Der Aufwärtstrend hat aber auch mit Glück und klugen Entscheidungen zu tun

Skripnik packt die Profis mit seinem Werder-Pathos

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Er kann auch strahlen: Werder-Coach Viktor Skripnik umarmt Sportchef Thomas Eichin nach dem ersehnten Heimsieg.

Bremen - Wird Viktor Skripnik ein großer Werder-Trainer? Nun, der Anfang ist jedenfalls schon mal gemacht. Wie die Bremer Legenden Otto Rehhagel (in seiner zweiten Amtszeit ab 1981) und Thomas Schaaf hat der 44-jährige Ukrainer seine ersten drei Pflichtspiele als Chefcoach gewonnen. Durch das 2:0 gegen den VfB Stuttgart verließ Werder den letzten Platz in der Bundesliga, geht mit zehn Punkten als 16. in die Länderspielpause – und mit einer breiten Brust.

„Die Mannschaft glaubt wieder an sich, tritt als verschworene Einheit auf“, urteilt Sportdirektor Rouven Schröder. Skripnik hat es in kurzer Zeit geschafft, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen – und ein ganz wichtiges verbales Mittel ist dabei das Werder-Pathos, das der neue Mann gerne auch öffentlich versprüht. Wie nach seiner gelungenen Heimpremiere gegen Stuttgart. „Die Spieler sollen das grün-weiße Trikot nicht nur tragen, sie sollen es mit Stolz tragen“ oder „Jeder muss grün-weißes Blut und ein grün-weißes Herz haben“ – Sätze wie diese kommen bei den Fans natürlich perfekt an, doch darum geht es dem langjährigen Werder-Profi Skripnik gar nicht. Er will seine Spieler auf dem Platz leidenschaftlich für den Verein kämpfen sehen – und genau das bläut er ihnen immer wieder ein. Mit ersten Erfolgen. „Bei einigen Jungs habe ich schon diesen Eindruck. Und das freut mich sehr“, sagt Skripnik.

Zlatko Junuzovic könnte dazugehören. Der Österreicher scheint die Vorstellungen des Coaches verinnerlicht zu haben und spricht schon von einem „Werder-Gen“, das Skripniks Trainerteam den Profis „eingepflanzt“ hat: „Sie erinnern uns immer wieder daran, was Werder bedeutet.“

Damit allein ist der Aufschwung jedoch nicht zu erklären. Es kommen weitere, wichtige Faktoren dazu. Zum Beispiel das Selbstvertrauen, das mit jedem Sieg steigt, die Verunsicherung vertreibt und den Mut zurückbringt. Oder das Glück, das Werder bei Stuttgarts vergebenen Großchancen in der ersten Halbzeit und beim Treffer zum 2:0 hatte, als Fin Bartels’ Ball vom rechten Innenpfosten ins Netz prallte. „Bei Robin Dutt wäre der vielleicht nicht reingegangen“, meinte Sportchef Thomas Eichin. Damit traf er es ganz gut. Ex-Coach Dutt konnte am Ende machen, was er wollte – es klappte nichts mehr. Bei seiner Entlassung vor zwei Wochen scheint der 49-Jährige das Pech mitgenommen und seinem Nachfolger dadurch den Weg in eine bessere Zukunft geebnet zu haben. „Wir hatten Glück gegen Stuttgart, das gehört dazu“, findet Skripnik: „Wir nehmen alles mit.“

Der Trainerwechsel hat allerdings auch greifbare, erklärbare Verbesserungen gebracht. Skripnik hat personelle Veränderungen vorgenommen, die sich als Volltreffer erweisen. Kapitän Clemens Fritz blüht im Mittelfeld auf, Alejandro Galvez überzeugt als Innenverteidiger. Zudem legt der neue Trainer extrem hohen Wert auf konzentriertes Verteidigen aller Bremer („Ich war eben früher Abwehrspieler“) und hat seinem Team dieses defensive Denken schnell vermittelt. „Das Mittelfeld macht brutal viele Wege zurück, das erleichtert uns die Arbeit da hinten um einiges“, betont Innenverteidiger Sebastian Prödl und präzisiert: „Wir haben fixe Gegenspieler, können direkt in die Zweikämpfe gehen und wissen, welchen Raum wir zu verteidigen haben. Das ist Gold wert.“ Werder macht weniger individuelle Fehler, steht insgesamt gestaffelter, das Umschalten von Offensive auf Defensive klappt besser. Der Lohn: Zwei Zu-Null-Spiele (in Chemnitz und gegen Stuttgart) in drei Skripnik-Auftritten – unter Dutt gab es immer mindestens einen Gegentreffer, meistens mehr.

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Mit den bisherigen Fortschritten gibt sich bei Werder aber niemand zufrieden. Prödl: „Wir haben uns in den Abstiegskampf zurückgekämpft, mehr nicht. Wir machen deswegen keine Luftsprünge.“ Skripnik sieht noch „Defizite ohne Ende. Wir müssen uns vor allem spielerisch verbessern.“ Knapp zwei Wochen hat er dafür nun Zeit, dann (am 23. November) steigt das heiße Nordderby beim Hamburger SV.

mr

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