Aufregung unter der Latte

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Erst zur Nummer drei degradiert, jetzt doch im Tor des 1. FC Nürnberg: Alexander Stephan

Nürnberg - Noch immer ist Heinrich Stuhlfauth beim 1. FC Nürnberg allgegenwärtig. Direkt am Trainingszentrum in den nach dem legendären Torhüter benannten Stuhlfauth-Stuben, wo die Rentner sich über die Geschehnisse beim „Club“ austauschen, wimmelt es von Schwarz-Weiß-Aufnahmen eines Ausnahmekönners der Vorkriegszeit, dessen Schiebermütze als markantes Erkennungszeichen diente.

Der 1966 verstorbene Schlussmann, der bis 1930 immerhin 21 Länderspiele bestritt und fünfmal deutscher Meister wurde, galt als erster mitspielender Tormann seiner Zeit, und seine Verbundenheit zum Heimatverein erreichte Kultstatus mit dem Zitat, es sei „eine Ehre für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen“.

Noch heute, wenn das Vereinslied „Die Legende lebt“ über die Lautsprecher dröhnt, wird am Ende dieses Bekenntnis verlesen; auf der Homepage des Traditionsclubs steht der Spruch ganz oben auf der Leiste. Stuhlfauth hat die Basis dafür gelegt, dass von einem „Club“-Keeper immer Besonderes erwartet wird; der heutige Bundestorwarttrainer und Wahl-Nürnberger Andreas Köpke kann davon erzählen. Insofern ist es schon ein Kuriosum, dass sich auf dieser Position zuletzt fast im Wochenrhythmus kleine Dramen abgespielt haben.

Nur zwei Partien bestritt Kapitän Raphael Schäfer, da fiel der 32-jährige Routinier mit einer langwierigen Sehnenverletzung aus. Für Aufsehen sorgte an seiner Stelle der aus der tschechischen Torwartschule stammende, aber mit einem deutschen Pass versehene Patrick Rakovsky, der sich nach tadellosen Leistungen in Dortmund und gegen Augsburg just vor dem Köln-Spiel den Zeigefinger der linken Hand brach. Für das 18-jährige Talent rückte sodann vergangenen Sonntag Alexander Stephan zwischen die Pfosten, was deshalb ungewöhnlich ist, weil Trainer Dieter Hecking ihn nach der Vorbereitung zur Nummer drei degradiert hatte. „Er hat einen Denkzettel bekommen, verstanden und das Vertrauen gerechtfertigt“, konstatierte Hecking nun nach dem 2:1 beim 1. FC Köln, und der „Club“-Coach denkt auch nicht daran, dem Nothelfer Stephan im Heimspiel gegen Werder Bremen das Vertrauen wieder zu entziehen. Die unter der Woche getätigte Verpflichtung von Carsten Nulle, 36, bei Carl Zeiss Jena beurlaubt, diene nur dazu, um „einen Trainingstorhüter“ zu haben, wie es heißt. Hintergrund ist, dass der nächste Nürnberger Ballfänger, der erst 18-jährige Benjamin Uphoff, noch zur Schule geht und nicht jeden Tag zu den Übungseinheiten erscheinen kann.

Die Kardinalfrage für den Herbst lautet, ob Stephan, der am Donnerstag seinen 25. Geburtstag feierte, wirklich wochenlang erstklassige Leistungen bringen kann. „Wir fangen da keine Diskussionen an“, erklärt Sportvorstand Martin Bader. Die Spieler machen die Debatte auch nicht mit. „Die Abläufe bei uns bleiben die gleichen, auch wenn der Torwart wechselt“, erläutert Javier Pinola. Einen „guten, ruhigen Torwart“ nennt der dienstälteste Verteidiger die Nummer eins auf Zeit, „wir reden viel mit Alexander, und er hat uns gezeigt, dass wir uns auf ihn verlassen können.“

Derlei Unterstützung genießt die Nummer 30 auch bei den Fans, schließlich ist der gebürtige Erlanger tief im Frankenland verwurzelt und spielt seit dem zehnten Lebensjahr beim 1. FC Nürnberg. Die heutige Partie wird indes erst das achte Bundesligaspiel für den 1,89-Meter-Mann sein, der eines schon weiß: Den Stellenwert eines Heinrich Stuhlfauth wird er bei aller Verbundenheit zu diesem Verein nicht mehr erreichen. mab

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