Erst ein Doppelpack von Pizarro, dann schaltet Werder ab – nur 2:2 bei Austria Wien

Arroganz gewinnt keine Spiele

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Werder musste gestern Abend in Wien leiden – so wie Naldo im Laufduell mit Joachim Standfest. Die Bremer verspielten eine 2:0-Führung, bleiben in der Europa League nach dem 2:2 aber klar auf Kurs Richtung K.o.-Runde.

Wien · Die Serie hat gehalten – doch das war dann auch schon alles, was Werder Bremen gestern an guten Nachrichten mit nach Hause brachte.

Durch das 2:2 (0:1) bei Austria Wien blieb der Bundesligist zwar im 14. Spiel in Folge ungeschlagen, einen Orden für herausragende Leistungen verdienten sich die Bremer im dritten Spiel der Europa-League-Gruppenphase aber nicht. Wie schon zum Auftakt bei Nacional Funchal verspielte der deutsche Pokalsieger eine 2:0-Führung.

Die Noten zum Spiel

Özil und Hunt ohne die nötige Kreativität

Auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira war es noch gutgegangen. Werder siegte damals durch ein Last-Minute-Tor von Claudio Pizarro mit 3:2. Der Peruaner leistete auch in Wien seinen Beitrag zu einem erfolgreichen Abend. Zunächst traf er nach einem Freistoß von Mesut Özil per Kopf zur Führung (19.), dann baute er selbige aus. Einen Blackout von Austrias Abwehr-Senior Jacek Bak (schon 36 Jahre alt) nutzte er clever zum 2:0 aus Bremer Sicht (63.). Es waren – nach einem 0:2 bei der Austria 1989 und einem 0:4 beim SV Pasching 2003 – die ersten Tore, die Werder in einem Europacup-Match auf österreichischem Boden gelangen. Es waren auch Pizarros Saisontore elf und zwölf.

Es waren aber nicht die Treffer, die der Austria den K.o. versetzten. Mit einer Willenskraft, die verstehen lässt, warum die Wiener seit dem 2. November 2008 im eigenen Stadion ungeschlagen sind, kämpfte sich der Gegner zum 2:2. Emin Sulimani mit einem Distanzschuss (73.) und ein Brasilianer namens Schumacher (nennt sich nach der deutschen Torwart-Legende Toni Schumacher) raubten Werder vor 11 000 Zuschauern im Franz-Horr-Stadion noch den Sieg.

Der Ausgleich in der 87. Minute – er begeisterte Austria-Coach Karl Daxbacher („Wille, Mut und Enthusiasmus meiner Mannschaft haben mich beeindruckt“) gleichermaßen, wie er den Bremern die Laune verhagelte. Statt den maximal möglichen neun Punkten sind nun nur sieben auf dem Konto. Werder bleibt zwar an der Spitze der Gruppe L, doch spitze war gestern nur die Überheblichkeit nach den Pizarro-Toren. „Ich dachte, dass wir schon weiter wären. Aber das Lob der letzten Wochen hat einigen Spielern nicht gut getan, das hat man heute gemerkt“, schimpfte Sportdirektor Klaus Allofs mit Zornesfalten auf der Stirn und attestierte seinem Team eine verhängnisvolle Nähe zur Arroganz. Die hatte auch Torwart Tim Wiese ausgemacht. „Nach dem 2:0 haben wir aufgehört Fußball zu spielen. Nur noch Hacke, Spitze, eins, zwei, drei – so geht das nicht“, zürnte der Schlussmann und wunderte sich, „warum wir diesmal nicht bis zum Ende gekämpft haben“.

Allerdings hatte sich der Schlendrian schon während der ersten Halbzeit eingeschlichen. Mesut Özil (34.) und Aaron Hunt (36.) standen frei vor dem Tor, schlossen aber jeweils zu lässig ab. Per Mertesacker machte zwar alles richtig, traf mit seinem Kopfball aber nur den Pfosten (36.). Karl Daxbacher analysierte später, dass es „ein Debakel für uns hätte geben können, wenn Werder die Konter besser ausgespielt hätte“. Gut beobachtet.

Ganz genau hingeschaut hatte auch Schiedsrichter Paolo Tagliavento in Minute 55. Als Torsten Frings gegen Florian Klein grätschte, landete der Ball bei Zlatko Junuzovic, der zum 1:1 einschob. Dachte er jedenfalls. Junuzovic stand aber im Abseits – daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der Ball vom Gegner kam. Denn das Regelwerk besagt, dass es ein Pass (zum Gegner) sein muss, der das Abseits aufhebt. Nicht eine Abwehraktion. Wer das wusste, darf sich Regelfuchs nennen. Frings hatte den Durchblick. „Völlig richtig entschieden“, lobte er den Referee aus Italien: „Das war ein Pressschlag. Wenn ich den Ball normal hätte spielen können, hätte ich ihn auf die Tribüne gedroschen.“

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