Bayern verpasst Werder höchste Heimpleite

0:7 – was für ein Debakel

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Ein tag zum Vergessen für Werder: Mario Götze (2.v.l.) trifft zum 7:0 und nimmt die Glückwünsche des Ex-Bremers Claudio Pizarro (rechts) entgegen, Assani Lukimya (2.v.r.) mag gar nicht mehr hinsehen, Kapitän Clemens Fritz (links) ist wie versteinert.

Bremen - Von Carsten Sander. Schlimmer war‘s noch nie! Mit der höchsten Heimniederlage seiner Bundesliga-Geschichte hat sich der SV Werder Bremen gestern nicht nur bis auf die Knochen blamiert, sondern auch in den Rang eines potenziellen Abstiegskandidaten schießen lassen.

Gegen einen übermächtigen FC Bayern München kassierten die Bremer eine 0:7 (0:3)-Pleite. Die löst das 1:7 gegen Borussia Mönchengladbach vom 21. März 1987 als größtes Debakel im eigenen Stadion ab. Normalerweise ist das ein Grund, alle Alarmglocken bei den auf Rang 14 abgerutschten Bremern ohrenbetäubend schrillen zu lassen. Doch statt das desaströse Ergebnis gegen den nunmehr seit 40 Bundesliga-Spielen ungeschlagenen Tabellenführer als Warnung zu nehmen, stellte Sportchef Thomas Eichin die Partie einfach mal neben das Regal des Üblichen. „Das war kein normales Spiel heute“, sagte er und meinte damit, dass dieses Bayern nicht der Maßstab für sein Team sein kann.

Kann es nicht? Fakt ist: Auch 39 Gegner vor Werder haben gegen die Bayern nicht gewonnen. Fakt ist aber auch: In dieser Saison hat noch kein Team so hoch verloren die Bremer. „Das war eine Demontage heute. Wir waren in allen Belangen unterlegen“, gab Eichin zu, was zuvor 42 100 Zuschauer im Weserstadion teils staunend, teils zunehmend deprimiert erlebt hatten. Nämlich einen FC Bayern, der nicht mal annähernd volle Kraft fahren musste, um Werder, den zum Sparringspartner verkommenen Erzrivalen der Vergangenheit, niederzuwalzen. „Wir haben einfach keine Mittel gefunden“, meinte Eichin.

Mehr noch: Werder half dem Triple-Sieger sogar. Denn der erste Gegentreffer war ein Eigentor von Assani Lukimya, der eine Hereingabe des überragenden Franck Ribery abfälschte (21.). Das 0:2 fiel in Folge eines Freistoßes von Toni Kroos. Daniel van Buyten übersprang Nils Petersen und köpfte ein (27.). Eigentlich waren das zwei untypische Bayern-Tore, doch die typischen folgten noch. Denn immer besser kombinierten sich die Münchner durch das, was eine Bremer Defensive sein sollte. Ribery noch vor der Pause (38.) sowie Mario Mandzukic (60.), Thomas Müller (68.), erneut Ribery (82.) und schließlich Mario Götze (90.) schraubten das Resultat in eine für Bremen blamable Höhe. Wie die Spieler das erlebten? „Für uns alle war das das frustrierendste Spiel. Die Dominanz der Bayern war unglaublich. Aber dennoch darf dann kein 0:7 dabei herauskommen“, sagte Kapitän Clemens Fritz, der sich seinen 33. Geburtstag sicher ganz anders vorgestellt hatte. Eljero Elia macht es kürzer: „Scheiße, scheiße, scheiße. 0:7 ist viel zu hoch.“

Bayern schießt Werder mit 7:0 ab

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Am Ende entsprach das Ergebnis aber ganz klar den Kräfteverhältnissen. Der Klassenunterschied war da – und die heillos überforderten Bremer lösten bei den eigenen Fans nicht mal Unmut oder Wut aus, sondern offenbar einfach nur Mitleid. Nicht anders ist zu erklären, dass die Mannschaft nur mit sehr wenigen Pfiffen in die Kabine verabschiedet wurde.

Lediglich in der ersten Halbzeit hatten die Bremer dem „Ballbesitz-Monster“ aus München (diesmal waren es 74 Prozent) etwas entgegenzusetzen, kamen sogar zu eigenen Chancen durch den im linken Mittelfeld aufgebotenen Franco Di Santo (13.), Aaron Hunt (18.) sowie erneut Di Santo (35.) und wieder Hunt (43.). Dennoch stand es zur Pause 0:3, und alles war gelaufen. „Wir haben“, erklärte Trainer Robin Dutt später, „in der ersten Halbzeit noch versucht, offensiver zu agieren und haben drei Stück bekommen. Nach der Pause wollten wir dann defensiver spielen.“ Mit dem Ergebnis, dass es vier weitere Male einschlug bei Werder-Keeper Raphael Wolf. Dessen Bilanz nach zwei Bundesliga-Einsätzen ist mit nun elf Gegentoren der reinste Horror. Thomas Eichin nahm den Mielitz-Konkurrenten dennoch aus der Schusslinie: „Wir hätten heute auch mit drei Torhütern spielen können, das hätte am Ergebnis überhaupt nichts geändert.“

Das Spiel  im Ticker zum Nachlesen

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