Bartels kommt – Obraniak auch?

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Ludovic Obraniak könnte bei Werder im offensiven Mittelfeld Aaron Hunt ersetzen.

Bremen - Während alle Augen erwartungsvoll nach Spanien blickten, hat Sportchef Thomas Eichin in der norddeutschen Nachbarschaft zugeschlagen.

Gestern verkündete Werder Bremen nicht etwa die Verpflichtung von Diego Perotti, sondern die von Zweitliga-Profi Fin Bartels. Und die auch nicht für sofort, sondern erst für die kommende Saison. Der 26 Jahre alte Offensivspieler wechselt ablösefrei vom FC St. Pauli an die Weser und erhält einen Dreijahresvertrag. Soforthilfe für die Rückrunde wird es aber dennoch geben, denn Werder steht kurz vor dem Kauf des französisch-polnischen Mittelfeldspielers Ludovic Obraniak von Girondins Bordeaux.

Meldungen aus Frankreich, wonach der international erfahrene 29-Jährige bereits am Nachmittag zum Medizincheck in Bremen weilte, bestätigten sich gestern zwar nicht. Doch Obraniaks deutscher Berater Daniel Neuber bestätigte auf Nachfrage die fortgeschrittenen Verhandlungen zwischen Werder und Bordeaux: „Da ist was dran. Es sieht ganz gut aus, aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern.“

Bis heute Mittag muss Obraniak allerdings auf der Transferliste stehen, spätestens um 18.00 Uhr müssen dann alle Verträge unterzeichnet sein und bei der Deutschen Fußball-Liga vorliegen. Gestern Abend hatte Werder-Sportchef Eichin also noch Zeit, die letzten Steine aus dem Weg zu räumen. Laut Neuber waren – Stand gestern, später Nachmittag – „nicht nur Formalitäten zu klären“. Zwischen den Clubs seien „auch noch ein paar Verhandlungspunkte“ zu klären. Eichin selbst wollte sich nicht über Obraniak und den Stand der Dinge äußern. „Ich gebe keine Wasserstandsmeldungen ab“, sagte der 47-Jährige, räumte aber ein: „Es werden noch hektische Stunden bis zum Transferschluss.“

Die Ablöse für Obraniak, dessen Verpflichtung auch als Vorgriff auf einen möglichen Verkauf von Mehmet Ekici (siehe Text rechts) oder den Verlust von Aaron Hunt (siehe Text unten) im Sommer gesehen werden kann, wird bei etwa zwei Millionen Euro liegen – plus etwaiger Bonuszahlungen. Der Vertrag des polnischen Nationalspielers in Bordeaux läuft noch bis 2015. Vor zwei Jahren war der Linksfuß für eine Million Euro von OSC Lille in die Wein-Metropole gewechselt. Mit beiden Clubs spielte er in der Champions League. Für Girondins erzielte er in 90 Pflichtspielen 17 Tore, lieferte 19 Assists. Für Polen traf er in bislang 32 Einsätzen sechsmal.

Geboren in Longeville-les-Metz nahe der Grenzen zu Deutschland und Luxemburg wuchs Obraniak in Frankreich auf, wurde von Polens Fußball-Verband aber – die polnischen Wurzeln machten es möglich – extra für die Heim-EM 2012 rekrutiert und eingebürgert. Ähnlich wie der damalige Werder-Profi Sebastian Boenisch.

Fin Bartels hat keine zwei Pässe, Fin Bartels hat auch keine Champions-League-Erfahrung und eine EM hat er auch nie gespielt. Fin Bartels ist Norddeutscher durch und durch und war als solcher ein Wanderer zwischen der ersten und der zweiten Bundesliga. Sowohl mit Hansa Rostock als auch mit dem FC St. Pauli stieg er aus Liga eins ab, kam aber auf insgesamt 50 Einsätze und sechs Tore in der Beletage des deutschen Fußballs. In Bremen werden weitere hinzukommen – sofern der Club nicht absteigt. Doch davon geht Bartels selbstredend nicht aus. „Ich bin stolz und froh, dass Werder mich ausgesucht hat und ich mit bald 27 Jahren nochmal den Schritt in die Bundesliga machen kann“, sagte der pfeilschnelle Angreifer. Bei St. Pauli agiert er aktuell als eine von zwei Spitzen, im Bremer System kann der Rechtsfuß auf beiden Flügeln eingesetzt werden.

Die Frage ist nur: Bringt ein Spieler, der erstens das Talentealter schon eine Weile verlassen hat und zweitens den Großteil seiner Karriere in der zweiten Liga verbracht hat, Werder nach vorne? Zweifel sind erlaubt. Aber wenig überraschend vertritt Werder-Coach Robin Dutt die Gegenmeinung: „Fin Bartels ist einer der besten Offensivspieler der zweiten Liga und hat eine super Mentalität. Natürlich kann er uns helfen. Er ist eine richtig gute Verpflichtung für uns.“

Zudem sei es durchaus problematisch gewesen, ihn von St. Pauli loszueisen, sagte Dutt. „Die Entscheidung ist mir wirklich nicht leicht gefallen“, bestätigte Bartels, der bei dem Kiez-Club nicht nur wegen seiner sechs Tore und fünf Vorlagen in der laufenden Saison ein Publikumsliebling ist. Einen, der immer Vollgas gibt und für ehrliche Arbeit statt für Glamour steht, mögen sie eben auf St. Pauli. Da geht es Thomas Eichin nicht anders. „Charakterlich“, erklärte der Werder-Sportchef, „passt er perfekt zuuns. Ich bin fest davon überzeugt, dass Fin eine Verstärkung für uns sein wird.“

Das hätte bestimmt auch – und vielleicht noch viel mehr – für Diego Perotti vom FC Sevilla gegolten. Mit dessen Wechsel auf Leihbasis zu Werder war gestern eigentlich gerechnet worden. Doch die Kunde aus Spanien war negativ. Perotti habe sich gegen Werder entschieden, berichteten lokale Medien und spekulierten weiter mit einem Wechsel des Argentiniers zum AS Monaco. Thema für Werder vom Tisch? Es sieht ganz danach aus. · csa

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