Ausbaufähige Auftritte der Jüngsten

Eine Frage der Zeit

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Willkommen im Oberhaus! Maximilian Eggestein (oben) bekam in Berlin die Bundesliga-Zweikampfhärte zu spüren – hier verabreicht durch Herthas Marvin Plattenhardt.

Bremen - Mit Statistiken ist das ja oft so eine Sache. Im Fall von Werders Talent Maximilian Eggestein sehen die Match-Daten zunächst nicht nach einem Sahne-Startelf-Debüt in der Bundesliga aus: 21 Ballkontakte, eine Torschussvorlage, Auswechslung nach 62 Minuten.

Etwas dürftig für einen Zehner. Doch „wir haben eine sehr gute Stunde von ihm gesehen“, urteilte Trainer Viktor Skripnik über Eggesteins Einsatz bei Hertha: „Ein bisschen mehr Präzision wünsche ich mir schon. Aber sein Stellungsspiel und sein Fußballverständnis waren okay.“

Austausch unter Landsleuten: Werders Ulisses Garcia (l.) sicherte sich nach dem Abpfiff das Hertha-Trikot vom Schweizer Nationalspieler Fabian Lustenberger.

Auch Kapitän Clemens Fritz lobte den mit 18 Jahren Jüngsten im Kader: „Maxi war immer anspielbar, ist weite Wege gegangen.“ Das geht ebenfalls aus der Spielerdatenbank hervor – 8,74 Kilometer bedeuten für 62 Minuten einen guten Wert. „Aber er hatte es schwer, weil Herthas Mittelfeld ziemlich eng war“, verdeutlichte Fritz. Doch „wenn er mehr spielt“, schätzte Mittelfeld-Kollege Zlatko Junuzovic, „wird er auch damit klarkommen.“ Alles nur eine Frage der Zeit, sagte Fritz – und prophezeite ihm: „Maxi wird noch viele Bundesliga-Spiele machen.“

Eggestein selbst betrachtete seine Leistung ziemlich nüchtern: „Es hat nicht alles geklappt, aber ich muss solche Erfahrungen sammeln und nach vorn schauen.“ Genau das mag Skripnik nicht – jedenfalls nicht im Spiel: „Es gibt Zehner, die nur nach vorn ausgerichtet sind und keine Arbeit nach hinten leisten. Aber Maxi macht das perfekt. Er ist sehr fleißig. Für sein Alter bin ich absolut zufrieden.“

Dabei hatte der Offensivmann zuvor gegen Schalke auf der Bank brummen müssen – obwohl er in der Vorbereitung und im ersten Pflichtspiel bei Pokal-Gegner Würzburg noch erste Wahl gewesen war. Doch danach verordnete ihm Skripnik eine Pause, „weil er nicht so frisch wirkte. Er sollte erstmal zusehen, wie die Bundesliga tickt.“ Klar, sie tickt schneller und unerbittlicher als die Regionalliga, in der „Maxi“ Werders U23 vergangene Saison zur Meisterschaft geführt hatte. „Natürlich ist das ein anderes Niveau – im Zweikampfverhalten, der Technik und Athletik“, verdeutlicht Eggestein: „Da war mein erstes Bundesliga-Spiel über einen längeren Zeitraum schon intensiver. Und es ist ein Unterschied, ob man vor 50000 Zuschauern spielt oder 1000.“

Trotzdem war er „nicht nervös“, als Skripnik am Freitag die Aufstellung verkündete und er dabei von seinem Einsatz erfuhr: „Anspannung ist bei mir immer da, aber ich habe mir keinen Kopf gemacht, was passiert, wenn ich mal einen Fehler mache.“

Nun hat der 18-Jährige seine Feuertaufe in der ersten Elf eines Erstliga-Teams hinter sich – ein Lernprozess, den der 19-jährige Ulisses Garcia schon gegen Schalke durchlaufen durfte. Auch in Berlin war Skripnik mit dem Linksverteidiger „sehr zufrieden“ – vor allem im Offensivspiel mit seiner feinen Vorlage zum 1:1 als i-Tüpfelchen. Die Defizite waren dem 45-Jährigen allerdings ebensowenig entgangen. „Aber wie er auf seine Fehler reagiert hat und weiter marschiert ist, gefällt mir.“

Bremen holt Remis in Berlin: Die Noten

Sportchef Thomas Eichin war in seiner Beurteilung deutlich forscher, verglich Garcia sogar mit Abdul Rahman Baba. Der 21-Jährige ist gerade vom FC Augsburg zum FC Chelsea gewechselt – für 20 Millionen Euro! „Er war anfangs nicht so weit“, urteilte Eichin über Babas Anfänge 2012 in Fürth. Wenn Werder es nun schaffe, den Schweizer „richtig hinzukriegen, wird er ein Top-Linksverteidiger“, meinte der Manager: „Er ist körperlich stark, mutig im Spiel nach vorn und geht ins Eins gegen Eins.“

Werder bei Hertha - 1:1

Eggestein und Garcia – zwei von den Jüngeren, „mit denen wir bewusst arbeiten. Das ist unser Weg“, unterstreicht Skripnik. Er scheint entschlossen, ihnen die Zeit zum Reifen zu geben: „Wenn sie fehlerfrei wären, wäre das in ihrem Alter Wahnsinn. Dann wären sie vielleicht auch nicht mehr bei uns.“

ck

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