„Auch die Bayern sind schlagbar“

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Aaron Hunt über seinen Formanstieg, seinen Charakter, Werders Stärke – und den Tabellenführer

Bremen - Von Malte Rehnert. Aaron Hunt hält Wort. Kurz nach dem Ende der vergangenen, völlig verkorksten Saison hatte Werders Mittelfeldmann angekündigt, wieder deutlich besser spielen zu wollen. Und das gelingt ihm momentan in beachtlicher Weise. Warum er plötzlich so überzeugt, was er verändert hat und ob er ein Dickkopf ist, verrät der gut gelaunte 25-Jährige im Interview.

Ihre schlechteste Note in dieser Zeitung war bisher eine 4, zuletzt gab’s sogar drei Mal die 2,5 – das ist viel besser als in der Vorsaison. Welchen Schalter haben Sie umgelegt?

Aaron Hunt:Die Mannschaft hat insgesamt den Schalter umgelegt – und davon profitiere auch ich. Bei jedem einzelnen läuft’s besser. So kann es weitergehen.

Warum werden Sie immer besser?

Hunt:Ich habe mehr Selbstvertrauen, die anderen ebenso – das hat man auch daran gesehen, dass wir gegen Hertha in letzter Sekunde das Siegtor gemacht haben. Wir sind seit dem ersten Bundesliga-Spiel voll da. Jeder hat mehr Spaß jetzt, das sieht man auch im Training. Da ist immer eine Begeisterung da. In dieser Saison ist es aber auch nicht ganz so schwer, in die richtige Form zu kommen. In der letzten war es ein Drunter und Drüber, es hat irgendwie alles nicht funktioniert. Da war es für jeden einzelnen schwer.

Was haben Sie verändert?

Hunt:Ich spiele jetzt noch mehr für die Mannschaft. Ich mache viele Wege zurück, was Kraft kostet, die dann manchmal vorne fehlt. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Spielen noch ein bisschen mehr Torgefahr entwickeln kann. Mir war klar, dass nicht alles auf einmal kommt. Und mir war auch klar, dass ich mich aus dem Loch, in dem ich letzte Saison steckte, befreien muss. Ich bin auf einem guten Weg.

Sie gehören immer zu Werders laufstärksten Spielern: Sind Sie auch fitter?

Hunt:Wir sind erst am Anfang der Saison. Da ist es normal, dass man frischer ist. Wir haben nicht so eine hohe Belastung, weil wir international nicht spielen. Deshalb können wir uns auf das eine Spiel am Wochenende gut vorbereiten. Man sieht, dass gerade die Mittelfeldspieler sehr viel unterwegs sind. Wir versuchen, hinten die Löcher zu stopfen und uns vorne mit einzuschalten.

Das Mittelfeld wirkt ziemlich gut eingespielt.

Hunt:Ja, das stimmt. Wir ergänzen uns gut, suchen und finden uns immer mehr. Das geht nur, weil wir alle in Bewegung sind und jeder den Ball fordert.

Ist die Raute das beste System für Werder?

Hunt:Im Moment ganz klar. Wenn man so spielt wie wir, kann man sagen, dass das System funktioniert. Wir können aber ohne Probleme auch ein anderes spielen, zum Beispiel mit zwei Sechsern oder mit einem Stürmer.

Vergangene Saison war Torsten Frings auf der „Sechs“ gesetzt. Der Kapitän hatte das Sagen, war auch abseits des Platzes der Anführer. Nun ist er in Kanada – und die Hierarchie deutlich flacher. Kommt Ihnen das zu Gute?

Hunt:Torsten war immer einer, der seine Meinung vertreten hat – und das ist auch nicht verkehrt. Es wäre kein Problem, wenn er noch in der Mannschaft wäre. Wir haben mit Torsten viele erfolgreiche Saisons gehabt. Jetzt ist er eben weg und die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt. Das haben wir bis jetzt ganz gut aufgefangen.

Spüren Sie selbst auch mehr Verantwortung?

Hunt:Natürlich. Gerade die Positionen um die Sechs sind wichtig. Jetzt alles auf Philipp Bargfrede zu schieben, wäre zu viel für ihn. Jetzt ist Clemens Fritz noch im Mittelfeld dabei, dazu Marko Marin oder Mehmet Ekici. Wir lösen das zu Viert ganz gut, da ist keiner auf sich alleine gestellt.

Sie haben gegen Freiburg Werders einzigen Elfmeter der Saison geschossen und kurz vor Schluss zum wichtigen 4:3 verwandelt. Ist das auch ein Zeichen, dass Sie vorangehen?

Hunt:Das kann man so sehen. Ich bringe mich auf jeden Fall mehr ein.

