Werder-Profis von Fan-Protesten nach Pokal-Blamage in Heidenheim geschockt

Beschimpft, beworfen, bespuckt – „der blanke Hass“

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Polizeischutz für Werder: Der Mannschaftsbus wurde in Heidenheim von aufgebrachten Fans aufgehalten. So friedlich, wie es hier aussieht, lief‘s leider nicht die ganze Zeit ab – ganz im Gegenteil.

Heidenheim · Die Stätte der Pein wollte die blamierte Bremer Reisegesellschaft so schnell wie möglich verlassen. Ab in den Bus und nix wie weg aus Heidenheim. Aber die eigenen Fans verhinderten den geordneten Rückzug.

Sie blockierten in zigfacher Kopfstärke den Mannschaftsbus und sorgten nach dem peinlichen Pokalaus durch das 1:2 beim Drittligisten 1. FC Heidenheim für den nächsten Schock bei Werder Bremen.

Es sei „der blanke Hass“ gewesen, der den Spielern entgegengeschlagen war, berichtete ein Werder-Profi. Nennen lassen will er sich nicht – aus Sorge vor möglichen Übergriffen. Er fragt: „Können wir bald nicht mal mehr in die Stadt gehen?“

Training am Sonntag

Werder-Training am Sonntag

So schlimm ist es gewiss nicht, doch der Schreck über die Vorkommnisse in Heidenheim saß auch gestern noch tief bei den Spielern. Sie waren – im Bus sitzend – beschimpft, bespuckt und beworfen worden. Sagen sie. Laut Augenzeugen schepperten Bierbecher und -dosen gegen den Bus. „Allofs raus“-Rufe wurden skandiert. Kein Vergleich zum friedlichen Protest der vergangenen Saison, als das Team nach der Rückkehr aus Hamburg (wo es zuvor eine ehrverletzende 0:4-Pleite gesetzt hatte) vor dem eigenen Stadion zur Aussprache aufgefordert worden war.

Werder in der Einzelkritik

Werder Bremen - 1. FC Heidenheim: Die Noten

In Heidenheim wurde aus Angst, etwas abzubekommen, nicht diskutiert. „Leider war ein großer Teil der Fans alkoholisiert, es ist ein Bierbecher gegen den Bus geflogen. Deshalb konnten wir nicht aussteigen und mit den Fans reden“, erklärte Vorstandschef Klaus Allofs gestern, wieso nicht die Spieler, der Trainer und er die Situation lösten, sondern der Fan-Beauftragte und die Polizei.

Acht Jahre lang waren Werder vergleichbare Szenen erspart geblieben. Damals hatten Fans nach einer 0:3-Pleite im DFB-Pokal-Halbfinale beim 1. FC Kaiserslautern randaliert und den Bus aufgehalten, weil nach einer enttäuschenden Saison auch die letzte Hoffnung auf ein versöhnliches Ende verschenkt worden war.

Bilder von der Partie gegen Heidenheim

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim

Nun gingen rund 200 grün-weiße Anhänger bereits nach dem ersten (!) Pflichtspiel auf die Barrikaden. Das sei, so Clemens Fritz, „sicher auch der vergangenen Saison geschuldet. Da hat sich einiges aufgestaut, die Fans beäugen uns anders, wir haben weniger Kredit.“ Die Katastrophensaison mit langem Abstiegskampf und einem indiskutablen 13. Platz hat ihre Spuren hinterlassen. Der Kapitän zeigte daher auch Verständnis für das Verhalten der Fans: „Ich kann die Enttäuschung nachvollziehen. Heidenheim ist für unsere Fans nicht gerade um die Ecke. Wir können uns für unsere Leistung nur entschuldigen. Es tut uns leid.“ Auch Thomas Schaaf hat grundsätzlich nichts dagegen, „wenn man seinen Unmut bekundet. Aber über die Art und Weise lässt sich diskutieren“. Dem Coach missfiel ganz offensichtlich die aggressive Stimmung rund um den Mannschaftsbus, doch er vermied es, das Verhalten dieser Anhänger noch deutlicher öffentlich zu geißeln. Zu groß ist offenbar die Sorge, dass es zu einem Bruch mit den eigenen Fans kommt.

Allofs wagte sich da mehr aus der Deckung. „Sitzblockaden in dieser Form müssen nicht sein.“ Hat es auch in Bremen noch nicht gegeben, denn es besteht durchaus ein Unterschied zwischen den Fans im Weserstadion und der mitreisenden Anhängerschaft. Den Beweis dafür kann‘s schon morgen beim Test gegen Everton geben. · csa/kni/ck

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