Warum Werder den „Laden“ einfach nicht dicht kriegt / Schwerwiegende Probleme im Defensivverhalten

Beim Umschalten hakt es am heftigsten

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Kevin De Bruyne packt zu selten entschlossen zu.

Bremen - Auf diesen zweiten Platz ist bei Werder niemand stolz. Nach dem 2:3 beim HSV hat der Tabellenzwölfte (gemeinsam mit Hannover) mit 37 Gegentreffern die zweitmeisten der Bundesliga kassiert, nur Hoffenheim (43) mit Ex-Keeper Tim Wiese ist schlechter.

Seit Monaten reden die Bremer darüber, was sie besser machen wollen – bisher ohne Erfolg. Wo es im Defensivverhalten überall hakt, hat das Hamburg-Spiel veranschaulicht. Darum kriegt Werder den „Laden“ nicht dicht:

Umschalten

Verlieren die Bremer im Vorwärtsgang den Ball (was zuletzt häufig vorkam), ziehen sie sich nicht schnell genug zurück. Schaaf hat es bisher nicht geschafft, dieses große Problem zu beheben. Werder gerät bei Ballverlusten hinten oft in Unordnung, Gleich- oder sogar Unterzahl – und lässt sich vom Gegner viel zu leicht überraschen. Manchmal reicht schon ein guter Ball aus dem Mittelfeld, damit es in der Bremer Defensive lichterloh brennt. Zwei Beispiele: Vor dem Hamburger 1:1 wird Milan Badelj in der Zentrale nicht angegriffen und spielt links raus auf Son, der wenig später trifft. Das 3:1 des HSV leitet Son mit einem einfachen Pass auf Dennis Aogo ein, der per Linksflanke Torschütze Artjoms Rudnevs findet.

Individuelle Fehler

Im Nordderby sieht Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie gleich zwei Mal uralt aus, wird vor dem 1:1 und 1:3 überlaufen. Am 1:2, als der Tscheche viel langsamer reagiert als Aogo, sind auch die beiden Innenverteidiger Sokratis (Ball verpasst) und Assani Lukimya (Ball ans Knie) nicht schuldlos. Rabenschwarze Tage erlebten aber auch andere, in der Hinrunde etwa Sokratis (beim 2:2 gegen Stuttgart) und Sebastian Prödl (beim 1:4 gegen Leverkusen).

Disziplin

Werder spielt sehr offensiv – da ist es besonders wichtig, dass alle engagiert mit nach hinten arbeiten. Das macht aber nicht immer jeder. Kevin De Bruyne etwa packt viel zu selten energisch zu und versäumt es dadurch, Gefahr im Keim zu ersticken. Beim Tor zum 1:2 in Hamburg lief er nur neben Vorlagengeber Dennis Diekmeier her.

Lange Gesichter beim Training am Montag

Lange Gesichter beim Training am Montag

Formprobleme

Theodor Gebre Selassie steckt in einem metertiefen Leistungsloch. Sebastian Prödl enttäuschte gegen Dortmund und saß in Hamburg lange auf der Bank. Innenverteidiger-Kollege Sokratis spielt zwar meistens solide, aber längst nicht so herausragend wie in der Rückrunde der vergangenen Saison. Kurzum: Die Abwehrkette ist alles andere als stabil.

Sebastian Mielitz

Muss er haben, kann er haben? Beim Hamburger Ausgleich gab’s Diskussionen über Werders Nummer eins (siehe Bericht oben rechts). Mal wieder. Zwar leistete sich „Miele“ vor dem HSV-Spiel erst einen dicken Patzer (beim 1:3 in Augsburg) – insgesamt hält der 23-Jährige aber zu wenige schwierige Bälle und rettet Werder somit kaum Punkte. · mr

Spiele Gegentore Gegentore pro Spiel
1 Bor. Dortmund 87 67 0,77
2 Bayern München 87 69 0,79
3 Bayer Leverkusen 87 111 1,28
1. FSV Mainz 05 87 111 1,28
5 Bor. M’gladbach 87 116 1,33
6 FC Schalke 04 87 117 1,34
7 1. FC Nürnberg 87 120 1,38
8 Fort. Düsseldorf 19 27 1,42
9 Hannover 96 87 127 1,46
10 SC Freiburg 87 129 1,48
11 Eintr. Frankfurt 53 80 1,51
FC Augsburg 53 80 1,51
13 Hamburger SV 87 133 1,53
14 1. FC K’lautern 68 105 1,54
15 VfB Stuttgart 87 137 1,57
VfL Wolfsburg 87 137 1,57
17 Hoffenheim 87 140 1,61
18 Greuther Fürth 19 33 1,74
19 SV Werder Bremen 87 156 1,79
20 Hertha BSC 34 64 1,88
21 FC St. Pauli 34 68 2,00
22 1. FC Köln 68 137 2,01

Hinweis: In die Wertung kamen die Bundesliga-Spielzeiten 2010/11, 2011/12 sowie die aktuelle Saison – das sind in der Summe 87 Partien. Düsseldorf, Frankfurt, Augsburg, Kaiserslautern, Fürth, Hertha, St. Pauli und Köln haben durch Auf- und Abstieg entsprechend weniger Erstliga-Partien.

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