportchef Eichin und nannte sogar den Norweger John Arne Riise als Beispiel: „Wir hatten bei jedem Bedenken – auch bei Riise. Nur bei Santiago Garcia nicht.“ Coach Dutt freut sich ebenfalls, „dass ich jetzt den langgesuchten Linksverteidiger habe, den ich wollte. Santiago hat eine gute Schnelligkeit, eine gute Aggressivität und ein gutes Passspiel. Ich hoffe, er stabilisiert unsere Abwehr und setzt Akzente nach vorne.“ Mit der Verpflichtung des Argentiniers seien seine Wünsche nun erfüllt, Last-Minute-Einkäufe heute am Tag des Transferschlusses seien nicht zu erwarten. „Die Puzzleteile, die ich brauche, sind zusammen.“ csa

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