„Wech vom Deich“ - Teil 2

Banecki - wenn ein Baum fällt

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Francis Banecki stand im Werder-Trikot auf der ganz großen Fußball-Bühne, doch verletzungsbedingt war es nur ein kurzes Vergnügen.

Bremen/Berlin - Francis Banecki debütierte für Werder Bremen in der Champions League, aber mit 26 Jahren war die Karriere schon vorbei. Teil 2 unserer Serie „Wech vom Deich“.

Wie dicht Höhen und Tiefen im Fußball beieinanderliegen, weiß Francis Banecki nur zu gut. Wie aus dem Nichts war der Abwehrspieler einst bei Werder Bremen in der Champions League gestartet, ähnlich schnell war er wieder in der fußballerischen Versenkung verschwunden. Der Grund für seine größte Euphorie und sein tiefstes sportliches Trübsal war dabei ein- und derselbe: Verletzungspech.

Es läuft die 94. Minute im Champions-League-Gruppenspiel am 20. Oktober 2004 zwischen Werder Bremen und dem RSC Anderlecht, als Trainer Thomas Schaaf Pekka Lagerblom für einen unbekannten 19-Jährigen auswechselt. Dessen Name? Francis Banecki. Das Spiel dauert zwar nur noch 30 Sekunden, Werder gewinnt 2:1, doch für den Innenverteidiger ist es der wohl größte Moment der Karriere – einer allzu kurzen Karriere.

Banecki feiert Debüt in der Champions League

„Ich war wahnsinnig nervös“, erinnert sich der heute 32-jährige Banecki im Gespräch mit der DeichStube. „Das hat man mir nicht angesehen, weil ich ein Kerl wie ein Baum bin, aber innerlich war ich schon sehr, sehr angespannt. Es kam mir bei Profi-Spielen immer so vor, dass ich aufgeregter war als die anderen.“

Kein Wunder: Anderlecht war das Profi-Debüt des 1,92-Meter-Manns – direkt in der Königsklasse! Für einen Moment war der U23-Spieler im Fußball-Himmel. Und es ging gut weiter: Innerhalb der folgenden sieben Tage lief Banecki noch zweimal in der Bundesliga auf. Gegen den 1. FC Nürnberg (4:1) stand er in der Startelf, gegen den VfB Stuttgart (2:1) wurde er kurz vor Schluss eingewechselt.

Francis Banecki spielte in der deutschen U20-Nationalmannschaft unter anderem an der Seite von Mario Gomez (l.) und Christian Gentner (r.).

Banecki sagt, er wusste das schon damals realistisch einzuschätzen: „Werder hatte viel Verletzungspech. Das ist der Hauptgrund, warum ich da überhaupt so schnell reingerutscht bin.“ Unter anderem Petri Pasanen und Frank Fahrenhorst waren zu der Zeit ausgefallen. Banecki war klar, dass er schon sehr bald seinen Platz beim amtierenden Deutschen Meister räumen müsste: „Es war ein unheimlich starker Kader. Es war einfach wahnsinnig schwer“, sagt er. Trotzdem gab es keinen Grund, nervös zu werden. Banecki lag mehr als nur im Plan.

Erst ein Jahr zuvor war der Abwehrspieler mit viel Geduld aus der Jugend von Tennis Borussia Berlin nach Bremen gewechselt. „Ich war in den 90ern schon Werder-Fan, in der Zeit mit Uli Borowka, Dieter Eilts und Wynton Rufer“, erzählt Banecki. „Als das Angebot von Werder kam, war es für mich keine Frage, dass ich es machen will.“ Für seinen Lieblingsverein löste er sogar einen Vertrag in England auf. „Ich hatte schon bei Manchester City unterschrieben. Aber weil ich noch minderjährig war, sind die mir dann da sehr entgegengekommen.“

Knie-OP schädigt Patellasehne nachhaltig

In Bremen fing es vielversprechend an – sportlich und privat. Banecki lernte seine spätere Ehefrau kennen, mit der er heute drei Kinder hat. In der A-Jugend bei Werder überzeugte er, nach nur einem Jahr durfte er regelmäßig bei den Profis trainieren. Dann das Debüt in der Champions League und der Bundesliga. Im Sommer 2005 spielte er außerdem bei der U20-Weltmeisterschaft an der Seite von Rene Adler, Marcell Jansen und Christian Gentner unter anderem gegen einen gewissen Lionel Messi. Es lief! Niemand hatte gedacht, dass es das schon für Banecki gewesen sein soll. Aber das war es.