Hat Trainer Thomas Schaaf das von Ihnen eingefordert, Sie in die Pflicht genommen?

Hunt:Ja, das hat er – mit Klaus Allofs zusammen. Das war gegen Ende der letzten Saison. Sie haben gesagt, dass sie mehr von mir erwarten. Dieser Meinung war ich auch. Mein Vorsatz für diese Saison war, dass ich zuallererst besser spielen muss. Aber auch, dass ich mich mehr für die Mannschaft einbringe.

Ihr Trainer sagt, dass Sie sich gerne reiben. Sind Sie ein Dickkopf?

Hunt:Das nicht. Aber natürlich sage ich auch mal meine Meinung. Ich bin jetzt lange genug dabei. In dieser Saison gab es noch nicht viel, über das man sich den Kopf zerbrechen müsste. Aber es werden auch Zeiten kommen, in denen es nicht so rund läuft.

So wie in der vergangenen Saison. Da hat Thomas Schaaf auch öffentlich Ihre Körpersprache kritisiert.

Hunt:Ich weiß, was der Trainer damit meinte und habe mir Gedanken darüber gemacht. Es sieht jetzt schon ganz anders, viel besser aus. Ich arbeite aber weiter daran und versuche, mich zu verbessern.

Und wie?

Hunt:Wenn mal ein Fehler passiert ist, verstecke ich mich nicht, sondern fordere trotzdem den Ball. Ich stecke den Kopf nicht so schnell in den Sand, will verlorene Bälle gleich wiederholen.

Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Image?

Hunt:Nicht wichtig. Wichtig ist, wie wir als Mannschaft funktionieren. Die Mannschaft und der Trainer wissen, was ich für ein Charakter bin.

Und: Was sind Sie für ein Charakter?

Hunt:Ich bin sehr ehrlich, direkt – und nett und höflich (lacht).

Also nicht schwierig?

Hunt:Nein, ich würde mich überhaupt nicht als schwierig bezeichnen.

Bei den Fans hatten Sie in der vergangenen Saison trotzdem einen besonders schweren Stand. Sogar im Weserstadion gab’s immer wieder Pfiffe. Wie sehr hat Sie das getroffen?

Hunt:Es war eine schwierige Situation, aber das habe ich abgehakt. Ich versuche, der Mannschaft zu helfen. Das ist das, was zählt.

Inzwischen bekommen Sie Applaus.

Hunt:Im Moment kann man erkennen, dass die Fans die besseren Leistungen anerkennen – deshalb gibt es auch keine Pfiffe.

Wie empfinden Sie die Stimmung im Weserstadion?

Hunt:Sie ist deutlich positiver als in der letzten Saison. Es ist eine gewisse Euphorie da, das merken auch wir Spieler auf dem Platz. Wir hatten einen guten Start, haben alle Spiele gewonnen. Die Fans erkennen an, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die richtig marschiert. Damit können sie sich identifizieren.

Wie stark ist Werder?

Hunt:Es ist noch zu früh zu sagen, dass wir jetzt der Bayern-Jäger Nummer eins sind. Es werden noch einige Mannschaften ranrücken. Wir sollten noch fünf, sechs Spiele abwarten. Und wenn wir dann immer noch oben stehen, kann man übers internationale Geschäft reden.

Der FC Bayern rauscht durch die Bundesliga, glänzt auch in der Champions League – wie gerade beim 2:0 gegen Manchester City. Kann man die Münchner überhaupt stoppen?

Hunt:Natürlich. Man hat vor allem in der ersten halben Stunde gesehen, dass sie ihre Schwächen haben und verwundbar sind. ManCity hat aufgehört zu spielen und das Tempo verloren Die Bayern machen es dann gut, ganz souverän. Sie haben im Moment den Lauf, dass den Stürmern die Bälle vor die Füße fallen. Wenn sie führen, haben sie den Gegner gut im Griff und lassen ihn laufen. Aber auch sie sind schlagbar.

Wovon träumen Sie als Fußballer?

Hunt:Ich will irgendwann mal mit Werder Meister werden. Das ist das Ziel Nummer eins.

Gelingt das schon in dieser Saison?

Hunt:Wie gesagt, wir sollten jetzt erst mal abwarten, wie es weitergeht.

Sie sind seit 2001 bei Werder. Wann wechseln Sie mal?

Hunt:Ich habe noch drei Jahre Vertrag. Eine lange Zeit, deshalb mache ich mir keine Gedanken. Ich sehe momentan keinen Grund, woanders hinzugehen.

Lebenslang Grün-Weiß?

Hunt:Ach, ich bin doch erst 25 Jahre alt. Da ist es noch viel zu früh, von lebenslänglich zu sprechen.

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