Beschleunigter Lernprozess

Er ist gelaufen, bis ihm die Zunge aus dem Hals hing. Marko Ar-nautovic hat das Kämpfen für sich entdeckt. ·

Bremen - 20 Sprints hatte er absolviert – mehr als jeder andere auf dem Feld. Doch für den letzten, den schönsten fehlte Marko Arnautovic die Kraft. „Ich hab’s einfach nicht mehr bis zu Claudio geschafft. Ich war tot“, schnaufte der Werder-Stürmer, der nach dem späten 2:1-Siegtreffer statt mit Torschütze Pizarro mit der Bremer Bankbelegschaft gefeiert hatte.

Dass er Pizarro nicht hinterherhetzte, als dieser triumphierend Richtung Eckfahne rannte, ist absolut verständlich – angesichts solcher Leistungsdaten: Arnautovic spulte gegen die Hertha 12,14 Kilometer runter – nur die Mittelfeldspieler Clemens Fritz (12,85) und Aaron Hunt (12,43) legten eine noch weitere Distanz zurück. Dazu schoss er achtmal aufs Berliner Tor – nach den Sprints der nächste Spitzenwert. Und die Daten untermauern, was als grundsätzliche Tendenz bei dem Österreicher zu erkennen ist. Aus dem ehemals eigenwilligen, wenig mannschaftsdienlichen Angreifer ist ein Arbeiter und Malocher im Sturm geworden. Einer, der an seine Grenzen geht.

Die Einzelkritik

Die Noten: Arnautovic wird zum Vorkämpfer

Sebastian Mielitz: Der Wiese-Ersatz musste nur selten eingreifen. Beim frühen Gegentor machtlos, beim Zusammenprall mit Sebastian Prödl (24.) sah er nicht so gut aus. Note 3,5 © nordphoto
Aleksandar Ignjovski: Die Formkurve zeigt etwas nach unten. Zu unentschlossen vorm Gegentor, unglücklich in Zweikämpfen und viel zu hektisch im Spiel nach vorne. Aber der Rechtsverteidiger gab nie auf und rettete stark gegen Christoph Janker (62.). Note 4 © nordphoto
Sebastian Prödl: Mit neuer Frisur kaum wiederzuerkennen, aber seiner soliden Abwehrarbeit ist er treu geblieben. Note 3,5 © nordphoto
Andreas Wolf: Begann ungewohnt unkonzentriert mit üblen Patzern in der Spieleröffnung (16. und 17.). Auch bei der Abwehrarbeit mit Unsicherheiten. Note 4 © nordphoto
Lukas Schmitz (bis 71.): Solide ohne große Stärken und Schwächen auf der linken Seite, aber mit einem bösen Aussetzer: Hielt Raffael an der Strafraumgrenze fest und konnte froh sein, dass der Schiri beide Augen zudrückte (65.). Note 3,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 82.): Bewahrte Werder mit seiner Rettungstat gegen Raffael vor einer Blamage – einem Tor in doppelter Überzahl (77.). Schwerstarbeit vor der Abwehr mit ausgeglichener Erfolgsbilanz, deshalb gibt‘s die Note 3,5 © nordphoto
Clemens Fritz: Erste Torvorlage in dieser Saison mit einer feinen Flanke zum Ausgleich. Wieder viel unterwegs und kämpferisch absolut top. Note 2,5 © nordphoto
Aaron Hunt: Werders neues Laufwunder – der linke Mittelfeldspieler war vor allem vor der Pause unheimlich präsent. Pech beim Pfostenschuss (34.). Note 2,5 © nordphoto
Mehmet Ekici (bis 59.): Es bleibt dabei, der Spielmacher kann bei Werder nicht das Spiel machen. Note 4,5 © nordphoto
Marko Arnautovic: Wer hätte das vor einigen Monaten gedacht: Der einst so eigensinnige Österreicher entwickelt sich zum absoluten Mannschaftsspieler, der um jeden Ball kämpft. Nur die Streuung bei seinen Schüssen ist noch zu groß, das Tor nicht wirklich in Gefahr. Note 3 © nordphoto
Claudio Pizarro: Ließ sich einfach nicht aufhalten – weder von den Gegenspielern noch vom Schiedsrichter. Bewies drei Mal Köpfchen, durfte aber nur zwei Mal jubeln – zum Sieg und zum Titel Matchwinner reichte es trotzdem. Note 1 © nordphoto
Marko Marin (ab 59.): Nach Verletzungspause zunächst für Ekici auf der Bank, dann mit Anlaufschwierigkeiten. Aber am Ende war es seine Ecke, die den Siegtreffer einleitete. Note 3,5 © nordphoto
Markus Rosenberg (ab 71.): Der „Joker“ stach zwar nicht als Torschütze, aber als Vorbereiter zum späten 2:1. Note - © nordphoto
Naldo (ab 82.): Jetzt schießt der so lange verletzte Brasilianer sogar schon wieder Freistöße – und das gar nicht so schlecht (90.). Aber Hertha-Keeper Thomas Kraft verhinderte die große Naldo-Party. Note - © nordphoto

Geschäftsführer und Sportdirektor Klaus Allofs quittierte die Vorstellung des 22-Jährigen mit einem zufriedenen Lächeln. „Der Konkurrenzkampf ist bei uns mittlerweile riesig. Und Marko will spielen, will sich verbessern. Das sind schon mal beste Voraussetzungen. Er weiß, dass da auch andere sind, die seinen Platz wollen. Das beschleunigt das Lernen.“ · csa

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