Naldo wird zum tragischen Helden

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Tragische Figur: Naldo traf erst zur Führung ins Bayern-Tor, dann zum Ausgleich ins eigene.

Bremen - Es hätte alles so schön sein können. Werder Bremen führte gestern durch ein Naldo-Tor (51.) mit 1:0 gegen den FC Bayern, die Konkurrenz im Kampf um die Europa League drohte sich gegenseitig die Punkte wegzunehmen.

 Doch nach gut einer Stunde nahm das Unheil im mit 42 100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion seinen Lauf. Der Rekordmeister brachte seine Superstars, Markus Rosenberg vergab das vorentscheidende 2:0, Naldo traf auch ins eigene Tor (75.), Franck Ribery schoss gar das entscheidende 2:1 (0:0) für die Münchner (90. + 1) – und Leverkusen gewann noch mit 1:0 in Hoffenheim. Heftige Rückschläge für die Bremer, die nun bei nur noch zwei Spielen sechs Punkte Rückstand auf Platz sechs haben.

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Rang sieben ist zwar noch möglich (selbst, wenn die um zwei Zähler besseren Hannoveraner heute gegen Freiburg gewinnen), allerdings glaubt bei Werder fast niemand mehr dran. „Jetzt ist alles vorbei“, seufzte Torjäger Claudio Pizarro, der sich auch gestern nicht in die Karten schauen ließ, ob er zurück zum FC Bayern wechselt: „Ich rede nicht mehr über meine Zukunft.“ Stattdessen sprach er übers Spiel und klagte: „Die Enttäuschung ist riesig. Wir haben heute eine große Chance verpasst, die Bayern zu schlagen.“

Werder verliert gegen München

Mit Rücksicht auf das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League am Mittwoch bei Real Madrid hatte Münchens Coach Jupp Heynckes fast alle Top-Stars geschont. Mario Gomez, Arjen Robben, Ribery und Toni Kroos saßen auf der Bank, Kapitän Philipp Lahm war nicht mal im Aufgebot. Werder-Trainer Thomas Schaaf stellte ebenfalls viel um – allerdings notgedrungen, wegen mehrerer Verletzungen und Sperren. Aaron Hunt kehrte nach fast vier Monaten Pause direkt in die Anfangsformation zurück und machte ein erstaunlich starkes Spiel. Zudem überraschte Startelf-Debütant Aleksandar Stevanovic. Den 20-Jährigen hatte Schaaf als Rechtsverteidiger für den gesperrten Clemens Fritz gebracht – und Stevanovic bot eine sehr überzeugende Leistung, bis ihn der eingewechselte Ribery zwei Mal narrte.

Ohne den Franzosen hatten die Münchner zu Beginn dominiert und durch Nils Petersen, der angeblich Werders Interesse geweckt haben soll, zwei Chancen (2./18.). Der Gomez-Vertreter hatte dann auch noch viel Pech, als er mit links aus 14 Metern das Lattenkreuz traf (44.).

Von den Bremern war bis dahin in der Offensive fast gar nichts zu sehen, doch das änderte sich im zweiten Durchgang. Nach einer Ecke von Zlatko Junuzovic köpfte Pizarro, der Ball landete bei Naldo – und der versenkte ihn mit links. Dank der Führung war Werder mittendrin im Euro-League-Geschäft. Markus Rosenberg hätte dann nachlegen müssen, doch der Schwede zögerte viel zu lange – und Diego Contento klärte (74.). Es war eine Schlüsselszene der Partie, denn statt 2:0 stand’s eine Minute später 1:1. Ribery war Stevanovic entwischt, passte flach in die Mitte. Und da schob Naldo den Ball völlig unbedrängt ins eigene Netz. Ein totaler Blackout des Brasilianers, der haderte: „Ich dachte, der Müller steht hinter mir und ich könnte zur Ecke klären. Leider hat das nicht geklappt.“

Die durch die Einwechslungen von Ribery, Gomez und Kroos schlagartig viel stärkeren Bayern wollten nun mehr – und sie bekamen mehr. In der Nachspielzeit zog Ribery an Stevanovic vorbei und traf mit links ins lange Eck. „Weil er Rechtsfuß ist, dachte ich, dass er mit rechts schießt“, meinte der junge Bremer. „Ribery ist eben Weltklasse“, adelte Naldo den Franzosen, der nach seinem Siegtor zur Bank rannte und ausgerechnet mit Arjen Robben abschlug. Mit dem Niederländer soll es nach dem Madrid-Hinspiel in der Kabine zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen sein. Nun feierten die Beiden – und Heynckes fand es super: „Überrascht hat mich das nicht, trotzdem war es eine große Geste.“

Von Malte Rehnert

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