Werder-Boss darf keine Spieler holen: „Ich bräuchte grünes Licht, das kriege ich im Moment nicht“

Aufsichtsrat bremst Allofs aus

Ungemütliche Zeiten für Klaus Allofs als Werder-Boss: Der Aufsichtsrat hat ihm den finanziellen Rettungsschirm entzogen. ·

Bremen - Nichts geht mehr – die Transferbemühungen von Werder Bremen stehen still. Dabei erwartet Trainer Thomas Schaaf aufgrund der Verletztenmisere sehnlichst einen weiteren Innenverteidiger.

Klaus Allofs würde dem Coach diesen Wunsch auch gerne in Person von Sokratis Papstathopoulos erfüllen, doch der Vorsitzende der Geschäftsführung hat das zur Verfügung stehende Budget bereits ausgeschöpft und gesteht: „Ich bräuchte grünes Licht vom Aufsichtsrat, das kriege ich aber im Moment nicht.“ Selbst das angestrebte Leihgeschäft ist nicht möglich, denn die Hüter der Werder-Finanzen fordern ganz klar: Allofs muss erst Spieler verkaufen, um neue verpflichten zu können.

Das Problem: Das Interesse an Werder-Profis hält sich nach der vergangenen Katastrophen-Saison in Grenzen. In England wird zwar immer mal wieder Marko Marin bei diversen Clubs gehandelt, doch Allofs stellt klar: „Wir haben für keinen Spieler ein Angebot vorliegen.“ Somit auch nicht für Keeper Tim Wiese, der bei Wolfsburgs Coach Felix Magath ganz oben auf dem Zettel als Ersatz für den schwächelnden Diego Benaglio stehen soll. Bliebe noch Per Mertesacker als möglicher Bremer Jackpot. Aber wer kauft schon einen Spieler, der sich noch in der Reha befindet? Außerdem wäre es ein Treppenwitz, wenn Werder ausgerechnet die wichtigste Stütze seiner Abwehr versilbern würde.

Training am Montag

Werder-Training am Montag

„Rein aus sportlicher Sicht sollten wir unbedingt die Abwehr verstärken“, macht Allofs noch einmal deutlich und fügt vielsagend an: „Der Aufsichtsrat weiß das.“ Aber der stellt sich trotzdem quer. Angeblich, weil das Budget schon durch die drei Neuverpflichtungen Mehmet Ekici (Ablöse: fünf Millionen Euro), Lukas Schmitz (eine Million) und Andreas Wolf (zwar ablösefrei, aber natürlich nicht ohne Gehalt) so weit überzogen sein soll wie noch nie in der Vereinsgeschichte. Aufsichtsratsvorsitzender Willi Lemke will das nicht kommentieren, Allofs sagt dazu: „Es ist doch keine außergewöhnliche Geschichte, wenn man sich mal außerhalb des Budgets bewegt. Das hatten wir damals bei der Verpflichtung von Miroslav Klose doch auch.“ Für den Stürmer des 1. FC Kaiserslautern hatte Allofs 2004 eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro bezahlt – übrigens nach schwierigen Diskussionen mit dem Aufsichtsrat, speziell mit Lemke.

Auch diesmal scheint es zwischen Allofs und Lemke zu knirschen. Öffentlich gibt das niemand zu. Lemke will sich zu den Gesprächen mit der Geschäftsführung, dessen Vorsitzender Allofs ist, nicht äußern. Allofs grundsätzlich auch nicht, aber folgende Aussagen lassen tief blicken: „Es ist die Aufgabe des Aufsichtsrates, solche Entscheidungen zu treffen. Aber man kann beim wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg nicht immer auf der absolut sicheren Seite sein. In der Vergangenheit haben wir das immer gut hinbekommen, aber es passieren eben Dinge, die sind nicht einzukalkulieren.“ Allofs spricht dabei das große Verletzungspech in der Innenverteidigung und die Ungewissheit bei der sportlichen Zukunft von Mertesacker, Sebastian Prödl und Naldo an. „Normalerweise hätten wir doch gar keinen Innenverteidiger verpflichten müssen, dann hätte alles gepasst“, sagt Allofs.

Auch Schaaf hatte auf diese Problematik hingewiesen und nach Wolf eine weitere Verstärkung für die Defensive gefordert – oder eine Korrektur der Saisonziele angemahnt. Von Allofs bekommt der Coach volle Zustimmung, von Lemke nur bedingt: „Unser Ziel muss bleiben, an den internationalen Rängen dranzubleiben. Thomas Schaaf darf sich um die sportliche Situation Sorgen machen, gerade nach den vielen Verletzungen. Aber er muss auch Verständnis dafür haben, dass der Geschäftsführung in Absprache mit dem Aufsichtsrat nur ein gewisses Budget zur Verfügung steht – das hat Thomas auch, davon bin ich überzeugt, er kennt unsere finanzielle Situation sehr gut.“

Demnach müsste Schaaf auch wissen, wo die vielen Millionen aus den fetten Champions-League-Jahren geblieben sind. Diese Frage taucht gerade in diesen Tagen immer wieder auf. Allofs verweist, wie schon in der Vergangenheit, auf die den sportlichen Erfolgen angepasste Gehaltsstruktur im Team. Er gibt aber auch zu, was viele schon lange vermutet haben: „Natürlich ist an der einen oder anderen Stelle Geld in den Umbau des Stadions geflossen. Aber das hat keinen Einfluss darauf, ob wir einen Spieler verpflichten können oder nicht.“

Es gibt auch andere Stimmen. So soll die Kostenexplosion beim Umbau Werder mächtig zu schaffen machen. Aus den veranschlagten 60 Millionen Euro wurden 76 – für die Differenz muss der Club als Miteigentümer und Hauptnutzer des Weserstadions angeblich komplett bürgen. Dadurch seien Großeinnahmen der Vergangenheit nicht verfügbar, heißt es. Ob sie es jemals wieder werden, ist offen und davon abhängig, ob Werder erfolgreich und damit das Stadion auch in Zukunft voll bleibt. Nur so können die Kredite ordentlich bedient werden. Die aktuelle Abwehr ist da keine gute Sicherheit. · kni

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