Werder präsentiert einen Triple-Gewinner als ersten Neuzugang für die kommende Saison

Arnautovic unterschreibt bis 2014

Wie das so ist: Nach einem Vertragsabschluss wird viel gelacht. Marko Arnautovic (li.) und Klaus Allofs freuen sich auf die Zusammenarbeit.

Bremen - Von Carsten Sander · Werder Bremen hat seit gestern einen Champions-League-Sieger! Naja, keinen waschechten zugegeben. Aber immerhin einen, der sich als solcher bezeichnen darf.

Vor zwei Wochen hielt Marko Arnautovic die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfußball in den Händen, gestern unterschrieb er an der Weser einen Vierjahresvertrag. Der junge Österreicher, in der vergangenen Saison vom niederländischen Meister Twente Enschede an den italienischen Triple-Sieger Inter Mailand ausgeliehen, soll die Bremer Offensive weiter verstärken. Werder zahlt für ihn geschätzte sieben Millionen Euro Ablöse an Twente, wo der 21 Jährige noch bis 2011 unter Vertrag stand.

Ob Marko Arnautovic das Geld wert ist? Diese Frage hätten die Verantwortlichen des FC Chelsea und von Inter Mailand vor etwas mehr als einem Jahr mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Beide wollten Arnautovic damals haben, bei Chelsea war er zum Probetraining. Doch eine Stressfraktur im Mittelfuß verhinderte einen Transfer. Inter nahm ihn trotzdem – auf Leihbasis und mit einer Option. Die besagte: Macht Arnautovic, in Wien aufgewachsener Sohn einer Österreicherin und eines Serben, mehr als zehn Spiele, bekommt er einen langfristigen Vertrag. Er kam jedoch nur auf drei Einsätze, Inter griff nicht zu. Aber Werder.

„Ich bin froh, dass es mit Inter so gelaufen ist“, grinste Klaus Allofs, der den ersten Neuzugang der Sommerpause nach erfolgtem Medizincheck gestern vorstellte. Obwohl Arnautovic nicht der von vielen Fans erhoffte und geforderte Stürmer mit Erfahrung und nachgewiesener Torgarantie ist, glaubt der Bremer Clubchef an einen Transfer-Coup: „Wir sind sehr, sehr froh, dass Marko zu uns kommt. Er passt absolut in unser Profil.“ Soll heißen: Jung, talentiert, hungrig. Weitere Vorzüge? Allofs zählte auf: Beidfüßig sei Ar-nautovic, mit 1,92 m Körpergröße auch kopfballstark. Und trickreich. Torgefährlich sowieso. „Ich will ihn nicht zu sehr loben“, meinte der Geschäftsführer schließlich, „aber wir haben schon große Hoffnungen in ihn. Er ist ein Spieler, der Spiele entscheiden kann.“

Auch Andreas Herzog, ehemaliger Werder-Star und wie Arautovic einer mit Wiener Schmäh, ist voll des Lobes für den Angreifer. Unter Herzog spielt Arnautovic in Österreichs U 21, und sein Trainer hat entdeckt: „In Europa gibt es in seinem Jahrgang keine fünf Spieler, die sein Potenzial besitzen. Marko hat einen fantastischen Schuss und kann auch bei hohem Tempo extrem gut dribbeln. Er hat alles, was ein guter Stürmer braucht.“

In Mailand konnte Arnautovic („Inter war ein Fehler“) das aber nicht unter Beweis stellen. Startrainer Jose Mourinho gönnte ihm nur drei Kurzauftritte, in der Champions League setzte er ihn gar nicht ein. Was den Neu-Bremer aber nicht daran hinderte, nach dem Finalsieg über Bayern München in erster Reihe mitzujubeln.

Bei Werder will er es wieder tun. „Ich komme nach Bremen, um Titel zu holen“, sagt der Stürmer, der sich selbst als Offensiv-Allrounder beschreibt: „Vorne rechts, vorne links, in der Spitze, hinter den Spitzen – ich kann überall spielen.“

Eine Aussage, die dazu passt, was über Marko Arnautovic in österreichischen Medien zu lesen. Sein Selbstbewusstsein sei enorm, grenze manchmal sogar an Arroganz. Er sei nicht immer pflegeleicht, ein kleiner Paradiesvogel. Oder ein Pechvogel – wie sich an der folgenden Anekdote aus Arnautovics Inter-Zeit ablesen lässt: Im März lieh er sich vom Kollegen Samuel Eto’o einen mehrere hunderttausend Euro teuren Bentley und stellte selbigen vor einem Hotel in Mailand ab. Der Wagen wurde prompt geklaut.

Nach Bremen kam Arnautovic gestern in Begleitung seines Bruders, seiner Freundin und seines Beraters mit dem Flugzeug. Und wie ein Paradiesvogel trat der junge Mann nicht auf. Wenn man mal davon absieht, dass Jacke und Schuhe in Farbe und Muster perfekt abgestimmt waren. Die stark tätowierten Unterarme versteckte er unter einem weißen Sweatshirt.

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