Mit Marcus Sorg möchte der SC Freiburg die Aufbauarbeit der Vorgänger Dutt und Finke fortsetzen

Baumeister von der Basis

Diplom-Ingenieur mit Fußballlehrer-Lizenz: Marcus Sorg sieht für sich beim SC Freiburg den idealen Arbeitsplatz. ·

Werder-Bremen - FREIBURG · Natürlich muss ein Novize so reden. Also lässt Marcus Sorg so viel Lob auf den SV Werder Bremen prasseln, dass einem fast schwindlig wird.

„Unglaublich hohes Potenzial, große Qualität, spielerische Klasse“ lauten die Attribute, die der Trainer des SC Freiburg vor dem heutigen Auswärtsspiel fallen lässt. Aber was soll der Mann auch anderes sagen? Zum einen sitzt der 45-Jährige erst in seinem dritten Bundesligaspiel auf der Bank, zum anderen ist die Bilanz der Breisgauer gegen Bremen fürchterlich. Allein die letzten sechs Vergleiche gewann Werder. Mit einem Torverhältnis von 25:3. Schon unter der Ägide von Volker Finke setzte es teils derbe Lehrstunden. Und so sagt Sorg sehr vorsichtig: „Wir haben eine kleine Möglichkeit, für eine Überraschung zu sorgen, wenn wir wieder Leidenschaft, Engagement und Mut transportieren.“

Er ist keiner für irgendwelche Brandreden, dafür ist er nicht der Typ. Mit dem in Ulm geborenen Fußballlehrer, der es in seiner aktiven Zeit bis zum Zweitligaspieler beim SSV Ulm 1846 schaffte, aber die meiste Zeit im Amateurbereich (VfB Stuttgart Amateure, TSF Ditzingen und VfR Mannheim) verbrachte, hat der Nischenclub seine Vereinspolitik konsequent fortgeführt. Die Blender, Marktschreier und Durchlauferhitzer passen nicht in die badische Idylle. Dafür einer wie Sorg, der von sich sagt: „Als ich das Angebot erhalten habe, von der zweiten Mannschaft aufzurücken, habe ich keine Sekunde gezögert. Denn ich habe mich nirgends so wohlgefühlt wie in Freiburg. Die Stadt ist durch ihr Umfeld der ideale Arbeitsplatz für einen Profitrainer.“ Die rückhaltlose Unterstützung für den Vordenker auf der Trainerbank ist beinahe mit der in Bremen vergleichbar, wobei in Freiburg die Basisarbeit noch bedeutender ist.

Mit guten Fundamenten kennt sich Sorg auch deshalb aus, weil er als Diplom-Ingenieur der Grundlagen- und Bauphysik in einer artfremden Branche gearbeitet hat – seine Anteile an einem Ingenieurbüro hat er aber schon vor längerer Zeit abgegeben. „Ich konzentriere mich gerne nur auf eine Sache – das war der Fußball.“ Durch den Weggang von Robin Dutt zu Bayer Leverkusen hat Sorg einen der begehrten 18 Arbeitsplätze der Bundesliga erhalten.

„Das Ziel lautet Klassenerhalt“, insistiert er trotz des neunten Ranges aus dem Vorjahr. Weil der SC Freiburg gerade einmal Personalkosten von knapp unter 15 Millionen Euro stemmen kann, verbieten sich höhere Ziele. „Wir wollen dazu möglichst viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs heranführen.“ Das kann der Neue auch deshalb gut, weil er den Sportclub in- und auswendig kennt. Sorg hat 2008 als Scout und Trainer der Freiburger U 17 begonnen, übernahm alsbald die zweite Mannschaft. Spieler wie Torwart Oliver Baumann, Daniel Caligiuri oder Daniel Williams gingen durch seine Hände, weshalb es eine nette Randgeschichte ist, dass besagter Defensivmann Williams, 22 Jahre jung, nicht mehr eingesetzt werden sollte, weil er seinen 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. Doch nun hat sich Verteidiger Mensur Mujdza am Innenband verletzt, und Sorg schließt nicht aus, Williams aufzubieten, „er muss sich aber für die erste Elf aufdrängen.“

Das übrigens hat auch Garra Dembele noch nicht geschafft, der aus Mali stammende und für angeblich zwei Millionen Euro von Levski Sofia losgeeiste Stürmer, der irgendwann mal Pappis Demba Cisse beerben soll. Ob schon diese Saison, entscheidet sich spätestens am 31. August, wenn das Transferliste schließt. Sorg ist es nur Recht, wenn der Alleinunterhalter Cisse weiter Tore schießt – von den bisherigen drei Freiburger Treffern gehen schon wieder zwei auf dessen Konto. · mab

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