Denn in der kommenden Saison ging alles schief. Banecki verlängerte seinen Vertrag in Bremen, und ließ sich zu Eintracht Braunschweig verleihen. Das Ziel: mehr Spielpraxis. Doch statt sich in der Zweiten Liga Schwung zu holen, fällte das Verletzungspech den „Baum“ Banecki – und ließ ihn nicht mehr aufstehen. Wegen anhaltender Knieprobleme ließ er sich operieren – „ein riesiger Fehler in meiner Karriere“, wie Banecki heute weiß. Denn bei dem Eingriff wurde die Patellasehne nachhaltig geschädigt. Banecki war raus – und zwar nicht nur ein paar Wochen oder Monate. Sondern anderthalb Jahre.

Zwischen 2011 und 2014 spielte Francis Banecki für den BSV Rehden.

Der ehemalige Junioren-Nationalspieler gab nicht auf, kämpfte für sein Comeback. „Aber das hat alles nicht mehr hingehauen mit meiner Gesundheit“, sagt Banecki. Die Zeit bei Werder lief ab, größere Vereine nahmen Abstand von einer Verpflichtung. Es begann die glanzlose Tingelei durch die Lande, wie sie in so vielen Lebensläufen von einstigen Talenten mit Karriereknick zu lesen ist: Ein Jahr bei Hertha BSC II, ein paar Monate Kickers Emden und dem FC Oberneuland, eine Saison beim SV Meppen. Oberliga statt Königsklasse.

Im Emsland lief es für Banecki tatsächlich noch einmal ganz gut. Als umfunktionierter Stürmer schoss er den Club 2011 mit 15 Toren zur Meisterschaft und zum Aufstieg in die Regionalliga. Er bekam sogar einige Angebote aus den Profi-Ligen – „aber nichts, was sich finanziell lohnte“, erinnert sich Banecki. „Das war der Zeitpunkt, wo ich gesagt habe: Ich schließe mit dem Thema Profi-Fußball ab.“ Da war er gerade 26 Jahre alt geworden. Offerten aus China, Australien oder Finnland waren für ihn kein Thema, er hatte eine Familie zu versorgen. Also entschied er sich: anständige Arbeit statt Abenteuer.

Banecki schließt Ausbildung zum Automobilkaufmann ab

2011 ging Banecki zum Oberligisten BSV Rehden und begann parallel eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Gearbeitet hat er in dem Beruf danach zwar nicht, aber wer weiß, was in ein paar Jahren ist? „Ich bin ja noch ein junger Mann“, sagt der 32-Jährige.

Das Kapitel Rehden ist seit 2014 beendet, so ganz hat er aber immer noch nicht mit dem Fußball abgeschlossen. Banecki ist zurück in seiner Berliner Heimat, kickt aus Spaß an der Freude beim SV Rot-Weiß Gülitz in der Landesklasse – und betreibt seit vier Jahren gemeinsam mit einem Freund seine eigene Fußballschule. In der „Sportschule Berlin“ fördert er junge Fußballer, die heute die gleichen Träume haben, wie er sie einst hatte.

„Natürlich wollen alle Weltmeister oder Champions-League-Sieger werden“, verrät Banecki. Doch der Ex-Profi hat für Kinder und Eltern vor allem einen guten Ratschlag: „Setzt nicht alles auf Fußball. Baut euch ein zweites Standbein auf.“ Denn Banecki selbst weiß nur zu gut, wie schnell im Fußball alles vorbei sein kann.

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Quelle: DeichStube

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