Beamte aus fünf Bundesländern: Polizei erwartet 1000 gewaltbereite Fans zum Nordderby

Geleitschutz, Sichtschutzwände, Shuttle-Busse

Bremen - Aus den Augen, aus dem Sinn – frei nach dieser Devise baut die Bremer Polizei vor dem brisanten Nordderby am Sonntag im Umfeld des Weserstadions sogar Sichtschutzwände auf, an denen mögliche Provokationen zwischen Werder- und HSV-Fans abprallen sollen.

„Wir probieren das jetzt zum ersten Mal aus – an dem einen oder anderen neuralgischen Punkt, wo mit einem Zusammentreffen beider Lager zu rechnen ist“, erklärt Dirk Siemering als Sprecher der Polizei Bremen diesen möglichen weiteren Baustein zur Deeskalation. Seit Ende März planen er und seine Kollegen diesen Großeinsatz rund um diese als „Rot-Spiel“ eingestufte Hochrisiko-Partie. So viel Zeit muss sein – denn Routine kehrt bei dieser Paarung niemals ein. Obwohl bisher kein anderer Verein häufiger zu Gast an der Weser war. „Wir rechnen auf beiden Seiten mit jeweils 500 gewaltbereiten Fans“, berichtet Siemering.

Ihnen stehen etwa 1000 Beamte aus Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und sogar Hessen gegenüber – das Kontingent der Bundespolizei noch nicht mitgerechnet.

Höchste Aufmerksamkeit gilt rund um den Bremer Hauptbahnhof – nicht nur mit Blick auf den Sonderzug aus Hamburg, dessen Fahrgäste die Ordnungshüter am Bahnsteig empfangen und über einen Weg aus Absperrgittern durch den Nordausgang auf die Bürgerweide lotsen. Auch sämtliche HSV-Fanbusse leitet die Polizei dorthin – zum Umsteigen in die Shuttlebusse, die bis zum Osterdeich fahren. „Am ,Ambiente‘ werden wir die Hamburger konzentrieren“, nennt Kriminal-Hauptkommissar Siemering das Ziel der vorletzten Etappe. „Von da werden wir die HSV-Fans eng bis zum Stadion begleiten“, erläutert der Sprecher – und kündigt ein „konsequentes Vorgehen gegen Störer“ an. Das gelte natürlich ebenso für alle grün-weißen Problemfans.

Im Weserstadion selbst habe der SV Werder das Hausrecht und sorge durch seinen ebenfalls dem Ereignis „angepassten“ Sicherheitsdienst für Ordnung. „Bei Bedarf sind wir aber bereit, im Stadion zu unterstützen“, sagt Siemering.

Nach dem Abpfiff herrscht weiter höchste Alarmstufe: „Der Ausgang des Spiels ist dabei fast nebensächlich“, weiß Hauptkommissar Siemering aus langjähriger Erfahrung: Wer Ärger suche, kümmere sich weniger um Sieg oder Niederlage. Ein Umstand spiele der Einsatzleitung aber in die Karten: der Termin am Sonntag. „Samstags ist es manchen egal, ob sie noch ein paar Stunden in einer fremden Stadt versacken. Sonntags wollen auswärtigen Fans aber meist schnell nach Hause.“

ck

Rubriklistenbild: © dpa

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