Rehhagel-Kenner glauben an den Rückkehrer

„Bei Otto ist alles möglich“

U. Borowka

Bremen - Die Rückkehr von Otto Rehhagel in die Bundesliga – nicht nur bei Werder-Sportchef Klaus Allofs ist sie ein großes Thema. Auch andere Weggefährten, mit denen Rehhagel einst in Bremen große Erfolge feierte, freuen sich über das Comeback – und trauen dem 73-Jährigen den Klassenerhalt mit Hertha BSC zu. Vor dem Duell Berlin gegen Bremen am Samstag sprachen wir mit . . .

Uli Borowka (49)

U. Borowka

Von 1987 bis 1996 bei Werder (239 Bundesligaspiele): „Dass Otto noch mal irgendwo auftauchen wird, war mir klar. Der kann nicht nur zu Hause rumsitzen. Der kann nicht ohne, der braucht das. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Beate jetzt nach eineinhalb Jahren zu ihm gesagt hat: ,So Otto, wird Zeit, dass du hier jetzt mal wieder weg bist‘. Dass er aber ausgerechnet nach Berlin kam, überrascht mich. Otto hat als Trainer so gut wie alles erlebt. Doch Hertha – das wird eine brutale, unheimlich schwere Mission. Salopp gesagt: Du kannst aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen. Um so eine Mannschaft zu retten, muss die Mannschaft auch Potenzial haben, mit dem du arbeiten kannst. Und das spreche ich einigen Teilen der Hertha komplett ab. Das alles ist höchstens mittleres Zweitliga-Niveau. Vor allem die Abwehr um Hubnik und Mijatovic ist überhaupt nicht bundesligatauglich. Die Mannschaft in sich ist zerrüttet, es gibt zu viele Cliquen. Die Hertha spielt ohne Mumm und Leidenschaft. Otto muss es innerhalb kürzester Zeit schaffen, eine richtige Mannschaft zu formen. Das wird nicht leicht, doch er ist dafür der Richtige. Das ist sein Ding, er ist ein Motivator. Eine viel bessere Wahl als der (Michael Skibbe/Anm. d. Red.), der jetzt gerade mal fünf Wochen da war.

Noch mal gegen Werder zu spielen, ist sicher eine besondere Geschichte für ihn. Aber er wird das nicht zu hoch bewerten wollen, denn er hat ganz andere Sorgen. Beide Mannschaften müssen etwas tun. Ich bin sehr gespannt, werde mir das Spiel daher auch nicht entgehen lassen und im Olympiastadion sein.“

Karl-Heinz Kamp (65)

K.-H. Kamp

Seit 1970 bei Werder, von 1985 bis 1995 Co-Trainer bei Rehhagel: „Ein bisschen hat mich seine Rückkehr schon überrascht. Doch bei Otto ist alles möglich. Ich denke, er hat sich das gut überlegt. Die Rettungsmission in Berlin wird nicht einfach und wohl bis zum Schluss dauern. Doch er schafft das, weil er eine Mannschaft unheimlich motivieren und ihr Selbstvertrauen einflößen kann. Ich glaube, gegen Werder wird es irgendeine Überraschung geben. Der Otto ist dafür bekannt, dass er manchmal ganz verrückte Sachen macht. Trotzdem muss er am Samstag noch mal verlieren – danach kann er meinetwegen alles gewinnen.“

Thomas Wolter (48)

T. Wolter

Seit 1984 bei Werder, von 1984 bis 1995 Spieler bei Rehhagel, seit 2002 Nachwuchs-Cheftrainer): „Dass er nach Berlin geht, habe ich am Abend vor seiner Verpflichtung im Videotext gelesen. Ich habe erst mal geschmunzelt und war überrascht, wie wohl alle. Aber dann habe ich mich gefreut. Wir telefonieren ab und zu miteinander – und deshalb weiß ich, dass er noch brennt. Und weil Otto die Gabe hat, das auch auf die Mannschaft zu übertragen, traue ich ihm absolut zu, das Ruder bei Hertha herumzureißen. Das geht aber nicht von heute auf morgen, wie man beim 0:3 in Augsburg gesehen hat. Und es sollte bitte auch am Samstag noch nicht gehen. Dass Rehhagel sein erstes Heimspiel ausgerechnet gegen Werder bestreitet, ist so eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt. Das ist unfassbar. Ob er sich überhaupt traut, Werder zu schlagen, müssen Sie ihn selbst fragen.“

Marco Bode (42)

M. Bode

Seit 1988 bei Werder, spielte von 1989 bis 1995 bei Entdecker Rehhagel, ist Nachrückkandidat für Werders Aufsichtsrat:„Ich wusste, dass er wieder offen für einen Trainerjob ist. Das hat er mir ein paar Mal gesagt. Otto hat eine unglaubliche Leidenschaft zum Fußball. Doch an Hertha habe ich dabei nicht gedacht. Der Einstand ist blöd gelaufen. Schade, ich hätte ihm einen Erfolg gewünscht. Gegen Werder wird er sich am Samstag sicher etwas Besonderes ausdenken. Er denkt sich meistens etwas Besonderes aus. Man muss nur abwarten, ob es funktioniert. Aber, keine Frage: Es wird für ihn ein besonderes Spiel. Ich traue ihm zu, die Mission in Berlin erfolgreich zu bestreiten. Er hat noch das Feuer und die Leidenschaft. Doch es liegt nicht nur an ihm. Die Mannschaft ist unter Skibbe in eine totale Krise geraten. Da wird es nicht leicht sein, die Wende herbeizuführen. Und man darf nicht den Fehler machen, das alles nur an einer Person festzumachen.“ · flü/mr

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