Die erfolgreichen Widerstandskämpfer

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Kongeniales Duo in Augsburg: Trainer Markus Weinzierl (rechts) und Manager Stefan Reuter.

Augsburg - Nein, Stefan Reuter ist keiner für die Maximilianstraße. Dort, wo sich in Augsburg zwischen Rathausplatz und Ulrichsplatz in den zahlreichen Restaurants, Kneipen, Bars und Diskotheken mitunter auch die Fußballer des FCA begegnen, wird man den Manager eher nicht sichten.

Wenn einer Bescheidenheit bei diesem Bundesligisten verkörpert, dann der dreifache Familienvater, der sein „Castle“ noch in München stehen hat. Der Aufschwung des FC Augsburg ist längst eng mit seinem Namen verknüpft. Als der Weltmeister von 1990 vor fast genau einem Jahr hier anheuerte, stand es finster bis fürchterlich um einen traditionsreichen Fußballverein. Neun Punkte hatten die bayrischen Schwaben zur Halbserie 2012/2013 gesammelt – und als Reuter im türkischen Belek während des Wintertrainingslagers erste Interviews gab, klang die Zuversicht noch leiser als seine Stimme.

Doch dann geschah das Wundersame: Der Nachfolger des geschassten Managers Jürgen Rollmann entließ Trainer Markus Weinzierl nicht, sondern stärkte dem Novizen den Rücken. Reuter, schon in seiner ganzer Karriere einer der Braven, Fleißigen und Aufrichtigen, erinnerte mit Weinzierl fortan jeden Tag an den Gemeinsinn. Und siehe da: Klassenkampf war gestern. Im Kalenderjahr 2013 holte der FCA unglaubliche 48 Punkte. 24 in jeder Halbserie. Zum Vergleich: Bei Werder Bremen waren es nur 31.

Dass die Augsburger nun das neue Jahr mit einem respektablen 2:2 bei Borussia Dortmund begannen, passt ins Bild einer verschworenen Gemeinschaft, die bis heute erfolgreich Widerstand leistet. Reuter und Weinzierl, beide mal beim FC Bayern am Ball, bilden das, was auch Klaus Allofs und Thomas Schaaf mal in Bremen waren: ein kongeniales Gespann. Ihr simples Credo: „Wir wollen Augsburg zu einem etablierten Bundesligisten machen.“ Wer den 39-jährigen Trainer oder 47-jährigen Manager fragt, was sie von höhertrabenden Plänen halten, erntet Kopfschütteln. In der Heimat der Puppenkiste wird Bodenständigkeit gelehrt; noch immer begreifen weite Teile des Publikums ein Bundesligaspiel als Geschenk. Und das, obwohl in dieser Saison angesichts der 27 Punkte eher nicht mehr gezittert werden muss und sogar ein Vereinsrekord winkt: Wenn Augsburg heute gegen Werder nicht verliert, ist es das siebte Spiel in Folge ohne Niederlage. Das beeindruckt natürlich auch den Gegner. „Wir sind da sicher nicht der Favorit“, sagt Werders Vizekapitän Aaron Hunt.

Die personellen Voraussetzungen beim FCA sind diesmal jedoch alles andere als gut. Stammkeeper Marwin Hitz und Stürmer Sascha Mölders sind verletzt und fallen definitiv aus. Zudem bangt Augsburg um die Offensivkräfte Halil Altintop (Gehirnerschütterung), Raul Bobadilla (muskuläre Probleme) und Winterzugang Dong-Won Ji (Oberschenkelverletzung). Weinzierl hadert: „Wir waren monatelang verschont. Jetzt kommt es gerade geballt.“ mb

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