Ex-Bremer ist in Mainz zum Stammspieler aufgestiegen

Balogun: „Ich habe das Vertrauen zurückgezahlt“

Stammkraft in Mainz: Der Ex-Bremer Leon Balogun. - Foto: imago

Mainz - Leon Balogun hat lange in Norddeutschland gelebt und bei der Begrüßung nichts verlernt. Mit einem „Moin, Moin“ meldete sich der 27-jährige Verteidiger vom FSV Mainz gestern am Telefon. Im Interview sprach er dann über seinen Aufstieg zum Stammspieler, seine nicht gerade erfolgreiche Zeit bei Werder (2010 bis 2012) und die nigerianische Nationalmannschaft. Und er warnte eindringlich vor „Fuchs“ Claudio Pizarro.

Herr Balogun, verraten Sie doch bitte zuerst mal Ihr Wintergeheimnis!

Leon Balogun: Mein Wintergeheimnis? Was soll das sein?

Nach der Winterpause haben Sie jedes Spiel über 90 Minuten bestritten. Woran liegt das? Machen Sie irgendetwas anders als vorher?

Balogun: Nein, eigentlich nicht. Nach meiner Verletzung in der Hinrunde habe ich in der Wintervorbereitung Gas gegeben und fest an mich geglaubt, was früher vielleicht noch nicht so war. Ich habe den Trainer mit Leistung überzeugt. Er hat mir das Vertrauen gegeben – und ich denke, ich habe es ihm weitgehend zurückgezahlt.

Was für ein Feedback gibt Ihnen Trainer Martin Schmidt?

Balogun: Ein gutes – meistens. Man muss aber auch bereit sein, im Training mal einen Spruch zu kriegen. Es kann auch mal knallen. Er ist einer, der mir manchmal in den Arsch tritt – um die Messlatte hoch zu halten.

Welchen Anteil hat der Trainer an Ihrem Aufschwung?

Balogun: Er redet mich vor Spielen auch mal stark, das tut unglaublich gut. Und es war ein Riesenantrieb für mich, dass er mich jetzt in der Innenverteidung spielen lässt. Rechts kann ich meine Sache solide und gut erledigen, aber innen fühle ich mich eben wohler. Und er hat mich auch nach der Niederlage in Ingolstadt zum Rückrunden-Auftakt nicht rausgenommen. Da weiß man Bescheid: Der Mann hat ‘was mit dir vor, vertraut dir, baut auf dich.

In welchen Bereichen hat er Sie verbessert?

Balogun: Spielerisch auf jeden Fall. Er animiert mich, mutiger zu werden und aktiver im Spielaufbau zu sein.

Haben Sie in Mainz nun den Durchbruch in der Bundesliga geschafft?

Balogun: Schwer zu sagen. Ich habe mich festgespielt, so würde ich es ausdrücken. Und den nächsten Schritt in meiner Entwicklung gemacht. Aber ich kenne den Fußball gut genug, es kann ganz schnell hoch und runter gehen. Deswegen bin ich da demütig.

Mainz ist schon Ihre vierte Bundesliga-Station: Bleiben Sie diesmal länger?

Balogun: Das habe ich vor. Ich habe für drei Jahre unterschrieben und fühle mich hier pudelwohl. Wir haben eine super-coole Truppe. Es ist ein schönes Arbeiten hier – und die Stadt ist auch sehr charmant.

In Bremen hat es damals mit der Bundesliga-Karriere nicht geklappt, Sie kamen insgesamt in zwei Jahren nur auf 47 Minuten. Warum?

Balogun: Ich war noch nicht 100-prozentig so weit. Es lag an Kleinigkeiten, der letzte Tick fehlte. Ich habe in Hannover kürzlich mit Thomas Schaaf (sein damaliger Trainer bei Werder, d. Red.) gesprochen. Da hat er mir genau das noch mal attestiert. Man hätte mir vielleicht einfach mehr zutrauen sollen, dann hätte es auch dort gut ausgehen können. Trotzdem sage ich: Es waren zwei wertvolle Jahre in Bremen.

Gibt es noch Kontakt nach Bremen?

Balogun: Anthony Ujah kenne ich aus der Nationalmannschaft, wir haben uns vor ein paar Tagen noch geschrieben. Ansonsten wenig. Ich habe ab und zu mit Felix Kroos geschnackt, aber der ist jetzt ja auch nicht mehr da. Und die Leute, mit denen ich am meisten zu tun hatte, sind schon lange weg. Sebastian Boenisch, Aaron Hunt und Marko Marin.

Claudio Pizarro kennen Sie auch noch von früher. Auf ihn werden Sie am Samstag (wenn er spielen kann) häufig treffen. Wie sind Ihre Erinnerungen an ihn?

Balogun: Abseits des Platzes ist er ein Super-Kerl, den ich echt gerne mag. Und auf dem Platz ist er ein Fuchs. Riesige Erfahrung, riesige Qualität. Er hat immer mal wieder eine Bewegung drin, mit der du als Gegenspieler nicht rechnest. Dieses Spitzbübische, das hat er nicht verlernt. Aber auch Claudio ist zu stoppen, man muss nur in jeder Sekunde wach sein.

Ihre bisherigen vier Bundesliga-Clubs Hannover 96, Werder, Fortuna Düsseldorf und Darmstadt 98 schweben alle in Abstiegsgefahr. Wem gönnen Sie den Klassenerhalt am meisten?

Balogun: Puh, das ist eine fiese Frage. Für Darmstadt würde ich mich sehr freuen, weil dort alle mit so viel Begeisterung bei der Sache sind. Werder hat so viel Tradition und gehört in die erste Liga – Hannover aber auch. Möge es der Beste packen.

Packt es Werder?

Balogun: Sie haben es, wie Darmstadt, in der eigenen Hand. Wenn sie die Saison einigermaßen solide zu Ende spielen, sollten sie sich retten können. Auch wenn es knapp wird.

In Mainz ist Abstiegskampf kein Thema. 40 Punkte, Platz sechs: Viele sind überrascht über die starke Saison. Sie auch?

Balogun: Ein bisschen schon. Das oberste Ziel war ja der Klassenerhalt. Aber wir haben es uns verdient, dass wir so gut dastehen.

Warum spricht noch kein Mainzer über Europa?

Balogun: Wir würden uns damit unnötig Druck aufbürden. Es ist besser, wenn man Erwartungen wie den Klassenerhalt übertrifft – als wenn man an zu hohen Erwartungen scheitert. Die großen Gegner sind jetzt zwar alle weg aus unserem Kalender, aber die wirklich kniffligen Aufgaben kommen erst noch. Mannschaften, die unbedingt punkten müssen – wie Bremen oder danach Augsburg. Deshalb sind wir gut beraten, uns solche Ziele nicht zu stecken.

Zum Abschluss zur Nationalmannschaft. Sie sind in Nigerias Aufgebot für die anstehende Afrika-Cup-Qualifikation gegen Ägypten. Wie sehen Sie Ihre Perspektive?

Balogun: Ich bin selbst gespannt. Wir haben einen neuen Trainer (Samson Siasia), den ich bisher kaum kenne, und einen Riesenkader mit 42 oder 43 Mann. Die Karten werden komplett neu gemischt. Mal schauen, wie es weitergeht. - mr

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