Werder-Wahnsinn: Die 44 macht ganz spät das 4:4

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NACH IHREM Treffer zum 4:4 ging die 44 auf große Jubelreise – zum ersten Mal in der Bundesliga, für Philipp Bargfrede war es eine Tor-Premiere der ganz besonderen Art.

Sinsheim - von Malte Rehnert. Treffender als Eljero Elia kann man es kaum beschreiben. „Das war ein krankes Spiel“, sagte der Niederländer von Werder Bremen gestern nach dem wilden 4:4 (2:2) bei 1899 Hoffenheim. Gleich zwei Mal hatten die Gäste mit zwei Toren im Rückstand gelegen, aber jeweils zurückgeschlagen.

In der Nachspielzeit war es ausgerechnet Philipp Bargfrede, der Mann mit der Rückennummer 44, der den Bremern immerhin einen Bundesliga-Punkt rettete. „Gott sei Dank“, schnaufte Sportchef Thomas Eichin.

Für einen echten Hammer hatte Werder-Coach Robin Dutt schon vor dem Anpfiff gesorgt. Er setzte seine Nummer eins Sebastian Mielitz völlig überraschend auf die Ersatzbank und stellte Raphael Wolf ins Tor. Ein extrem brisanter Wechsel – und zwar nicht nur für diese eine Partie. „Raphael wird bis zum Ende der Hinrunde spielen“, kündigte Dutt an. Von einer Demontage seines Stammkeepers Mielitz wollte der Bremer Trainer jedoch nichts wissen: „Wir sind nach wie vor zu 100 Prozent von ihm überzeugt. Aber wir hatten alle den Eindruck, dass Sebastian einfach mal Zeit und Ruhe braucht.“

Mielitz hatte in der Woche zuvor beim im Heimspiel gegen Mainz (2:3) zwei Mal schwer gepatzt, danach war die Diskussion um den 24-Jährigen neu entbrannt. Dutt gab ihm vor dem Hoffenheim-Spiel keine Einsatzgarantie, vollzog gestern den Torwartwechsel und verhalf Wolf somit zum Bundesliga-Debüt.

Klar, dass der bisherige Ersatzmann vor 25 608 Zuschauern im Fokus stand. Und Wolf bekam gleich Arbeit, klärte gegen Roberto Firmino (5.) und ballte anschließend die Faust. Erste Bewährungsprobe bestanden! Die zweite auch, als er reaktionsschnell gegen Kevin Volland parierte (11.). Ein paar Sekunden später war Wolf aber geschlagen. Santiago Garcia hatte Volland im Bremer Sechzehner zu Fall gebracht, Elfmeter für Hoffenheim. Wolf flog nach links, Sejad Salihovic schoss in die andere Ecke – 1:0 (12.). Bei Werder ging gar nichts, die Hausherren dagegen gaben weiter Vollgas und waren cleverer. Bei einem Duell mit Cedric Makiadi ging Eugen Polanski zu Boden. Wieder Elfmeter (diesmal ein umstrittener), wieder Salihovic. Der Bosnier chipte den Ball rotzfrech in die Mitte, Wolf entschied sich erneut für die linke Ecke – 0:2 nach 18 Minuten.

Nach dem Mainz-Spiel gleich der nächste Horrorstart für die Bremer, die überhaupt nicht ins Spiel fanden und förmlich überrannt wurden. Eine Chance von Aaron Hunt (13./scheiterte an TSG-Keeper Coen Casteels), mehr brachten die konfusen Gäste vorne nicht zustande. Und hinten herrschte das Chaos. Kurzum: Werder präsentierte sich in dieser Phase wie ein Absteiger! Und regte sich im Minutentakt über Entscheidungen von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) auf. „Das macht hier doch alles keinen Spaß mehr“, schimpfte Hunt deutlich hörbar über ein TV-Außenmikrofon.

Er selbst brachte dann urplötzlich den Spaß zurück – in einer irren Schlussphase der ersten Hälfte. Einen Freistoß von Hunt wehrte der in der Mauer stehende Sven Schipplock mit dem Arm ab. Elfmeter für Werder: Hunt verwandelte sicher zum 1:2 (45.). Und direkt im nächsten Bremer Angriff war der Vizekapitän über rechts durch, der Ball flutschte Casteels bei der flachen, allerdings leicht abgefälschten Hereingabe von der Torauslinie durch die Beine. Und in der Mitte musste Elia nur noch zum sehr schmeichelhaften 2:2 einschieben (45.+1). Glücklich für Werder, weil Vorlagengeber Hunt beim Pass von Franco Di Santo hauchdünn im Abseits gestanden hatte.

Zur zweiten Halbzeit nahm Dutt Torschütze Elia runter, brachte den wieder genesenen Nils Petersen und stellte von einem 4:2:3:1-System auf ein 4:4:2 um. Statt mehr Angriffspower gab es zunächst aber weiter eklatante Abwehrschwächen. Salihovic durfte ungehindert flanken, Volland köpfte unbedrängt das schnelle 3:2 (49.). Dann griff kein Bremer Hoffenheims Kai Herdling an, der den Ball herrlich ins lange Eck schlenzte: 4:2 für Hoffenheim (54.).

Irres Spiel: Hoffenheim - Werder Bremen 4:4

Irres Spiel: Hoffenheim - Werder Bremen 4:4

Und der Wahnsinn ging ungebremst weiter: Werder-Kapitän Clemens Fritz bediente Petersen, der zum 3:4 einschoss (59.). Werder – nun deutlich engagierter – wollte mehr und bekam in der Nachspielzeit mehr.

Die Noten

Die Noten der Werder-Spieler

Nach einer Hunt-Ecke legte Petersen auf den eingewechselten Bargfrede, der nach vier Monaten Verletzungspause sein Comeback gab und aus elf Metern sein erstes Bundesliga-Tor erzielte. „Ich war so lange verletzt, etwas Schöneres hätte ich mir nicht vorstellen können“, jauchzte Bargfrede und analysierte: „Leider ist es nur ein Punkt, aber bei diesem Ende können wir trotzdem zufrieden sein.“

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