Beim Nordderby in Bremen bleiben die befürchteten Fan-Krawalle aus / „Sehr erfreuliche“ Bilanz

Alles unter Kontrolle

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Such! Die Autos mit Ziel Tiefgarage unter dem Stadion wurden von Sprengstoffhunden der Polizei beschnüffelt.

Bremen - Von Carsten Sander. Zugriff! Drei Polizisten schnappen sich einen Mann mit Werder-Schal. Der hatte es in unmittelbarer Nähe der HSV-Fans mit den Provokationen übertrieben. Fixieren, beruhigen. Ein anderer Mann ohne Werder-Schal wittert seine Chance, fragt bei der Polizei nach: „Wird seine Karte jetzt frei? Meine Frau sucht noch eine.“ Ein Scherz.

Und eine Anekdote eines Fußball-Nachmittags, auf den im Vorfeld viele mit Sorge gesehen hatten, der im Rückblick aber als einer der friedlichsten in der Geschichte des Bundesliga-Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV bewertet werden darf.

Am Morgen nach dem Derby verschickte die Bremer Polizei eine recht kurze Zusammenfassung der Ereignisse. Zwei wechselseitige Körperverletzungsdelikte (sprich: Prügeleien) auf dem Stadionvorplatz vor dem Spiel sowie eine Keilerei zwischen Bremer und Hamburger Fans in einer Straßenbahn nach der Partie. Dabei gingen mehrere Scheiben zu Bruch. Ermittlungen laufen. Ansonsten gab es nichts, was die Bremer Polizei der Erwähnung wert befunden hätte. „Es ist gut gelaufen“, fasste Sprecher Dirk Siemering den Tag zusammen. Meldungen über Festnahmen, Fan-Krawalle, verwüstete Züge? Fehlanzeige, Fehlanzeige, Fehlanzeige. Zum Glück. Als „sehr erfreulich“ bewertete Hubertus Hess-Grunewald, Geschäftsführer bei Werder Bremen, die Bilanz: „Die ganz große Hektik ist diesmal vermieden worden.“

Reaktionen der Fans

Die Herausforderung war riesig – und das nicht nur wegen der immer währenden Rivalität zwischen HSV-Fans und Werder-Anhängern. Im ersten Spiel im Weserstadion seit den Anschlägen in Paris mit 130 Toten sowie der Länderspielabsage in Hannover waren alle für das Thema Terror sensibilisiert. Zudem forderte der Stadionbesuch von Vize-Kanzler Sigmar Gabriel besondere Sicherheitsmaßnahmen. „Mehr geht eigentlich nicht“, meinte Hess-Grunewald.

Das Weserstadion stand schon Tage vor dem Spiel unter besonderer Beobachtung. Sicherheitspersonal hatte seinen Dienst getan. Nebenprodukt der Aufmerksamkeit: In der Nacht auf Samstag wurde eine Gruppe HSV-Fans verscheucht, die offenbar versucht hatte, ins Stadion zu gelangen.

Am Spieltag selbst wurden die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen nur an wenigen Punkten sichtbar. Sprengstoffhunde beschnüffelten jene Autos, die ihren Stellplatz in der Tiefgarage unter dem Stadion haben. Zudem wurden die Kontrollen an allen Eingängen verschärft. Anders als sonst wurden auch die Besucher der Vip-Bereiche überprüft. Die Frage ist nun: Bleibt es jetzt dabei? Einschätzung Hess-Grunewald: „Ich glaube nicht, dass dieser Standard der Normalstandard wird. Wir werden das aber mit der Polizei besprechen.“ Sie hat das Sagen, ihr obliegt die Einschätzung der Gefahrenlage.

Am Samstag waren mehr als 1000 Polizisten wegen des Derbys im Einsatz. 720 von der Landespolizei (inklusive der Unterstützung aus Niedersachsen, Sachsen und Hamburg) sowie – laut offiziellen Angaben – „über 350“ Einsatzkräfte der Bundespolizei. Sie hatten die An- und Abreise auf den Schienen geregelt. Erstmals war in den Zügen auch HSV-Sicherheitspersonal im Einsatz gewesen. Folge: Anders als beim bis dato letzten Derby in Bremen im April wurde diesmal kein Waggon zerlegt, die Sachschäden in den Zügen der Metronom Eisenbahngesellschaft, die etwa 3000 HSV Fans nach Bremen brachte, hielten sich in Grenzen. Weshalb sich Fahrgastleiter Wilmut König freute: „So macht Fußball Spaß.“

Werder-Pleite gegen den HSV

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