Assani Lukimya staunt über Werders Aufschwung

„Es ist ein kleines Wunder“

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Assani Lukimya hat gut lachen. Werders Innenverteidiger (Mitte, hier nach seinem Tor gegen Augsburg beim Jubel mit Theodor Gebre Selassie) fühlt sich in der Form seines Lebens, staunt über seine Rolle als Vorbereiter und will endlich mal international spielen – für Bremen.

Bremen - Ein Mann auf dem Zenit? Assani Lukimya, der athletische Kraftprotz aus der Bremer Innenverteidigung, sagt über sich selbst, dass er aktuell in der Form seines Lebens ist. Und das könnte ihm helfen, etwas zu erreichen, was ihm noch völlig unbekannt ist: das internationale Geschäft. Noch nie hat der 29-Jährige europäisch gespielt. Jetzt, da sich mit dem SV Werder die Chance bietet, will er sie auch ergreifen. Wenn es nicht gelingt, sei das aber „auch kein Weltuntergang“, sagt Lukimya.

Werder klopft drei Spieltage vor Schluss an die Tür zum europäischen Geschäft. Wie fühlt sich das für Sie an?

Assani Lukimya: Das Gefühl ist auf jeden Fall neu für mich, ich hatte so eine Situation noch nicht in meiner Karriere.

Wie geht die Mannschaft in den Endspurt?

Lukimya: Erstmal ist es eine Riesensache, dass wir so schnell den Klassenerhalt geschafft haben. Da ist im Moment einfach viel Freude. Wir können jetzt befreit aufspielen und müssen nicht – wie in der Vergangenheit – mit Angst antreten. Jetzt werden wir in den letzten drei Spielen alles investieren, damit es am Ende auch mit der Europa League klappt. Das wäre ein großes Dankeschön an unsere Fans, die immer zu uns gehalten haben. Es für sie zu schaffen, wäre großartig.

Ist es schwer, bis zum letzten Spiel die Motivation hochzuhalten, wenn das eigentliche Saisonziel schon erreicht ist und der Weg dahin viel Kraft – körperliche wie mentale – gekostet hat?

Lukimya: Die momentane Situation ist ein bisschen wie früher, wenn man seine Freunde angerufen hat und gesagt hat: Komm, lass uns Fußball spielen! Da musste man niemanden großartig motivieren. So ist es jetzt auch. Jeder bei uns hat Bock, Fußball zu spielen, und die Vorfreude auf das nächste Spiel ist riesig.

Freude statt Druck – ist das möglicherweise ein Plus gegenüber jenen Teams, für die das europäische Geschäft nicht Bonus, sondern Pflicht ist?

Lukimya: Auf jeden Fall. Schalke 04 zum Beispiel steht extrem unter Druck. Die müssen es schaffen. Bei uns gilt: Wenn es hinhaut mit der Europa League, ist es super. Wenn nicht, ist es auch kein Weltuntergang.

Kein Frust im Falle des Falles?

Lukimya: Man könnte sich schon ärgern. Doch die Freude, nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt zu haben, würde überwiegen. Wenn man zurückblickt und sich anschaut, wie die Saison für uns begonnen hat, kann man nur froh sein über die Entwicklung.

Vom 18. Platz in die Eingangshalle der Europa League – staunen Sie manchmal noch darüber?

Lukimya: Auf jeden Fall. Es ist ein kleines Wunder, das wir das geschafft haben. Ich weiß auch noch ganz genau, was die ganzen Experten vor der Saison über uns gesagt haben.

Was denn?

Lukimya: Dass wir keine guten Spieler haben, dass wir keine Klasse haben – eigentlich hatten wir ja nichts. Das hat uns schon ein bisschen runtergezogen. So etwas erzeugt eine Negativstimmung. Aber jetzt haben wir gezeigt, dass die Mannschaft die Qualität für Größeres besitzt.

Egal, ob Werder die Europa League in dieser Saison erreicht oder nicht, wächst die Erwartungshaltung für die kommende Saison. Wird das internationale Geschäft da nicht zwangsläufig zum Ziel?

Lukimya: Das würde ich nicht sagen. Ich kann auch nur davor warnen. Denn wir haben schon viele Vereine gesehen, denen es nicht gut bekommen ist, sich zu hohe Ziele gesteckt zu haben. Unser Ziel bleibt deshalb auch im nächsten Jahr ein einstelliger Tabellenplatz. Wenn dabei dann die Europa League heraus kommt – auch gut.

Heute wartet in Hannover 96 wieder ein Gegner, der ums Überleben in der Liga kämpft. Werder hat in den vergangenen Wochen gegen die Kellerteams des VfB Stuttgart, Hamburger SV und SC Paderborn nur vier Punkte eingefahren. Was sagt das für die Partie beim Vorletzten heute aus?

Lukimya: Wir haben unsere Erfahrungen gemacht, das wird uns gegen Hannover helfen. Die Spiele gegen Mannschaften auf den Abstiegsplätzen sind eben sehr schwierig. Für diese Teams geht es in jedem Spiel um alles. Wir dagegen können zwar befreit aufspielen, müssen aber auch kämpfen, als würden wir selber noch im Abstiegskampf stecken. Wenn wir das verpassen, haben wir keine Chance.

Nach Hannover geht es noch gegen Gladbach (zu Hause) und Dortmund (auswärts). Echte Brocken auf dem Weg in den europäischen Wettbewerb.

Lukimya: Wir trauen uns zu, in Hannover zu gewinnen. Und zu Hause ist immer etwas möglich. Was am Ende dabei herauskommt, muss man abwarten.

Ein nicht versiegender Quell der Spannung ist in dieser Saison auch die Frage, wer bei Werder in der Innenverteidigung spielen wird.

Lukimya (lacht): Das stimmt. Es ist schon unglaublich, dass ständig gewechselt werden muss und jeder Innenverteidiger schon fast 20 Spiele gemacht hat.

Mal Startelf, mal verletzt, mal Bank. Erst dieser Partner, dann jener. Werder hat in dieser Saison schon neun verschiedene Innenverteidiger-Duos (siehe Übersicht) aufs Feld geschickt. Wie gehen Sie damit um?

Lukimya: Es sind ja immer besondere Situationen, die zu den Wechseln führen. Verletzungen, Sperren – aber nie, weil einer seine Leistung nicht gebracht hat. Es ist zwar blöd, wenn man nach einer Verletzung auf der Bank sitzt, obwohl man vorher Stammkraft war. Aber wir wissen, dass die Leistungsdichte in der Innenverteidigung hoch und der Konkurrenzkampf enorm groß ist. Wer da nicht Gas gibt, ist raus. Aber wir können alle gut damit umgehen.

Wo sehen Sie sich in diesem vierblättrigen Kleeblatt mit Jannik Vestergaard, Sebastian Prödl und Alejandro Galvez?

Lukimya: Ich sehe mich als Stammspieler und gleichauf mit den anderen. Ich habe mich in jetzt drei Jahren bei Werder immer mehr gesteigert und bin jetzt an einem Punkt, an dem ich sage: Ich fühle mich top, bin in Bestform. Mein Anspruch ist es, in jedem Spiel in der Anfangsformation zu stehen.

Gegen Frankfurt und Paderborn haben Sie sogar zweimal hintereinander als Tor-Vorbereiter geglänzt…

Lukimya (lacht): …und das hat es wirklich noch nie gegeben. Die Serie kann gerne noch ein bisschen anhalten.

csa

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