Clemens Fritz zur Stimmungslage bei Werder – und zu den Problemen von Teamkollege Mesut Özil

„Auf Späße wird verzichtet“

Clemens Fritz kann’s auch nicht fassen, dass Werder so abgestürzt ist.

Von Björn Knips · Wirklich begeistert sieht Clemens Fritz nicht aus. „Es gibt gewiss bessere Zeiten für ein Interview“, gesteht der Werder-Profi bei der Begrüßung und schiebt noch mit einem gequälten Lächeln an:

„Hätten wir nicht Anfang Dezember sprechen können?“ Damals waren die Bremer in der Bundesliga noch obenauf. Dann folgte der Absturz. Aber Fritz will sich nicht verstecken, stellt sich zum Gespräch – und der 29-Jährige gibt einen Einblick, wie die Stimmung im Team ist.

?Was fällt Ihnen zu den Zahlen 13, 10 und 6 ein?

!(grübelt lange) 13.10.06 – war da etwas Besonderes?

?Vielleicht – aber gemeint ist Werders Punkteabstand in der Bundesliga zu Spitzenreiter Leverkusen, den Champions-League- und den Europa-League-Plätzen.

!Oh ja – das ist eindeutig zu viel. Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden. Wir haben momentan wirklich einige Probleme. Wenn man mal die Winterpause wegnimmt, dann haben wir uns in vier Wochen das eingerissen, was wir uns in den vier Monaten davor aufgebaut haben. In der Hinrunde wurden wir oft für unsere spielerische Klasse gelobt. Aber darauf dürfen wir uns nicht verlassen. Entscheidend ist, in die Zweikämpfe zu gehen, aggressiv zu sein, Räume zuzumachen, sich untereinander zu helfen. Da müssen wir wieder hinkommen.

?Das ist ja alles nicht neu und wurde schon nach den Pleiten zum Ende der Rückrunde gegen Schalke und in Hamburg vom Trainer und vom Sportchef angemahnt. Hat die Mannschaft nicht richtig zugehört?

!Doch, aber es ist nicht so einfach, wie es manchmal klingt. Wenn‘s nicht gut läuft, dann fallen die Wege schwerer, dann klappt dies und das nicht. So verliert man auch die Leichtigkeit, die uns lange Zeit ausgezeichnet hat.

?Wie wirkt sich die sportliche Krise auf die Stimmung in der Kabine aus?

!Es ist doch klar, dass jetzt nicht der Spaß im Vordergrund steht. Wir müssen hart und konzentriert arbeiten. Das haben wir vergangene Woche schon gemacht, und das setzt sich jetzt fort. Wir wissen doch, dass wir hier für den Verein in der Verantwortung stehen.

?Heißt es jetzt beim Training „Lachen verboten“?

!Ganz so schlimm ist es nicht. Wir sitzen jetzt nicht in der Kabine und sind taubstumm. Aber auf Späße wird im Moment schon verzichtet, weil jeder weiß, wie ernst die Situation ist.

?Spricht man darüber, was es bedeuten würde, wenn Werder in der nächsten Saison international nicht mehr dabei wäre?

!Nein. Jeder weiß doch, dass das für Werder wirtschaftlich sicher keine einfache Situation wäre. Unsere Aufgabe ist es, das zu verhindern.

?Es wird bereits gemutmaßt, dass einige Leistungsträger nicht mehr zu halten sind, wenn Werder international außen vor wäre. Ist es naiv zu fordern, dass dann auch mal die Spieler in der Pflicht stünden, für weniger Geld zu spielen und dem Verein zu helfen?

!Das ist schwierig zu sagen. Natürlich sind wir dafür verantwortlich, wenn es nicht klappen sollte. Aber damit sollten wir uns jetzt gar nicht beschäftigen, sondern uns auf unsere Arbeit konzentrieren.

?Wie reagieren die Menschen in Bremen? Wird Ihnen Werders Absturz beim Stadtbummel vorgeworfen?

!(lacht) Ich war schon seit Wochen nicht mehr in der Stadt unterwegs, weil mir das momentan viel zu kalt ist. Im Ernst: Seitdem ich in Bremen bin, habe ich noch nichts Schlimmes erlebt. Natürlich wird man auf die Situation angesprochen, aber dann gibt’s fast immer aufbauende Worte.

?Werden die beiden Pokal-Wettbewerbe auch diesmal wieder zum Rettungsanker?

!Darauf sollte man sich auf keinen Fall verlassen. Wir müssen weiter an unsere Chance in der Bundesliga glauben.

?Welche Chance ist denn noch realistisch?

!Erst einmal sollten wir den Rückstand zu den Europa-League-Plätzen verkürzen – und dafür müssen wir am Samstag in Gladbach gewinnen. Dann sehen wir weiter.

?Schauen Sie ein bisschen neidisch auf die Konkurrenz, die in der Winterpause personell nachgelegt hat? Der Hamburger SV hat sogar Superstar Ruud van Nistelrooy geholt – und Werder?

!Transferpolitik gehört ganz gewiss nicht zu meinem Aufgabengebiet. Natürlich ist van Nistelrooy ein großer Name, er hat überall seine Tore gemacht, war aber auch viel verletzt. Aber zurück zu Werder: Wenn wir alle Spieler an Bord haben, sind wir auch eine gute Mannschaft.

?Wirklich? Wurde nicht vielleicht auch der Weggang von Diego unterschätzt? Mesut Özil hat ihn zwar in der Hinrunde im Zusammenspiel mit Aaron Hunt und Marko Marin gut ersetzt, doch davon ist seit vier Spielen nichts mehr zu sehen.

!Mesut ist ein junger Spieler. Auf ihn ist viel eingeprasselt. Er hatte im Sommer wegen der U 21-EM kaum Urlaub. Dann ist er zwar richtig gut eingeschlagen, aber dann kommt eben mal so eine Phase, in der es nicht so gut läuft. Dann macht man sich Gedanken, verliert die Leichtigkeit. Und gleichzeitig kommt die Sache mit seiner Vertragsverlängerung. Aber es liegt ganz bestimmt nicht nur an Mesut, sondern an uns allen, dass es nicht läuft. Deshalb müssen wir uns alle gegenseitig helfen und jetzt vor allem eines beherzigen: Erst die Zweikämpfe gewinnen, dann schön spielen.

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